Im Sommer findet das Bundeslager der Christlichen Pfadfinderschaft in Hellenthal statt, dafür werden 6000 Holzstämme benötigt.
Bundeslager in HellenthalPfadfinder holen bei Wind und Wetter Holz aus dem Wald

Mit einem Rückepferd unterstützte Dirk Züll aus Udenbreth die Pfadfinder beim Holzeinschlag.
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Jeden Tag eine gute Tat? Alten Damen über die Straße helfen? Für die Pfadfinder, die am Wochenende im Wilsamtal unterwegs waren, galt es, andere Herausforderungen zu bestehen. Denn es stand ein Holzeinschlagwochenende auf dem Programm, mit dem das Bundeslager der Christlichen Pfadfinderschaft Deutschland (CPD) vorbereitet werden sollte. Die Aufgabe, die den Pfadfindern gestellt worden war, war nicht gerade leicht: 6000 Holzstämme in verschiedenen Längen sollten aus dem Wald geholt werden. Bis zu fünfzehn Meter lang sollten diese sein, so die Bestellungen der verschiedenen Gruppen, die sich für das Lager angemeldet hatten.
Das allein klingt schon wie eine Mammutaufgabe, doch wenn der Holzeinschlag im Eifelwald nah der belgischen Grenze stattfindet, kann es noch kniffliger werden: Nach einer fast frühlingshaften Woche hatte sich Gevatter Winter dazu entschlossen, sich noch einmal in Erinnerung zu bringen und die Region mit Schnee, Regen, Wind und Temperaturen um die Null Grad zu beglücken. Was im besonderen Fall des Holzeinschlagslagers dazu führte, dass sich die Pfadfinder häufiger um eine Feuertonne sammelten, um sich aufzuwärmen.
Schmelzwasser verwandelte Waldboden in Matschfläche
50 Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus dem ganzen Bundesgebiet waren angereist, um zu helfen. Untergebracht waren sie in der Hauptschule in Hellenthal.
„Der Schnee schmilzt ja schon wieder“, versuchte Stammesführer des Hellenthaler CPD Stammes Wilhelm-Hermann, Thorge Joswig, die Situation zumindest verbal abzumildern. Mit nur mäßigem Erfolg, denn das Schmelzwasser verwandelte den Waldboden in eine Matschfläche, die die Holzfällarbeiten nicht zum Vergnügen werden ließ. Und auch die Möglichkeiten der Pfadfinder an ihr Holz zu kommen, waren dadurch eingeschränkt. Denn so konnten sie nur auf drei der eigentlich möglichen vier Flächen tätig sein. „Das wäre auch noch ein Wald, der für uns vorbereitet wurde“, so Joswig und zeigte auf einen dicht mit Fichten bewachsenen Bereich. Doch da sei es angesagt, Wathosen anzuziehen, scherzte er.

Schnee und Matsch erschwerten das Herausholen der Stämme bei der Aktion im Wilsamtal. 6000 Stangen Holz werden für das Bundeslager im Sommer benötigt.
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Wer schon einmal ein Pfadfinderlager gesehen hat, ahnt, was mit den Stangen geschehen wird. Eine große Siedlung für mehr als 1000 Menschen soll daraus erbaut werden, die im Endeffekt aussieht, wie eine aus Stangen und Planen entstandene Kulisse für eine Fantasyfilmproduktion. Für zehn Tage, von Mittwoch, 29. Juli, bis Sonntag, 9. August, wird sie auf einer Wiese neben dem Wildfreigehege stehen, wie bereits einmal vor rund 14 Jahren.
Gute Zusammenarbeit mit Hellenthal und Schleiden
Als Standort wirkt die Wiese ideal, doch sie birgt Probleme, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind. Während das direkt angrenzende Wildfreigehege auf dem Gebiet der Gemeinde Hellenthal liege, gehöre die Wiese bereits zur Stadt Schleiden, sagte Joswig. So habe er mit zwei Rathäusern zu tun. Zum Beispiel seien die Evakuierungswege wie auch die Entwässerung Angelegenheit der Hellenthaler Verwaltung, während die meisten anderen Genehmigungen, die für das Lager notwendig seien, über die Stadt Schleiden liefen. Doch mit beiden Ämtern gestalte sich die Zusammenarbeit hervorragend. „Man kennt sich auf dem Dorf“, fasste es Joswig zusammen.

