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Zwei Millionen Euro DefizitKall muss Etat 2026 durch Griff in die Rücklage ausgleichen

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Drohnenaufnahme vom Kaller Gewerbegebiet.

Bei der Gewerbesteuer erwartet die Gemeinde Kall 2026 Mehreinnahmen von 2,6 Millionen Euro.

Das Defizit im Kaller Haushalt 2026 liegt bei zwei Millionen Euro.  Kämmerer Markus Stoff fordert die Politik zum Sparen auf.

Mit einem Volumen von knapp 51 Millionen und einem Defizit von gut zwei Millionen Euro schließt der Haushalt 2026, den Kämmerer Markus Stoff am Donnerstagabend dem Kaller Gemeinderat im Haus der Begegnung vorgelegt hat. „Nur aufgrund der gut gefüllten Ausgleichsrücklage ist der Haushalt fiktiv ausgeglichen“, betonte der Kämmerer in der Sitzung.

Ursprünglich betrug das Minus im Etat sogar drei Millionen Euro. Doch Stoff hat rund eine Million Euro für den sogenannten globalen Minderaufwand abgezogen.

Die Erträge der Gemeinde Kall werden nach Schätzungen von Stoff 2026 mit gut 48 Millionen Euro nochmals über dem bereits guten Niveau des Vorjahres liegen. Den größten Posten machen die Steuern und Abgaben mit mehr als 24 Millionen Euro aus. „54 Prozent davon kommen aus der Gewerbesteuer. Das heißt, fast jeder vierte Euro, den die Gemeinde einnimmt, stammt aus der Gewerbesteuer“, betonte der Kämmerer.

Keine Schlüsselzuweisungen wegen hoher Steuerkraft

Der zweitgrößte Ertragsblock sind die Zuwendungen und allgemeinen Umlagen mit 13,7 Millionen Euro. „Schlüsselzuweisungen suchen Sie im Haushalt aber leider vergebens. Aufgrund der hohen Steuerkraft der vergangenen Jahre brechen diese für das Haushaltsjahr 2026 weg“, erklärte Stoff.

Porträtbild von Markus Stoff.

Warnt vor den Folgekosten von Projekten: Kämmerer Markus Stoff.

Die öffentlich-rechtlichen Leistungsentgelte vornehmlich aus Gebühren machen 5,7 Millionen Euro und damit zwölf Prozent der Einnahmen der Gemeinde aus. Hinter den übrigen Einnahmen (8,5 Prozent) verstecken sich insbesondere Mieten, Pachten, Verkaufserlöse und Konzessionen.

„Insgesamt verbessert sich die Ertragssituation um knapp drei Millionen Euro   auf nunmehr gut 48 Millionen“, rechnete der Kämmerer vor. „Von den Steuermehreinnahmen in Höhe von dreieinhalb Millionen Euro sind alleine 2,6 Millionen der Gewerbesteuer zuzuschreiben.“ Mehr als 700.000 Euro zusätzlich erwartet Stoff aus den Anteilen an der Einkommenssteuer und der Umsatzsteuer.

Ordentliche Aufwendungen liegen in Kall auf einem hohen Niveau

„Bitterer wird der Blick auf die ordentlichen Aufwendungen, die auf einem hohen Niveau von 51 Millionen Euro stagnieren.“ Den größten Posten bilden Transferaufwendungen wie die Kreisumlage, die 18,2 Millionen Euro oder fast 36 Prozent der Ausgaben ausmachen.

Es folgen die Personal- und Versorgungsaufwendungen, die mit 13,9 Millionen Euro rund 27 Prozent der Aufwendungen betragen. 2026 wird die Gemeinde laut Stoff voraussichtlich etwa 750.000 Euro mehr für das Personal bezahlen müssen. Der Sach- und Dienstleistungsaufwand liegt mit 13 Millionen Euro nur knapp dahinter.

„Die Abschreibungen machen im Moment mit etwa 3,9 Millionen Euro noch keine Sorgen. Wenn ich aber an das Investitionspaket denke, das in den vergangenen Monaten und Jahren geschnürt wurde und wird, dann ist hier mittel- und langfristig mit deutlichen Steigerungen zu rechnen“, warnte der Kämmerer.

Investitionen von rund 31 Millionen Euro sind vorgesehen

„Insgesamt sind 2026 rund 31 Millionen Euro an Investitionen veranschlagt. Der dabei zu stemmende Eigenanteil liegt mit knapp 14,25 Millionen Euro bei rund 46 Prozent“, sagte Stoff. Sowohl die absoluten Zahlen als auch die Eigenanteilsquote seien zwar geringer als im Vorjahr, aber immer noch viel zu hoch. „Gerade in diesem Bereich werden wir im Rahmen der anstehenden Haushaltsberatungen Kürzungen vornehmen müssen. Das können wir uns einfach nicht leisten“, fordert der Kämmerer Sparanstrengungen von der Politik.

„Im vergangenen Jahr hatten wir ein deutlich schlechteres geplantes Jahresergebnis mit mehr als fünf Millionen Euro Defizit. Jetzt sind wir zwar besser als im Vorjahr, liegen aber immer noch bei einem Defizit von mehr als zwei Millionen Euro“, fasste Stoff die Lage zusammen.

Auch deshalb hat er in der mittelfristigen Finanzplanung 2027 und 2028 Steigerungen bei der Grundsteuer B um jeweils fünf und bei der Gewerbesteuer um jeweils zwei Prozent vorgesehen. 2029 müsse noch einmal nachgelegt werden: bei der Grundsteuer B um 14 und bei der Gewerbesteuer um zwei Prozent.

Bei Projekten sollen Folgekosten stärker berücksichtigt werden

Bei Projekten wie dem 23 Millionen Euro teuren Feuerwehrgerätehaus mit einer geplanten Refinanzierung aus dem Wiederaufbau in Höhe von 16 Millionen Euro und dem Kombibau aus Hallenbad und Turnhalle in der Auelstraße für rund zehn Millionen (komplett Wiederaufbau) müssten auch die Folgekosten für Unterhalt und Bewirtschaftung stärker berücksichtigt werden, fordert Stoff.

Bürgermeister Emmanuel Kunz meinte: „Unser gemeinsames Ziel muss ein strukturell ausgeglichener Haushalt sein. Das wird nicht durch Einmaleffekte gelingen, sondern nur durch eine weitere intensive, politisch an einzelnen Stellen sicherlich schmerzhafte Aufgabenkritik und das ehrliche Hinterfragen bestehender Standards.“

Kunz sieht aber auch Bund und Land in der Pflicht: „Wenn neue Aufgaben übertragen werden und Standards steigen, ohne dass die Finanzierung Schritt hält, geraten selbst solide geführte Kommunen an ihre Grenzen.“ Wer bestellt, müsse auch bezahlen.


Das ist die globale Minderausgabe

Eine globale Minderausgabe bedeutet eine pauschale Kürzung im Haushaltsplan, die durch Einsparungen im laufenden Betrieb erreicht werden muss. Neben Kürzungen in verschiedenen Bereichen kann aber unter anderem auch Geld eingespart werden, weil Projekte nicht wie geplant in einem Haushaltsjahr umgesetzt werden können und deshalb verschoben werden. Dann fallen auch die Kosten erst später an.