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Krippenausstellung„ArsKrippana“  in Losheim zeigt zehn neue Krippen aus aller Welt

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Krippen aus aller Welt zeigt Michael Balter in der Ausstellung Ars Krippana an der deutsch-belgischen Grenze in Hellenthal-Losheim.

Die handwerkliche Perfektion bei den geschnitzten oder aus Gips gegossenen Krippenfiguren geht bei der Ausstellung in Losheim mit einer professionellen Ausleuchtung der kleinen Kunstwerke einher.

Die Krippenausstellung ArsKrippana an der deutsch-belgischen Grenze ist teils neu gestaltet und bietet weitere Facetten der immer gleichen Geschichte.

Für viele gehört das „Krippchen“ unterm Baum einfach zu einem gelungenen Weihnachtsfest dazu – das ist auch bei Michael Balter nicht anders. Weihnachtskrippen haben bei Balter allerdings das ganze Jahr über Saison: Als Chef der „ArsKrippana“ hat er ständig mit den verschiedensten Darstellungen der biblischen Geburtsszene aus dem Stall von Bethlehem zu tun.

Insgesamt sind in der Krippenausstellung an der deutsch-belgischen Grenze auf einer Fläche von mehr als 2500 Quadratmetern über 300 Krippen aus aller Welt zu sehen. Die Schau in Losheim ist das ganze Jahr über geöffnet – auch an den Weihnachtstagen sowie an Silvester und am Neujahrstag.

Die altbekannte Geschichte von Maria und Josef mit dem Neugeborenen in der Krippe, von Ochs und Esel, den Hirten auf dem Felde und den drei Weisen aus dem Morgenland wird dabei in unzähligen Variationen immer wieder neu erzählt. „In diesem Jahr sind noch einmal mehr als zehn neue Kunstwerke dazugekommen, die gesamte Ausstellung haben wir liebevoll neu arrangiert,“ erklärt der Leiter der Krippenausstellung. Dabei scheut Balter auch nicht vor kontroversen Darstellungen zurück.

Eine Krippe kann auch eine Gesellschaftskritik sein

Ein Beispiel hierfür ist die Krippe der deutschen Künstlerin Marie Therese Jung, die bereits in den 1980er-Jahren mit ihren sozialkritischen Krippenwerken Neuland betrat. „Für sie ist die Krippe nicht mehr nur die besänftigende Vision eines Kindes auf Stroh, sondern eine gesellschaftskritische Auseinandersetzung mit den Lebensweisen der heutigen Welt“, so der Krippenexperte: „Ihre Werke werfen Fragen auf und regen zum Nachdenken an.“

Besonders hervorzuheben sei ihre „Friedenskrippe“, die vor mehr als 40 Jahren entstand – und immer noch aktuell ist. „In dieser Krippe, die jetzt in unserer Schau zu sehen ist, nehmen die Geißeln unserer Gesellschaft Gestalt an“, erklärt Balter: Ein entlassener Arbeiter, eine zerrissene Familie, deren Kinder im Nirgendwo umherirren, eine Mutter, die nur ans Shoppen denkt, und ein Vater, der von der Arbeit und dem Geldverdienen überlastet ist.

Michael Balter steht an einer runden Holzschnitzerei, die eine Krippendarstellung zeigt.

Fasziniert von den Krippen aus aller Welt ist Michael Balter, hier mit einer Schnitzerei aus Indonesien, eingefasst vom Rad eines Ochsenkarren.

Olivier Jaubert trägt eine Schürze über einem karierten Hemd. In einer Werkstatt taucht er Textilien in einen Eimer mit einer Gipsmasse, um daraus später Landschaften für Krippen zu modellieren.

Die Landschaften der Krippen modelliert Olivier Jaubert mithilfe von in Gips getränktem Textilien.

„Armut in der Dritten Welt wird durch eine Frau dargestellt, die ihr Kind verloren hat, weil sie es nicht ernähren konnte. Daneben sitzt ein korpulenter Mann mit Zigarre, der für seinen Profit über Leichen geht und die Umwelt zerstört“, so der Ausstellungsleiter.

