Ford will sich neu erfinden, mit neuen Geländewagen, E-Autos und Pick-ups. Kommt bald der E-Fiesta?
Kölner AutobauerFord will mit sieben neuen Modellen aus der Krise sprinten

Der neue Ford Ranger Super Duty soll extrem robust sein und richtet sich an gewerblich Kunden oder Gelände-Enthusiasten
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Ford stand einst in Europa für solide und preiswerte Autos. Der in Köln gebaute Kleinwagen Fiesta war ein Bestseller. Sierra und Mondeo waren beliebte Familienkutschen, deutlich billiger als VWs Passat. Granada und Scorpio boten Platz für die Großfamilie weit entfernt vom Premiumpreis à la BMW oder Mercedes.
Doch dann entschied der US-Autobauer, sich auf ein ganz anderes Segment zu konzentrieren. Mondeo, Fiesta und Focus flogen trotz vieler Fans aus dem Programm. Ford wollte sich für Europa neu erfinden. Neidisch schauten die Fordler auf die Kollegen in Wolfsburg, die mit ihren ID-Baureihen erfolgreich in das Elektroauto-Segment starteten. Diese Art von Autos - größer, elektrisch, mehr SUV-Style - versprachen Margen, die mit dem Kleinwagen Fiesta nicht zu machen waren.
Im Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ sagte der damalige Ford-Chef Martin Sander im April 2023: „Wir werden uns also auf wachsende Bereiche konzentrieren und auf Produkte, die zur Marke passen, also SUVs, Pick-ups, leichte Nutzfahrzeuge wie der Transit. Absatzzahlen und Marktanteile sind nicht mehr unsere Ziele. Dafür kann sich niemand etwas kaufen“. Verblüffende Ehrlichkeit eines Mannes, der kurz darauf Ford verließ.
Markantes Image für Ford in Europa
Für das Kölner Werk hieß das: Alle Verbrenner raus, und konsequent auf die SUV-E-Modelle Explorer und Capri setzen, die aber mit Preisen jenseits der 35.000 Euro weit weg sind von der Leistbarkeit eines Fiesta-Kunden. Dieser Transformationsprozess hat dem Image von Ford in Europa geschadet. Nicht zuletzt, weil beide Modelle auf einer VW-Basis stehen, da Ford nichts eigenes im Portfolio hatte.
Dieser Marken-Erosion will sich Ford in Europa nun entgegenstemmen. Bei zwei Parallel-Veranstaltungen in Salzburg und auf der Rennstrecke Bilster Berg im Teutoburger Wald wurden hunderte Händler, Entscheider und ein paar Journalisten auf Fords neue Europa-Offensive eingeschworen.
„Ready-Set-Ford“ stand auf riesigen Plakaten rund um die Rennstrecke. Der Slogan soll auf das amerikanische Pendant von „Auf die Plätze, fertig, los anspielen“, also „Auf die Plätze, fertig Ford“ heißen. Diese Strategie „konzentriert sich auf die Bereiche, in denen Ford authentisch auftritt und sich von anderen abhebt: Build, Thrill und Adventure (Anpacken, Nervenkitzel und Abenteuer)“, sagte ein hochrangiger Ford-Manager vor Journalisten am Bilster Berg.
Ford besinnt sich auf Rallye-Gene
Die neue Kampagne ist mehr als eine Motivationsstrategie. Es beinhaltet die Verkündung vieler neuer Modelle. Ein wichtiges Zeichen, fürchteten doch viele Branchenkenner, Ford könnte dem Beispiel des anderen US-Autogiganten Generel Motors folgen. Dieser hatte sich komplett aus dem Europa-Geschäft zurückgezogen und seine Töchter Opel und Vauxhall an Stellantis verkauft.
Fünf komplett neue Pkw-Modelle und zwei Nutzfahrzeuge hat Ford für Europa angekündigt, flankiert von einer neuen Markenplattform, einem stärkeren Fokus auf Software und einer Kampfansage an die hiesige Politik. Statt Rückzug signalisiert der US-Autobauer einen Neustart, um den Platzhirschen auf Europas Automärkten wie Volkswagen oder Renault wieder die Stirn zu bieten.
Kern der Ford-Offensive sind fünf Pkw-Neuheiten, die emotional positioniert werden. Ford sprach am Bilsterberg über Motorsport, „Rallye-DNA“ und Fahrspaß – und verspricht sich damit wohl, von nüchterner auftretenden Elektro-Konkurrenten abzuheben.
