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Abgehängt in Köln
Kalker Bürgerverein sieht Viertel durch die Stadt benachteiligt

3 min
Der Bürgerverein fordert mehr Investitionen in soziale Arbeit statt in Polizeipräsenz in Kalk (Symbolbild).

Der Bürgerverein fordert mehr Investitionen in soziale Arbeit statt in Polizeipräsenz in Kalk (Symbolbild).

Der Bürgerverein wirft der Stadt vor, Kalk seit Jahren systematisch zu vernachlässigen. Gleichzeitig fordert er mehr Investitionen in soziale Arbeit statt in Polizeipräsenz.

Der Vorsitzende des Bürgervereins Kalk, Jonas Zimmer, fordert mehr Investitionen in die kulturelle und soziale Infrastruktur statt einer einseitigen Konzentration auf Polizeipräsenz. Zimmer kritisierte, dass die Stadt den Bezirk seit Jahrzehnten strukturell vernachlässige und aussichtsreiche Investitionsprojekte ausbremse. „Man gewinnt bisweilen den Eindruck, dass Kalk von der Stadtplanung bereits aufgegeben worden ist.“ Immer wieder würden Projekte und Belastungen nach Kalk verlagert, für die man linksrheinisch keinen Platz schaffen wolle.

Als symptomatisch bezeichnet er die Überlegung, den Hauptbahnhof möglicherweise ins Veedel zu verlegen: „Damit in der Innenstadt ein grünes Paradies entstehen kann, soll das bereits stark verdichtete Kalk zusätzlich 30 Jahre Bauarbeiten ertragen.“ Auch bei Kultur-Investitionen sieht Zimmer die Stadt in der Pflicht – etwa bei den verschiedenen Projekten zur Sanierung und Nutzung der Industriehallen der ehemaligen Chemischen Fabrik Kalk, die aus seiner Sicht durch städtische Entscheidungen blockiert oder seit Jahrzehnten verzögert würden.

Mange Sauberkeit in Kalk ein Problem

Das Kriminalitätsproblem des Viertels räumt Zimmer ein. In Kalk lebten viele von Armut betroffene Menschen und viele, die in Köln erst neu Fuß fassten. Gleichzeitig sei der Stadtteil zu einem beliebten Ziel für Immobilieninvestoren geworden. „Die Kaltmieten bei Neuvermietungen liegen inzwischen bei knapp 20 Euro pro Quadratmeter. Diese Diskrepanz zwischen Armut und steigenden Lebenshaltungskosten schafft einen anderen Nährboden für Kriminalität als in vielen anderen Stadtteilen.“ Das dürfe aber nicht dazu führen, dass im Viertel vor allem auf Polizeiarbeit gesetzt werde. „Das Kriminalitätsproblem in Kalk ist real – ich möchte das nicht kleinreden. Aber es ist auch ein Symptom der systematischen Vernachlässigung des Stadtteils.“

Für die Serie „Abgehängt in Köln – wenn die Postleitzahl entscheidet“ hat unsere Redaktion zuletzt den Stadtteil Kalk porträtiert. Die Reportage zeichnet nach, wie Drogenhandel und Armut das Viertel prägen, und fragt nach den Ursachen für die erhöhte Kriminalität.

Auch die mangelnde Sauberkeit im öffentlichen Raum hält Zimmer für ein drängendes Problem. Häufig fehle es jedoch an verständlichen und leicht zugänglichen Informationen. Viele Bewohnerinnen und Bewohner wüssten etwa nicht, dass alte Elektrogeräte nicht einfach auf die Straße gestellt werden dürften oder wie sie ordnungsgemäß entsorgt werden könnten. „In einem Stadtteil, in dem viele unterschiedliche Sprachen gesprochen werden und Menschen sehr verschiedene Alltagserfahrungen mitbringen, muss die Stadt deutlich stärker mit gezielten Informationskampagnen und dem Ordnungsamt präsent sein.“

Das Image des Viertels hält Zimmer dennoch für verzerrt. Die Aufmerksamkeit, die Kalk erhalte, richte sich fast immer auf die negativen Seiten. „Ich glaube, Fremd- und Selbstwahrnehmung sind hier in Kalk zwei ganz unterschiedliche Dinge.“ Wer offen und neugierig durch das Viertel gehe, erlebe etwas anderes. „Wer diese Offenheit mitbringt, kann hier einen Zusammenhalt erleben, wie man ihn in dieser Form in kaum einem anderen Kölner Viertel findet.“