Doch auch inmitten dieser sozialkritischen Darstellung ist Platz für die Hoffnung auf eine bessere Zukunft: Im Zentrum der Krippe spielen Kinder verschiedener Ethnien und Kulturen friedlich zusammen.

Toleranz ist eines der Grundprinzipien in der ArsKrippana in Losheim

Die gesamte Ausstellung lebe von einer besonderen Toleranz, erklärt Balter: „Sie bietet eine einzigartige Mischung aus Kunst und Handwerk, verspielten oder mystisch überhöhten Darstellungen, theologischem Tiefgang und naivem Gottvertrauen.“

Krippen seien in der ArsKrippana echte Herzensangelegenheiten, die Geschichten erzählen. „Auch die Geschichten von den Menschen, die sie mit Liebe gebaut und aufgestellt haben“, betont der Geschäftsmann aus dem deutsch-belgischen Grenzort Losheim, der vor rund 20 Jahren die belgische Staatsbürgerschaft angenommen hat. Dabei legen Balter und sein Team besonderes Augenmerk auf die Ausleuchtung der biblischen Geburtsszene. „Das hat durchaus ein professionelles Niveau, was wir hier machen“, sagt Balter selbstbewusst.

Mehere Figuren sind in einer Krippendarstellung zu sehen, die als Friedenskrippe bezeichnet wird.

Einen sozialkritischen Ansatz, der auch heute noch aktuell ist, wählte Marie Therese Jung bereits in den 1980er-Jahren mit ihrer Friedenskrippe.

Zu sehen ist eine detailreiche Darstellung einer Krippenszene.

Großen Wert auf Detaildarstellungen legen die Krippen der italienischen und katalanischen Schulen.

In dieser Krippendarstellung sitzen die Figuren auf weißen, hinterleuchteten Wolken.

Zu einem Gesamtkunstwerk ist die Krippe „Traum der Engel“ durch die Art der Präsentation geworden.

In dieser Krippendarstellung ist die Szenerie in abendlich blaues Licht getaucht, der Stall mit der Familie ist heller erleuchtet.

Krippenbauer aus aller Welt transferieren die biblische Szene von Bethlehem in ihre eigene Heimat.

Weil ihm dabei jedoch kein „professionelles Budget“ wie etwa in großen Kunstmuseen zur Verfügung steht, entsteht vieles mit Bauteilen aus dem Heimwerkermarkt in Eigenregie. Der Brüsseler Automaten- und Kulissenbauer Sebastien Boucherit, der seit vielen Jahren in den Wintermonaten für Balter an der Weiterentwicklung der Krippenausstellung arbeitet, hat sich auf die stimmungsvolle Ausleuchtung der verschiedensten Szenen spezialisiert.

Eine hochwertige LED, kombiniert mit der Linse einer Mini-Taschenlampe aus dem Billigladen, eingefasst in ein Stück Kupferrohr – und fertig ist die warmgetönte Beleuchtungseinheit, die sich zielgerichtet auf das Detail einer Krippe fokussieren lässt.

Kriegswaffen als Instrumente in Krippe mit aktuellem Bezug

Auch der französische Stuckateur Olivier Jaubert war in den Wochen vor dem Weihnachtsfest wieder in den Krippana-Hallen im Einsatz, um neue Krippenlandschaften entstehen zu lassen. Bei ihm kommen allerdings keine vorgefertigten Bauteile zum Einsatz – alles entsteht in traditioneller Handarbeit. Mithilfe in Gips getränkter Textilien modelliert Jaubert den Untergrund für Wiesen und Berghänge, auf denen später Hirten ihre Schafe weiden lassen.

„Bei allem, was wir hier machen, ist mir wichtig, das Herz der Besucher zu berühren“, sagt Balter beim Gang durch die Ausstellung. Deutlich wird das auch bei der Krippe „Traum der Engel“, deren Figuren während der Hochzeit des Kalten Krieges von der bereits verstorbenen Aachener Künstlerin Berta Kals modelliert wurden.