Neuer Ranger in Extremausführung
Produktseitig setzt Ford bei der neuen Strategie unter anderem auf kompakte Elektro-Neuheiten und eine sportliche Positionierung. Versprochen werden ein elektrischer Kleinwagen, ein elektrischer SUV sowie zwei so genannte Multi-Energy-Crossover bis Ende 2029. Dass die meisten Neu-Fahrzeuge bei Renault gebaut werden und nicht im geschrumpften Kölner Ford-Werk, dürfte für die Belegschaft am Rhein ein herber Schlag sein.
Immerhin hat Ford damit in einigen Jahren wieder so etwas wie ein Vollsortiment aus größeren und kleineren Fahrzeugen - womit man ja lange Jahre gut gefahren war. Von diesen Fahrzeugen sind bislang weder Bilder öffentlich, noch wurden die Namen bekannt. Ford-Fans hoffen auf ein Revival namens Fiesta als E-Version.
In einer anderen Sparte ist Ford dagegen seit Jahren erfolgreich, und zwar im Bereich der Nutzfahrzeuge. Der Ranger ist seit elf Jahren Europas meistverkaufter Pick-up. „Der neue Ranger Super Duty erweitert die Familie für die anspruchsvollsten Einsätze der Welt – Rettungsdienste, Forstwirtschaft, Bergbau und Militär“, sagte Fords neuer Europachef Jim Baumbick bei dessen Präsentation. Super Duty heißt in etwa „extrem robust“.
Europäische Regierungen und Umrüster für die Verteidigungsindustrie suchen zunehmend nach Serienfahrzeugen, die die extremen Anforderungen des Militärs erfüllen“, so Baumbick. Der Ranger Super Duty ist genau das richtige Fahrzeug dafür
Er bietet ein zulässiges Gesamtzuggewicht von acht Tonnen, und zieht bis zu 4,5 Tonnen. Sonderausstattungen: Heavy-Duty-Fahrwerk, zusätzlicher Unterbodenschutz und hoher Bodenfreiheit ab Werk. „Er kombiniert eine kompromisslose Arbeitsmentalität mit dem gewohnten Innenraumkomfort, der Konnektivität und den Fahrerassistenztechnologien des Ranger. „Europäische Regierungen und Umrüster für die Verteidigungsindustrie suchen zunehmend nach Serienfahrzeugen, die die extremen Anforderungen des Militärs erfüllen“, so Baumbick. Der Ranger Super Duty sei genau das richtige Fahrzeug dafür, so der Ford-Chef in Salzburg. Gebaut wird der Super Duty nicht wie der normale Ranger in Südafrika, sondern in Thailand.
Eine Entscheidung, die Branchenkenner verblüfft, ist ein neuer, rein elektrischer Transporter namens Transit City. Er tritt im Grunde in direkte Konkurrenz zum normalen E-Transit. Preislich soll das Fahrzeug, das vor allem auf Flottenkunden abzielt, bei 45.000 Euro liegen, deutlich weniger als der normale E-Transit.

Der Ford Transit City ist vollelektrisch und wird in China gebaut
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Um die Kosten niedrig zu halten, wird er in einer einzigen Standardkonfiguration angeboten. „Er ist in drei Varianten erhältlich, einschließlich einer Fahrgestell-Version für individuelle Aufbauten, und ist damit ein praktischer, budgetfreundlicher Partner für städtische Unternehmen. Er wird noch in diesem Jahr bei den Händlern verfügbar sein“, heißt es von Ford. Tatsächlich wirkt der Transit City äußerst spartanisch, er hat nicht einmal einen Haltegriff zum Einsteigen. Gebaut wird das Fahrzeug in China.
Ford Sub-Marke für Geländewagen namens Bronco soll ausgeweitet werden. Versprochen wird ein „robuster Kompakt-SUV“, der nicht als Ford, sondern als Bronco mit dem signifikanten springenden Pferd im Kühlergrill geliefert wird. Er kommt 2028 und wird nicht in Köln, sondern im Werk im spanischen Valencia gebaut. Ford spricht von einem Multi-Energy-Fahrzeug, was wahrscheinlich meint, dass er einen Hybrid-Antrieb haben wird.
Die Händler, die ja bei beiden Veranstaltungen in Salzburg und am Bilster Berg waren, begrüßen die Modellpolitik. „Wir unterstützen Fords Strategie, in Europa in die Offensive zu gehen, voll und ganz“, sagte Nicola Gilda, Vorsitzende des europäischen Händlerrats von Ford. „Aufbauend auf dem Erfolg von Ford Pro und dem Einsatz der Ford Rennsporttradition für das Design der neuen Pkw – das alles macht deutlich, Ford ist zurück, um zu gewinnen.“ Ob das stimmt, werden die nächsten Jahre zeigen.


