Seit 1920 arbeitete Vitger bei Ford, 1931 kam er nach Köln. Das Werk wuchs unter seiner Leitung deutlich.
150 aus 150Erhard Vitger baute die Kölner Ford-Werke wieder auf

Erhard Vitger (r.) begrüßt Henry Ford II.
Copyright: Ford-Werke Köln
Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 61. Teil der Serie geht es um den Ford-Manager Erhard Vitger.
Bedeutung
Vitger begann seine Berufslaufbahn als Angestellter bei einer Versicherungsgesellschaft, bevor er 1920 zur Tochter der Ford Motor Company in Kopenhagen kam. Nachdem das Unternehmen 1925 in Berlin seine erste deutsche Niederlassung gegründet hatte, wechselte Vitger dorthin als Prokurist. In dieser Funktion kam er 1931 an den neuen Standort nach Köln. Seit 1937 war er Vorstand der Ford-Werke AG. Vitger leitete zudem die Ford-Kreditgesellschaft und gründete die Ford-Versorgungs- und Unterstützungskasse.
1938 übernahm er zusätzlich die Geschäftsführung der Ford-Niederlassung in Budapest. 1942 beschnitt das NS-Regime Vitgers Kompetenzen als Ausländer. Obwohl er während der NS-Zeit ununterbrochen leitend im Werk tätig war, beauftragte ihn die US-Militärregierung im April 1945 mit dem Wiederaufbau des Kölner Werks. 1947 berief ihn Ford zum Vorstandsvorsitzenden und Generaldirektor. Bis 1952 leitete er das Unternehmen allein und baute in dieser Zeit wesentlich die deutsche Ford-Organisation auf.
Unter seiner Leitung wuchs die Zahl der Mitarbeitenden von 3.000 (1938) auf 13.000 (1957), gleichzeitig dehnte sich das Werk aus. 1954 verschenkte er 100 Ford Transit an Schulen zur Verkehrserziehung. Im gleichen Jahr rief er die Studierenden der Technischen Hochschulen zu einem Wettbewerb „Das Auto von morgen“ auf. 1958 wechselte Vitger als Vorsitzender in den Aufsichtsrat der Ford-Werke, dem er bis 1969 angehörte.
Erhard Vitger
Geboren: 11. Oktober 1898 in Køng, Dänemark
Gestorben: 29. Oktober 1991 in Lugano, Schweiz
Wirken in Köln
Vitger gründete 1936 den Kölner Eis-Klub e. V. mit, dessen Vorsitzender er 1949/50 und von 1958 bis 1961 war. Nach dem Krieg war er Mitgründer des Kölner Ortszirkels der Zauberer, Vitger selbst beherrschte mehr als 300 Zaubertricks.
Bemerkenswert
Vitger engagierte sich 1953 für die Gründung des bundesweiten Schülerlotsendienstes. Gemeinsam mit der 21 Jahre alten Maria Jühe errang er 1954 im Alter von 56 die Deutsche Meisterschaft im Eistanzen.
Spuren in der Stadt
1957 ermöglichte Vitger mit einer Spende von 50.000 DM die Einrichtung des Notarztdienstes der Stadt Köln. Mit dem Geld schaffte die Stadt einen fabrikneuen Ford-Lkw an und finanzierte dessen Um- und Ausbau zum ersten Notarztwagen.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.
