Beim Projekt „Geheimnisse Deines Dorfes“ recherchierten Kinder aus Marmagen, Nettersheim, Euskirchen und Kall zu ihren Wohnorten.
ForschungsprojektKinder aus Nettersheim, Euskirchen und Kall entdecken Dorf-Geheimnisse

Groß war das Interesse der Zuhörer, als die Gruppe aus Kall ihre Entdeckungen im Naturzentrum in Nettersheim vorstellte.
Copyright: Stephan Everling
Was ist das für ein seltsamer Stein dort am Ortsrand? Wo haben die Menschen früher ihr Wasser herbekommen? Und was ist mit dem großen schwarzen Loch, das unter der Brücke zu sehen ist? Fragen über Fragen, die sich jedem stellen, der mit offenen Augen durch die Welt geht und dort Dinge entdeckt, die nicht auf den ersten Blick zu erklären sind.
Mit dem Projekt „Die Geheimnisse Deines Dorfes“ ist die Biologische Station im Kreis Euskirchen den vielen kleinen Rätseln des Alltags auf den Grund gegangen. Am Sonntagnachmittag wurden im Naturzentrum in Nettersheim die Zwischenergebnisse des ersten Projektjahres auf großen, selbstgebastelten Schautafeln vorgestellt, die seit den Osterferien gestaltet worden waren. Denn in den nächsten zwölf Monaten wird es weitere Gruppen geben, die sich auf die Spuren ihrer Dorfgeheimnisse begeben.
„Als Geografin bin ich aufgegangen in dem Projekt“, gestand Dr. Elke Sprunkel, die die „Geheimnisse Deines Dorfes“ leitete. Vier Gruppen waren im ersten Jahr unterwegs, um ihre Umgebung zu erkunden: Neben jeweils einer Klasse aus der Grundschule in Marmagen und der Paul-Gerhardt-Schule in Euskirchen waren der Stamm Kall der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg und das Jugendzentrum Nettersheim bei dem Projekt aktiv. Jede Gruppe hatte einen Tutor, der die Gruppentreffen und die verschiedenen Aktivitäten koordinierte. Mit einem Studium der Karte und einer Fotorallye begannen die Kinder ihre Umgebung zu erforschen.
Projekt für junge Dorf-Forscher erfuhr viel Unterstützung
„Ich musste mich und mein Perfektionsdenken zurücknehmen, damit die Gruppe ihren eigenen Weg finden konnte“, sagte Achim Koopmann, der für die Gruppe in Euskirchen zuständig war. Die Darstellung der Entdeckungen, die die Kinder gemacht hatten, auf den großformatigen Tableaus wurde allerdings von professionellen Grafikerinnen unterstützt. Gefördert wurde das Projekt vom LVR, der NRW-Stiftung und der Eifel-Stiftung.

Projektleiterin Dr. Elke Sprunkel erläuterte das Projekt.
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Auf Karten, hier die der Euskirchener Gruppe, wurden die Plätze eingezeichnet, die die Kinder untersuchen wollten.
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Ganz verschiedene Dinge waren es, die die vier Gruppen in den Fokus nahmen. In Marmagen besuchten sie einen Bauernhof und Handwerker, bei denen sie auch selbst eine Wand verputzen durften. Auch erforschten sie die Marmagener Burg und gingen in einem anderen Haus in den Keller, wo sie den alten Hausbrunnen ausprobieren durften. „Ich fand es toll, dass die Menschen uns in ihre Privathäuser geführt haben“, freute sich Sprunkel, die als Tutorin in Marmagen aktiv war, über die Resonanz.
In Kall war es nicht nur das große schwarze Loch, das sich als Überlauf der Kanalisation entpuppte, sondern auch der jüdische Friedhof, der die Neugier der Kinder erregte. Unter die Lupe genommen wurde auch die Sage des Hotels Baum, das nach einem Blitzschlag abbrannte und nie wieder aufgebaut wurde. Als Besonderheit durfte die Gruppe dem Stellwerk am Bahnhof einen Besuch abstatten.
Von den alten Römern in Nettersheim bis zu „Karre Willi“ in Euskirchen
Die Nettersheimer Gruppe erforschte nicht nur den Archäologischen Landschaftspark mit seinem Kleinkastell, sondern spürte auch den drei Burgen nach, die es einst in Nettersheim gegeben hatte: die alte Burg, eine Wasserburg und die Dietrichsburg, die heute vollständig verschwunden ist. Auch der Schmied Urban Meyer wurde besucht, der seine Werkstatt für die Kindergruppe öffnete. Ebenso die Kalkbrennöfen an der Bahnlinie.
Die Stadtmauer aus dem Euskirchener Stadtwappen hatten die Kinder der Paul-Gerhardt-Schule in einer Kleinversion nachgebaut, um ihre Ergebnisse vorzustellen. Denn die Türme dieser Mauer waren eines der Forschungsobjekte, die sich die Gruppe vorgenommen hatte. Doch auch das Relief von „Karre Willi“, einem Euskirchener Original, wurde untersucht, wie auch der Euskirchener Obelisk. Die Geschichte der Tuchmacherstadt wurde bei einem Besuch im LVR-Museum in Kuchenheim deutlich.
Rund 50 Kinder haben insgesamt an dem Projekt teilgenommen, so Sprunkel. Nach den Sommerferien gehe es weiter mit den Dorfgeheimnissen. Diesmal hätten sich sieben Gruppen angemeldet.
Bernd Maus: „Für so etwas bin ich Ortsvorsteher geworden“
Begeistert waren nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen, die die Termine begleiten durften. „Für so etwas bin ich Ortsvorsteher geworden“, sagte Bernd Maus aus Marmagen. Es sei ihm wichtig, die Ortsgeschichte an die junge Generation weiterzugeben. „Das Projekt zog sich durch die Generationen, denn Elke Sprunkel und ich haben auch bei einem der wöchentlichen Altennachmittage mit den Senioren aus dem Ort geredet und noch einige Geschichten erfahren“, berichtete er.
„Ein tolles Projekt“, zeigte sich auch Koopmann zufrieden. Nachdem er bereits mit den Euskirchener Kindern zusammengearbeitet hatte, werde er sich auch im kommenden Jahr wieder als Tutor zur Verfügung stellen. „Es ist das Projekt der Kinder gewesen, denn sie konnten selbst bestimmen, was sie spannend fanden“, erklärte er.
Die Tutoren seien vor allem im Hintergrund aktiv gewesen, um Termine zu koordinieren oder Recherchen zu unterstützen. Zum Beispiel seien die Kinder mit den Fragen über „Karre Willi“ in der eigenen Familie zu den Großeltern gegangen, die noch von dem Euskirchener Original erzählen konnten. „So gab es auch eine Rückspiegelung von alt zu jung“, so Koopmann.
Eigentlich sollten derartige Projekte fest in den Schulen etabliert werden, regte er an, denn auf diese Art und Weise werde bei den Kindern die Neugier abseits von Tablets und Handys geweckt. Sie würden ihre eigene Umgebung erkunden und kennenlernen. „Damit erlangen sie auch Medienkompetenz, denn so lernen sie, wie richtig recherchiert wird, was sie dann auch im Internet anwenden können“, sagte er.
