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NationalparkDas Nordeifeler Wolfsrudel hat wieder Nachwuchs bekommen

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Der Minister blickt durch ein Fernglas auf die Vegetationn neben dem Weg. Hinter ihm weitere Mitwanderer.

Hatte bei der Wanderung besonders die Vogelwelt im Blick: NRW-Umweltminister Oliver Krischer ist selbst Hobby-Ornithologe.

Umweltminister Oliver Krischer und Lanuk-Präsidentin Elke Reichert nahmen an Wanderung auf der Dreiborner Höhe teil. Dabei gab's auch Neuigkeiten über die Wölfe.

Es gibt Neuigkeiten aus dem Nationalpark: Das Wolfsrudel Nordeifel hat wieder Nachwuchs. Noch haben die etwa drei Wochen alten Welpen die Wurfhöhle nicht verlassen. Daher kann auch der Wolfsexperte Markus Vollmer, der das Rudel genau kennt, noch nicht sagen, um wie viele Tiere es sich handelt. Doch mit der Nachricht konnte der Leiter des Bundesforstreviers Vogelsang am Freitag eine besondere Wandergruppe überraschen, zu der auch NRW-Umweltminister Oliver Krischer und Elke Reichert, die Präsidentin des Landesamts Natur, Umwelt und Klima (Lanuk) gehörten.

Sie waren Mitglieder einer insgesamt 40-köpfigen Gruppe, die sich in Dreiborn im Rahmen der erstmals gemeinsam von der Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW (NUA) und der Nationalparkverwaltung Eifel ausgerichteten Frühjahrswanderung auf den Weg machte, um die Dreiborner Hochfläche zu erkunden und Einblicke in aktuelle Themen zu erhalten.

NRW-Minister Oliver Krischer ist selbst Hobby-Ornithologe

Die Ginsterblüte beginnt zwar gerade erst, doch der Weißdorn leuchtet bereits in seiner ganzen Pracht. So bot die Dreiborner Hochfläche der Wandergruppe bei endlich strahlender Frühjahrssonne ein beeindruckendes Naturerlebnis. Und das galt nicht nur für die landschaftliche Schönheit.

Als die Biologin Karina Jungmann von der Nationalparkverwaltung mit Blick auf die weitläufige Offenlandschaft erklärte, warum trotz der Grundsätze des Nationalparks, die Natur Natur sein zu lassen, der Mensch speziell auf dieser Hochfläche eingreifen muss, um sie zu erhalten, hatte Krischer plötzlich etwas viel Kleineres entdeckt: „Da! Da ist ein Neuntöter.“ Und somit offenbart, dass er sein Fernglas nicht aus PR-Gründen auf der Brust trug, sondern selbst ein begeisterter Hobby-Ornithologe ist.

Die drei Teilnehmer der Wanderung haben auf der überdimensionierten Holzbank Platz genommen.

Auf der Baumelbank im XXL-Format mit beeindruckendem Panoramablick auf die „Dreiborner Prärie“: NRW-Umweltminister Oliver Krischer (v.l.), Nationalparkleiter Michael Lammertz und Elke Reichert, die Präsidentin des Lanuk.

Der Förster hält ein Foto, das den Wolfsrüden zeigt.

Wolfsexperte Markus Vollmer hatte mehrfach Begegnungen mit dem Rüden des Rudels Nordeifel. Hier ein Foto, das er auf der Panzerstraße bei Dreiborn aufgenommen hat.

Eines der Themen dieser Frühjahrswanderung bildete der Wolf, dessen wachsende Population in der Eifel bei vielen Menschen polarisiert, wie kaum ein anderes Thema. Wobei im Spannungsfeld zwischen „Wolfshassern“ und „Wolfskuschlern“, wie sich die Anhänger der jeweiligen Fraktion abfällig bezeichnen, die sachliche Diskussion manches Mal auf der Strecke bleibt.

Einer, der als Wolfsexperte sachlich und informiert zugleich ist, ist Markus Vollmer. Er gab den Besuchern Einblicke in die Rückkehr des Wolfs in den Nationalpark und in die Nordeifel – ein Programmpunkt, der auf großes Interesse stieß. Etwa bei Elke Reichert, deren Amt ja für das Wolfsmanagement und -monitoring in NRW zuständig ist. Aber auch die NUA-Kuratoriumsvorsitzende Nicola Quarz und NUA-Leiter Norbert Blumenroth lauschten gebannt, als Vollmer vom Nachwuchs im Rudel berichtete. Den hatte es dort zum bislang letzten Mal 2024 gegeben.