Zu sehen sind Engel, die Kriegswaffen zu Musikinstrumenten umfunktioniert haben: Ein Engel spielt Flöte auf einer Panzerfaust, ein anderer trommelt auf zwei Fliegerbomben. Maria hat sich auf einer Rakete niedergelassen – und das Jesuskind in der Krippe hält ein Sturmgewehr umklammert.

„Die Krippe ist bereits seit einigen Jahren hier in der Krippana zu sehen. Sie hat allerdings jetzt, auch aufgrund ihrer Aktualität angesichts der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, einen besonderen Platz bekommen und ist von den beiden Künstlern neu in Szene gesetzt worden“, berichtet Balter.

Die Beleuchtung macht die Krippe mit den auf Wolken platzierten Engeln schließlich zum Gesamtkunstwerk. „Die Wolken sehen wir dabei auch als Symbol für Hoffnung, für Fruchtbarkeit bringenden Regen“, führt Balter beim Blick auf das Diorama aus.

Gleich gegenüber hat eine weitere neue Krippe ihren Platz gefunden, die viele Besucher aufgrund ihres besonderen Materials begeistert. „Die Figuren dieser einzigartigen Krippe bestehen aus feinstem Kristallglas – auch dies ist ein Beweis für die Handwerkskunst aller Krippen, die wir in der Ausstellung zeigen“, so der Ausstellungsmacher.


Die ArsKrippana ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 9,50 Euro für Erwachsene und 5 Euro für Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren. Freien Eintritt haben Kinder unter 6 Jahren. Eine Familienkarte (zwei Erwachsene und maximal vier Kinder) gibt es für 26 Euro.

Anfahrt: Die Ausstellung befindet sich unmittelbar an der deutsch-belgischen Grenze. Adresse fürs Navi: Prümer Straße 55 in 53940 Losheim/Eifel.


Krippenwege in Marmagen und Ripsdorf

Noch bis zum 10. Januar können Krippen-Fans den Krippenweg in Ripsdorf besuchen. Was im Jahr 2021 klein begann, hat sich inzwischen zu einem beeindruckenden Rundweg mit 70 Adressen entwickelt. Alleine entlang der Ortsdurchgangsstraße sind es jetzt 33 Adressen: Große und kleine Krippen sind dort in den Vorgärten zu bestaunen.

Mal sind sie originell gestaltet, mal eher konventionell, mal bunt – und ganz oft sind sie auch selbst gebaut. Die Heilige Familie ist zigfach in Ripsdorf vertreten, oft auch schon die Heiligen Drei Könige, sowieso das bekannte Begleitpersonal aus Engeln, Hirten, Schafen sowie Ochs und Esel.

Samstags bis zum Dreikönigstag, jeweils in der Zeit von 15 bis 18 Uhr, bietet Dominique Zinner in einem Holzbüdchen heiße Getränke und Crêpes für die Besucher des Krippenwegs an. Einen Lageplan mit allen teilnehmenden Adressen kann man sich auf der Internetseite des Ripsdorfer Eifelvereins herunterladen, aus dessen Reihen vor einigen Jahren die Idee für die Freiluftausstellung kam.

Rund 70 Krippen warten auf die Wanderer, die sich auf den Rundweg durch den Marmagener Wald begeben.

Versteckt im Wald bei Marmagen liegt diese Krippe.

Auch in Marmagen kann man das Krippenschauen noch bis zum 11. Januar mit einer kleinen Wanderung durch den Winterwald verbinden. Dort können Familien auf 4,7 Kilometern Wegstrecke weihnachtliche Entdeckungen machen und dazu noch Rätselspaß erleben. Startpunkt des Weges ist am Eiffelplatz im Ortskern. Der Großteil des Weges ist barrierefrei.

An vielen Krippen finden sich kleine Holzscheiben mit Buchstaben. Die gehören zu einem „Waldgeisterrätsel“, bei dem mit den Buchstaben ein Satz gebildet werden muss. Die Lösung kann man dann per Mail an den Eifelverein Marmagen senden.

Einen Krippen- und Wichtelweg mit einer Länge von 1,2 Kilometern gibt es außerdem am Swister Turm bei Weilerswist.