Büttgen ist Gründer der Fahrradgarage in Bedburg, in der er Räder für Geflüchtete und Bedürftige aufbereitet.
Er ist eine gute SeeleBedburger schraubt für den guten Zweck Räder zusammen

Frank Büttgen aus Kaster hat die Fahrradgarage Bedburg gegründet. Mehr als 1000 gespendete Fahrräder hat er für Geflüchtete und Bedürftige aufbereitet.
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Kleine und große Räder, für Damen, Herren, Mädchen und Jungen, sportlich oder klassisch, manche wirken fast wie neu, anderen sieht man an, dass auf ihnen schon Tausende Kilometer geradelt wurden - in der Halle an der Otto-Hahn-Straße in Bedburg stehen Dutzende Fahrräder, die auf einen neuen Besitzer warten. Ihnen allen ist eines gemein: Frank Büttgen hat sie alle auf Vordermann gebracht und in einen verkehrssicheren Zustand versetzt.
Der 63-Jährige ist der Gründer der Fahrradgarage Bedburg, die es nun schon im elften Jahr gibt. „Es fing alles 2015 an, als erstmals eine große Zahl von Geflüchteten nach Bedburg kam“, berichtet Büttgen. Seine Frau Martina habe sich in der Flüchtlingshilfe engagiert und in der Alten Schule Lipp geholfen, die als Unterkunft diente. „Bald hieß es: Kannst du nicht mal mitgehen?“, erinnert sich Büttgen, der im Rahmen der „Bedburger Hände“ tätig wurde, eines Zusammenschlusses von Ehrenamtlern.
Bedburg: Räder von Geflüchteten waren oft in schlechtem Zustand
Der handwerklich geschickte Büttgen half aus und reparierte zunächst Möbel. „Aber es hat sich schnell herausgestellt, dass die Flüchtlinge Fahrräder brauchen.“ Autos habe keiner von ihnen gehabt, Führerscheine seien oftmals nicht anerkannt worden, und die Räder, über die die Geflüchteten verfügten, seien oft in einem schlechten Zustand gewesen. „Und es war keine gute Konstellation, wenn Geflüchtete und Verkehrspolizisten, die beide schlechtes Englisch sprechen, in eine Diskussion über die Verkehrssicherheit eines Fahrrads geraten“, sagt Büttgen.
Und so habe er es sich zur Aufgabe gemacht, gespendete Rädern verkehrssicher für Geflüchtete und Bedürftige aufzubereiten. Repariert werden die Räder allesamt in Büttgens privater Garage in Kaster. Das Werkzeug habe er aus eigener Tasche bezahlt, Reparaturmaterial und Verschleißteile kaufe er aus den Verkaufserlösen.
Denn: Verschenkt werden die Räder nicht. Zwischen 15 und 35 Euro kostet ein von Büttgen aufbereitetes Rad. „Man mag es Schutzgebühr oder Aufwandsentschädigung nennen“, sagt Büttgen. „Aber irgendwie muss die Fahrradgarage ja auch finanziert werden.“ Die Räder werden von Menschen nicht nur aus Bedburg gespendet. „Viele Leute kaufen sich ein E-Bike und haben dann zu viele Fahrräder in der Garage stehen.“
Ersatzteile kaufe er konsequent in einem Bedburger Fahrradladen. „Auf die Weise bleiben die Spenden und das Geld für die Räder in Bedburg“, erläutert Büttgen. Dabei steht der Preis in keinem Verhältnis zum Aufwand, den der frühere Ford-Techniker betreibt. Rund drei Stunden wendet der Ruheständler Büttgen je Rad auf und zerlegt dabei die Mechanik in alle Einzelteile und setzt sie wieder zusammen.
„Eine Sachs-Sieben-Gangschaltung zum Beispiel besteht aus 30 Teilen“, sagt Büttgen. Auch Tretlager und das Lager des Vorderrads nimmt er auseinander. Halogenlampen werden durchweg gegen LEDs ausgetauscht. Insgesamt 1086 Fahrräder sind so bereits durch seine Hände (und die mehrerer Helfer) an neue Besitzer gegangen.
Wie hoch der zeitliche Aufwand ist, vermag Büttgen nicht zu sagen. „Eine Stunde ist es selten, meistens ist er den halben Tag in der Garage verschwunden“, berichtet seine Frau Martina. Büttgen selbst sagt: „Ich setze mich nicht auf die Couch und gucke fern. Wenn ich nichts zu tun habe, gehe ich in die Garage.“ Die Räder gehen nicht ausschließlich an Geflüchtete, und auch nicht jeder Geflüchtete erhält ein Rad. „Wer schon sechs oder sieben Jahre in Deutschland ist, braucht kein Rad mehr von mir“, sagt Büttgen.
In Notlagen helfe er gern aus. „Etwa wenn ein Mann seinen Führerschein verliert und schnell auf ein Rad angewiesen ist, um seine Arbeitsstelle nicht zu verlieren. Oder wenn sich ein Arbeitgeber an mich wendet, weil der Lehrling zu Fuß jeden Morgen zu spät zur Arbeit kommt.“ Einen Nachweis benötige er nicht. „Aber man muss mir schon glaubhaft darstellen können, warum man auf das Fahrrad angewiesen ist“, sagt Büttgen.

Frank Büttgen in der Halle an der Otto-Hahn-Straße in Bedburg, die als Ausgabestelle für die Fahrradgarage dient. Hier lagern die Räder, die auf neue Besitzer warten.
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Die Fahrradgarage hat sein Leben auch in anderer Hinsicht geändert. 2022 kamen eine Ukrainerin und ihr Sohn zur Fahrradgarage. Der Junge bekam sein Fahrrad und half bald dreimal in der Woche in der Werkstatt mit aus. Als die Mutter wieder in die Heimat zurückkehren wollte, äußerte ihr Sohn den Wunsch zu bleiben.
„Aber weil er erst 16 Jahre alt war, musste sich jemand um ihn kümmern“, sagt Büttgen. Das Ehepaar, das zwei erwachsene Kinder hat, nahm den Jungen als Pflegekind an. „Er war drei Jahre bei uns, hat inzwischen seinen Realschulabschluss und macht jetzt eine Ausbildung zum Physiotherapeuten“, sagt Büttgen.
Die Zahl der Geflüchteten, die für kleines Geld ein Rad bei Büttgen erstehen, nimmt deutlich ab. Syrer kämen kaum noch, auch Ukrainer würden immer weniger. Inzwischen seien es mehr Iraner, Iraker, Afghanen und türkische Kurden, insgesamt jedoch weniger. „Aber ich mache weiter, solange der Bedarf da ist.“
