Der Fund vom Mai in Blankenheim ist als Rüde GW926m identifiziert. Ihn bezeichnet das Lanuk als „prägendes Individuum für die Wolfspopulation“.
GW926mGenanalyse belegt, dass der „Vater“ der Wölfe in der Eifel tot ist

Mehrere Wolfsrudel gibt es inzwischen in der Eifel. Das Gros ist auf den Rüden GW926m zurückzuführen, der im Mai tot gefunden wurde. (Symbolfoto, aufgenommen in einem Tierpark)
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Mitte Mai wurde an einem Bachlauf in der Gemeinde Blankenheim ein toter Wolf gefunden. Woran das Tier gestorben war, war zunächst unklar. Jedoch hatte ein gebrochener Lauf darauf schließen lassen, dass es mit einem Auto zusammengestoßen sein könnte.
Während die genaue Todesursache weiterhin nicht feststeht, hat die Auswertung der Proben, die Wolfsberater vor Ort genommen haben, bereits spannende Ergebnisse zutage gefördert. Die genetischen Untersuchungen des Senckenberg-Forschungsinstituts haben ergeben: Bei dem toten Wolf handelt es sich um den „Vater“ der aktuellen Eifeler Wölfe, um GW926m. „Der Rüde gilt als prägendes Individuum für die Wolfspopulation in der Eifelregion“, heißt es dazu vom Lanuk (Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW). Und dass es sich bei GW926m um einen der bislang ältesten tot aufgefundenen Wölfe in Nordrhein-Westfalen handelt.
2019 wurde das Wolfsgebiet „Eifel – Hohes Venn“ ausgewiesen
Erstmals in Europa nachgewiesen wurde dieser Wolf laut Lanuk am 22. August 2018 auf Basis von Proben, die nach einem Nutztierriss bei Kerken im Kreis Kleve genommen worden waren. Demnach stammte das Tier aus dem Territorium Ralsko (ursprünglich Doksy) in Tschechien und hatte mehrere hundert Kilometer bis nach Nordrhein-Westfalen zurückgelegt.

Wolf GW926m wurde im Mai in Blankenheim tot aufgefunden und ist nun identifiziert.
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Wölfe des Nationalpark-Rudels hat Markus Vollmer mehrfach fotografiert.
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Für die Eifel interessant wurde der Wolf, als er als Rüde des belgischen Territoriums „Hohes Venn Nord“ nachgewiesen wurde. Im Juli 2019 hat die damalige Umweltministerin Ursula Heinen-Esser nach Schermbeck und Senne das Gebiet „Eifel – Hohes Venn“ als drittes Wolfsgebiet ausgewiesen. Zum 505 Quadratkilometer großen Wolfsgebiet gehören im Kreis Euskirchen die Stadt Schleiden und die Gemeinde Hellenthal, zur es umgebenden, 1261 Quadratkilometer großen Pufferzone die Stadt Mechernich sowie die Gemeinden Blankenheim, Dahlem, Kall und Nettersheim. Wichtig war diese Ausweisung etwa für die Förderung von Herdenschutzmaßnahmen mit Landesmitteln. Die sogenannte „Förderkulisse Herdenschutz“ gilt seit August 2025 jedoch für das ganze Land NRW.
Der weitere „Lebenslauf“ von GW926m ist durch das Lanuk anhand von Proben recht detailliert dokumentiert. 2020/2021 kam es demnach im Hohen Venn zur Paarbildung mit der Fähe GW1943f: „Das Wolfspaar bekam in den folgenden Jahren mehrfach Nachwuchs.“ Im März 2024 wurde die Wölfin tot aufgefunden, das Lanuk sieht einen Zusammenhang mit einem Verkehrsunfall.
Ein Großteil der bekannten Eifelrudel stammt von GW926m ab
Daraufhin verließ der Wolf GW926m sein Territorium. Er begab sich offenbar auf Wanderschaft, was seine Spuren belegen: Laut Lanuk wurde er im Januar 2025 bei Prüm nachgewiesen, im Februar 2025 bei Nideggen und in Mönchengladbach. Doch es hat ihn zurück in die Eifel gezogen: Genetische Untersuchungen ab Herbst 2025 belegen dies. Wie das Lanuk berichtet, stammt der bis zum Fund des toten Wolfs im Raum Blankenheim letzte genetische Nachweis vom 19. Januar aus dem Raum Mechernich.
Warum GW926m als „Vater“ der aktuellen Eifel-Wölfe gilt, macht das Lanuk ebenfalls klar: Seine Nachkommen begründeten ihrerseits die Wolfsterritorien Nordeifel, Rureifel und Hohes Venn Süd. „Damit ist ein Großteil der bekannten Eifelrudel genetisch auf diesen Rüden zurückzuführen“, so das Lanuk.
Das Rudel Nordeifel, auch als Nationalpark-Rudel bekannt, hat auch in diesem Jahr wieder Nachwuchs. Das gab Markus Vollmer, Leiter des Bundesforstreviers Vogelsang, im Mai im Rahmen eines Besuchs von Umweltminister Oliver Krischer bekannt. In dem Zusammenhang räumte Vollmer auch mit der Mutmaßung auf, dass das Nationalpark-Rudel immer größer und größer werde. Er berichtete, dass das Rudel neben dem Rüden und der Fähe, die aus den italienischen Alpen und dem Elsenborner Rudel stammen, aus einem verbliebenen Jährling und den aktuellen Welpen besteht. Die übrigen sechs bis acht Jährlinge des Rudels seien demnach allesamt weg und auf Wanderschaft, die sie bis in die Südeifel oder nach Luxemburg führen könne.
Seit der Rückkehr des Wolfs besteht im Kreis das Spannungsfeld zwischen „Wolfshassern“ und „Wolfskuschlern“, wie sich die Lager gegenseitig oft bezeichnen. Während das wohl kaum aufzulösen sein wird, hat sich im vielfach kritisierten Monitoring deutlich etwas verändert. Unter anderem führt die Kreisjägerschaft ein Monitoring durch, das auch Wildtierrisse einschließt, mit „Ansprechpartnern Wolf“ für die einzelnen Kommunen. Ziel ist, durch mehr Daten ein genaueres Bild über die Wolfspopulation in der Eifel zu erhalten.
Untersuchungen in Berlin
Auch wenn Wolf GW926m vor gut drei Monaten gefunden wurde, steht die genaue Todesursache noch nicht fest. Diese wird im Zuge einer tierpathologischen Untersuchung geklärt, die im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin vorgenommen wird. Das ist deutschlandweit das Referenzinstitut für das Totfundmonitoring von Wölfen, während das Senckenberg-Institut in Gelnhausen für die genetischen Analysen zuständig ist.
Bei den Untersuchungen der Wölfe in Berlin geht es, wie Lanuk-Sprecher Wilhelm Deitermann erklärt, um weit mehr als die Ermittlung der Todesursache. Von wissenschaftlichem Interesse seien neben dem Alter des Tieres etwa der Allgemeinzustand, der Mageninhalt oder ein möglicher Parasitenbefall. Wann die Untersuchungen stattfinden und wann Ergebnisse vorliegen, vermochte Deitermann nicht abzuschätzen. Zum einen seien sie nicht enorm dringend, zum anderen seien alleine für den Transport des Tieres von der Kühleinrichtung in Recklinghausen bestimmte Logistik-Regeln zu beachten.