Leiteten den Holzeinschlag an: Jan-Erik Ritzel und Thorge Joswig.
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Der Sohn des evangelischen Pfarrers Oliver Joswig ist in Hellenthal aufgewachsen und hat im Alter von elf Jahren schon beim ersten Bundeslager in der Gemeinde mitgemacht. „Das war sehr groß. Und sehr schön“, erinnert er sich. Gemeinsam mit Jan-Erik Ritzel und Timo Liebold ist er beim diesjährigen Lager nun für die Logistik zuständig.
Rückepferd aus Udenbreth half Pfadfindern
„Die verschiedenen Stämme haben im Vorfeld ihre Bestellungen angemeldet“, berichtete Ritzel bei den Holzarbeiten am Wochenende. Bereitgestellt worden seien die Stangen von der Gemeinde Hellenthal, die Flächen aus ihrem Gemeindewald für die Beschaffung zur Verfügung stellte, wie Joswig erläuterte. Revierförster Jan Lorenz Reichmann habe die Bereiche ausgezeichnet. „Das war bei zwei Flächen eine Erstdurchforstung“, sagte der Pfadfinder. Unterstützung hatten sie dabei von Dirk Züll aus Udenbreth, der mit einem seiner Rückepferde gekommen war, um die gefällten Bäume aus dem Wald zu ziehen. Auch war ein Traktor im Einsatz, der die Muskelarbeit durch PS ersetzte.
Ein paar Zweifel blieben allerdings, ob die Holzbeschaffung aufgrund des Wetters nicht hinter den Erwartungen zurückgeblieben war. Vier Wochenenden sind dafür vorgesehen, und bereits am zweiten sei es nicht so gelaufen wie erhofft. „Da haben wir nur 1200 Stangen geschafft“, sagte Joswig. Ein letzter Termin bleibt ihnen noch, um die nötigen Mengen heranzuschaffen. Am nächsten Wochenende geht es wieder in den Wald.
Bundeslager „Per Limites“ findet im Sommer statt
Bereits vor 14 Jahren, im Jahr 2012, war Hellenthal Gastgeber für das Bundeslager „Per Limites“ der Christlichen Pfadfinder Deutschland (CPD). Alle vier Jahre, so der Plan, versammeln sich die Stämme des CPD für neun Tage zu ihrem Bundeslager, das allerdings vor sechs Jahren gleich zweimal verschoben werden musste, so dass das letzte im Jahr 2022 in Celle stattfand.
Seit 2023 werde das Lager geplant, sagte Konstantin Berecz, Bundeslagerleiter. „Die Planung nimmt mehr und mehr Fahrt auf.“ Einmal in der Woche treffe sich das Leitungsteam in einer Onlinekonferenz, um sich abzusprechen. „Mittlerweile telefonieren wir auch noch mehrmals in der Woche“, berichtete er.

So sah das Bundeslager im Sommer 2012 aus, das auf derselben Wiese stattfand.
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Rund 1200 Pfadfinder seien beim vergangenen Bundeslager zusammengekommen. „Es ist toll, die Planung zu machen, weil man Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet kennenlernt und eine große Herausforderung besteht“, so Berecz.
Von Donnerstag, 29. Juli, bis 9. August wird das Bundeslager in Hellenthal stattfinden. Ein Besuchstag ist für Sonntag, 2. August, geplant. „Das ist immer schön für die Eltern, aber auch eine Gelegenheit für die regionale Bevölkerung, sich anzugucken, was wir dort machen“, erläuterte Berecz.

