Gemeinsam mit ihrem Ehemann gründete die promovierte Juristin den „Kreisauer Kreis“. Auch nach dem Krieg war sie politisch aktiv.
150 aus 150Freya von Moltke setzte sich gegen den Nationalsozialismus ein

Freya von Moltke im Jahr 2007. (Archivfoto)
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Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 60. Teil der Serie geht es um die Widerstandskämpferin, Juristin und Schriftstellerin Freya von Moltke.
Bedeutung
Freya von Moltke war die Tochter des Kölner Bankiers Carl Theodor Deichmann und seiner Frau Ada geb. von Schnitzler. 1931 heiratete sie den Juristen Helmut James Graf von Moltke und zog mit ihm auf dessen Familiengut Kreisau. Nach einem Jurastudium in Köln promovierte sie 1935 an der Universität Berlin. Ab 1940 organisierte das Ehepaar von Moltke Zusammenkünfte mit Gleichgesinnten, um die Neuordnung Deutschlands nach dem prophezeiten Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes zu planen.
Der „Kreisauer Kreis“ stand für einen dezidiert freiheitlichen und dem Subsidiaritätsprinzip verpflichteten Staat, für Europa und die Würde des Menschen. Mit der Verhaftung ihres Mannes im Januar 1944 durch die Gestapo löste sich der Kreis auf. Der Volksgerichtshof verurteilte Helmut James von Moltke zum Tode. Die Hinrichtung fand im Januar 1945 in Berlin-Plötzensee statt. Freya von Moltke lebte mit ihren beiden Söhnen von 1947 bis 1956 in Südafrika und seit 1960 mit dem Philosophen Eugen Rosenstock-Huessy in Vermont.
Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus setzte sie sich für die Umwandlung des Gutes Kreisau, heute Krzyżowa, in eine Begegnungsstätte zur deutsch-polnischen und europäischen Verständigung ein. Trägerin ist eine deutsch-polnische Stiftung. 2004 gründete sich zudem in Berlin die Freya-von-Moltke-Stiftung für das Neue Kreisau, die die Begegnungsstätte unterstützt.
Freya von Moltke
Geboren: 29. März 1911 in Köln
Gestorben: 1. Januar 2010 in Norwich, USA
Wirken in Köln
Freya von Moltkes Geburtshaus stand an der Trankgasse 7A. Ab 1913 lebte sie mit ihrer Familie am Georgsplatz. 1930 bestand sie an der Kaiserin Augusta-Schule die Abiturprüfung.
Bemerkenswert
Freya von Moltke transkribierte über 1.600 Briefe ihres Mannes, auch aus der Haft, und veröffentlichte diese. Bis ins hohe Alter berichtete sie als Zeitzeugin über den Widerstand.
Spuren in der Stadt
Die Bezirksvertretung Innenstadt lehnte 2017 einen Bürgerantrag ab, den Bahnhofsvorplatz nach ihr zu benennen und beschloss stattdessen die Benennung einer kleinen Straße in Deutz. 2024 wurde das ehemalige Wohnhaus am Georgsplatz, die heutige Kaiserin-Augusta-Schule, zum „FrauenOrt NRW“ für Freya von Moltke. 2027 soll erstmalig ein Freya-von-Moltke-Preis verliehen werden.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.