Sechs bis acht Jährlinge des Rudels sind verschwunden

Mit der Mutmaßung, dass das Nationalpark-Rudel damit immer größer und größer werde, räumte er aber auf. Das Rudel bestehe jetzt aus dem Rüden (der aus den italienischen Alpen stammt) , der Fähe (aus dem Elsenborner Rudel) , einem verbliebenen Jährling und den aktuellen Welpen. Die übrigen sechs bis acht Jährlinge des Rudels seien allesamt weg. Auf Wanderschaft, bis in die Südeifel oder nach Luxemburg.

Natürlich ging es auch wieder um die Frage, welche Auswirkungen die Rückkehr des Wolfs in NRW hat. Und um mögliche Konflikte. Etwa mit den Haltern von Weidetieren. Ein Wolfsrudel, so Vollmer, beanspruche ein Territorium von etwa 25.000 Hektar. Nehme man die reinen Vegetationsflächen, hätte NRW theoretisch zwar Platz für mehr als 100 Wolfsrudel, so Vollmer. Doch realistisch seien 30 bis 35. Ab dieser Größenordnung könne es seiner Einschätzung nach schwierig werden.

Ein Teilnehmerin sitzt auf der Wiese und fotografiert mit dem Handy eine Blume.

Auch die kleinen Motive faszinierten die Teilnehmer der Frühjahrswanderung auf der Dreiborner Hochfläche.

Entscheidend ist, dass der Tisch für Wölfe gedeckt ist. In der Eifel ist er es. Rehe, Rotwild und Schwarzwild seien die bevorzugte Beute. Davon gebe es in der Eifel bekanntlich mehr als genug.

Im Hinblick auf befürchtete Nutztierrisse verhielten sich die Wölfe im Nationalpark, so Vollmer, bisher unauffällig. Obwohl die Dreiborner Hochfläche auch mit zwei großen Schafherden mit Hunderten von Tieren offengehalten werde, gebe es keine Probleme mit den Wölfen. Das Herdenschutzkonzept, etwa die 1,20 Meter hohen Schutzzäune für die Schafsgatter, wirke. Herdenschutzhunde seien allerdings für den Nationalpark wegen der zahlreichen Besucher eher kritisch zu sehen.

1,4 Millionen Menschen besuchen jährlich den Nationalpark Eifel

Nationalparkleiter Michael Lammertz nutzte den Besuch der illustren Gäste, um noch einmal die 22-jährige Erfolgsgeschichte des aktuell 10.770 Hektar großen Nationalparks, der in den nächsten Monaten um 800 Hektar wachsen soll, zu skizzieren. Bisher seien 11.582 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten erfasst worden, darunter zunehmend auch „Urwaldarten“.

Jährlich betreue man bis zu 30.000 Menschen in Umweltbildungs- und Naturerlebnisprogrammen. Insgesamt verzeichne der Nationalpark 1,4 Millionen Besucher jährlich, die anlässlich ihres Besuchs rund 76 Millionen Euro ausgeben, was rechnerisch 1350 Arbeitsplatzäquivalenten entspreche. NRW-Oliver Krischer zollte diesen Daten Respekt: „Der Nationalpark Eifel zeigt eindrucksvoll, wie sich Naturschutz und Naturerleben miteinander verbinden lassen.“

Da Krischer großes Interesse hat, einen weiteren Nationalpark in NRW einzurichten, dabei aber mit der fehlenden Akzeptanz in der Bevölkerung der infrage kommenden Regionen zu kämpfen hat, hörte er sehr aufmerksam zu, als Michael Lammertz von der „Sonntagsfrage“ berichtete.

Alle sieben Jahre lasse man in Zusammenarbeit mit Universitäten die Akzeptanz in den sechs Ortschaften, die direkt im Nationalpark liegen, analysieren. Die spannendste Frage sei für ihn: „Wie würden Sie entscheiden, wenn Sie nächsten Sonntag über den Fortbestand des Nationalparks Eifel entscheiden könnten?“ 80 Prozent der Befragten, so das Ergebnis der jüngsten   Analyse in 2020 mit der University of Cambridge, hätten sich für den Fortbestand entschieden.


Toter Wolf in der Gemeinde Blankenheim gefunden

Ein toter Wolf ist an einem Bachlauf in der Gemeinde Blankenheim aufgefunden worden. Woran das Tier gestorben ist, ist derzeit noch unklar. Allerdings lässt nach unbestätigten Informationen der Redaktion ein gebrochener Lauf darauf schließen, dass das Tier mit einem Auto zusammengestoßen sein könnte.

Der Wolf liegt mit einem angewinkelten Lauf an einem kleinen Bachlauf.

Der Wolf wurde an einem Bachlauf aufgefunden.

Der Kadaver wurde sichergestellt und soll nun in einem Institut untersucht werden, um die Todesursache zu bestimmen und über die Genetik die Herkunft des Wolfes zu bestimmen.