Martin Berners erlebte stressige 100 Tage in seinem neuen Amt als Bürgermeister von Hellenthal. Die Arbeit im Rathaus ist ihm nicht neu.
100 Tage im AmtMartin Berners will Bürgermeister für alle Hellenthaler sein

Aus dem Bauamt in den Chefsessel wechselte Martin Berners. Im September 2025 hatten die Hellenthaler den CDU-Mann mit 54 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt.
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Es ist kein einfaches Erbe, das Martin Berners vor rund 100 Tagen angetreten ist. Sein Vorgänger Rudolf Westerburg (parteilos) war 16 Jahre im Amt und bekannt dafür, als Gemeindeoberhaupt einer kleinen Landkommune am westlichen Ende Deutschlands keinen Gegner zu fürchten und viel für seine Kommune in die Wege zu leiten. Es stellt eine Herausforderung dar, Nachfolger eines Mannes zu sein, der viel Persönlichkeit und Verwaltungserfahrung einbrachte und, wenn auch nicht von jedem geliebt, so doch allgemein respektiert war.
Große Fußstapfen also für den neuen CDU-Bürgermeister. Berners macht bislang das einzig Vernünftige: Er kümmert sich nicht sonderlich um Erbhöfe, sondern macht sein Ding. Die Würde, die solch ein Amt gern verleiht, geht ihm vielleicht noch ab, doch das macht der 42-Jährige mit fast jugendlicher Unbekümmertheit wett.
Die ersten Monate im neuen Amt waren stressig für Martin Berners
Verwaltungsferne kann ihm ohnehin niemand vorwerfen. Genau wie Westerburg kennt er die Vorgänge im Haus wie seine Westentasche, hat er doch sein gesamtes bisheriges Berufsleben bei der Gemeinde Hellenthal verbracht. Im komplizierten und sensiblen Thema „Erneuerbare Energien“ war es schon vor Jahren nicht zuletzt seine Kompetenz und Beharrlichkeit als Sachbearbeiter im Bauamt, Rat und Verwaltung dazu gedrängt zu haben, einen Flächennutzungsplan zu verabschieden, bevor die Entscheidungsfreiheit der Kommunen durch das Wind-an-Land-Gesetz praktisch abgeschafft wurde.
Nach der Wahl zum Bürgermeister ging es also zum 1. November vom Bauamt in den Chefsessel. „Die ersten Monate im Amt waren stressig“, gibt Berners zu. Ein Termin jagte den nächsten, das E-Mail-Postfach lief über. „Mittlerweile hat es sich eingespielt, das ist vielleicht so am Anfang.“ Doch habe ihn die Terminflut überrascht. Er habe gedacht, etwas mehr Zeit für seine (Verwaltungs-)Arbeit zu haben.
Dass die Aufgaben als Bürgermeister deutlich vielseitiger sein würden, sei ihm klar gewesen – doch es sei schon extrem viel. Im Stress der ersten drei Monate haben die Schwiegereltern die junge Familie mit den drei Kindern sehr unterstützt, seine Frau sei auch berufstätig. „Das passt alles. Ich bin aber auch schnell in der Mittagspause zu Hause“, so Berners.
Zum Prinz Karneval wurde der Bürgermeister schon gekürt
„Man merkt, dass die Leute dankbar sind, wenn man da ist“, stellt er fest. Bürgermeister in Hellenthal zu sein, sei eine schöne Aufgabe. Dass er von den Karnevalsvereinen der Gemeinde zum gemeinsamen Karnevalsprinzen gekürt wurde, hat ihm gefallen: „Das war eine gute Idee, die zeigt, dass die Vereine in Hellenthal zusammenhalten. Das ist ein gutes Zeichen.“
So habe er in den vergangenen Wochen den engen Kontakt zu den Bürgern gepflegt und in Reifferscheid die erste Bürgersprechstunde angeboten. Rund 100 Menschen seien dort gewesen. „Das zeigt, dass der Bedarf besteht.“ Diesen Kurs wolle er beibehalten und die Bürger informieren. Wie vor wenigen Tagen in Eichen-Ingersberg, als es um weitere Pläne in Bezug auf Freiflächenphotovoltaik ging. „Ich finde das nicht so schön, das geht schon in Richtung Umzingelung“, macht er aus seiner Skepsis keinen Hehl.
Es war klar, dass das schwierig sein würde.
Dass er bei Bedarf auch Zähne zeigen kann, deutete er bei der Diskussion über die Entscheidung des Regionalrates über den Sachlichen Teilplan Erneuerbare Energien (TPEE) des Regionalplans im Dezember an. Hier gelang es ihm, den Rat hinter sich zu versammeln und eine Resolution auf den Weg zu bringen, in der die Vertreter des Regionalrates aufgerufen wurden, gegen die Vorlage der Bezirksregierung zu votieren – was allerdings letztendlich nicht geschah.
„Es war klar, dass das schwierig sein würde“, sagt Berners. Die Windkraftpläne in der Gemeinde seien ein Problem, das ihn und alle Beteiligten noch intensiv beschäftigen werde. Er erwartet, dass viel Erklärungsarbeit notwendig sein werde.
Berners will Bürgermeister aller Hellenthaler sein
Wichtig ist Berners die Umsetzung eines Wahlversprechens: Bürgermeister aller Hellenthaler zu sein und nicht nur der CDU, deren Mitglied er im Juni 2024 mit der Zusage seiner Kandidatur geworden ist. Während die Diskussionen über den Neubau der Hellenthaler Grundschule im Rat in scharfe, zuweilen gar persönliche Auseinandersetzungen mündeten, war das nicht der Fall, als über das von Berners favorisierte Schulentwicklungskonzept abgestimmt wurde. „Es war mein Ziel, das Thema auf sachlicher Ebene zu diskutieren“, so Berners. Tatsächlich scheinen sich die Positionen aufeinander zuzubewegen – es bleibt jedoch abzuwarten, ob das von Dauer ist.
Ein von Berners ins Spiel gebrachtes Projekt gewinnt an Gestalt: Der Familienpfad, der mit Spielstationen am Weißen Stein realisiert werden soll. „So etwas gibt es in der Region noch nicht. Ich habe es im Schwarzwald kennengelernt.“ Die Realisierung hänge allerdings noch von der notwendigen Förderung ab, betont Berners. Der Mängelmelder ist dagegen bereits auf der Homepage installiert, so dass beispielsweise defekte Straßenlaternen oder Schlaglöcher direkt der Gemeinde gemeldet werden können.
Als Vorteil sieht Berners, dass er viele Jahre im Bauamt der Gemeinde tätig war und so jeden der 61 Orte und Weiler kennt. Gerne habe er in seiner Zeit als Verwaltungsangestellter auch in der Finanz- oder der Tourismusabteilung gearbeitet.
Unangenehm sei in seiner noch jungen Amtszeit das Problem mit der zeitweiligen Streusalzknappheit gewesen. „Die Gemeinde Hellenthal hat aber auch kein großes Salzlager“, sagt er.
Gut sei das Verhältnis zu den anderen Bürgermeistern, gerade zu denen, die wie er vor wenigen Monaten neu ins Amt gekommen seien. Auch die direkte Nachbarschaft funktioniere. Mit Emmanuel Kunz in Kall und Ingo Pfennings sei er im guten Austausch.

