Die Landesregierung zieht eine Zwischenbilanz zum Wiederaufbau nach der Hochwasserkatastrophe im Juli 2021, bei der 49 Menschen in NRW starben.
JahrestagFünf Jahre nach der Flut gibt es im Kreis Euskirchen noch viel zu tun

Auch in Gemünd hatte die Flut im Juli 2021 große Schäden angerichtet.
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Fünf Jahre nach der Starkregen- und Hochwasserkatastrophe zieht die Landesregierung Nordrhein-Westfalen eine Zwischenbilanz des Wiederaufbaus. Zwar seien zahlreiche Projekte abgeschlossen worden, dennoch bleibe in den besonders betroffenen Regionen noch viel zu tun. Deshalb will das Land im Haushalt 2027 weitere 15 Millionen Euro bereitstellen, um die vom Wiederaufbau besonders belasteten Kommunen bei zusätzlichen Personalkosten zu unterstützen.
„Die Bilder, die Schicksale und der Verlust von 49 Menschen allein in Nordrhein-Westfalen bleiben unvergessen“, wird Heimatministerin Ina Scharrenbach in einer Pressemitteilung ihres Ministeriums zitiert. Zugleich habe die Katastrophe den außergewöhnlichen Zusammenhalt und die Solidarität der Menschen gezeigt. Der Wiederaufbau der kommunalen Infrastruktur werde jedoch noch Jahre in Anspruch nehmen.
4,7 Milliarden Euro für Wiederaufbaumaßnahmen bewilligt
Nach Angaben des Ministeriums wurden bisher rund 4,7 Milliarden Euro für Wiederaufbaumaßnahmen bewilligt. Auf private Wohngebäude und Hausrat entfielen davon rund 900 Millionen Euro. Mehr als 29.000 Anträge gingen ein, über 95 Prozent davon sind inzwischen bearbeitet. Rund 785 Millionen Euro wurden bereits ausgezahlt. Nach Angaben des Landes liegt für nahezu 80 Prozent der bewilligten Gebäudesanierungen bereits der abschließende Verwendungsnachweis vor.
Im Kreis Euskirchen summiert sich das bislang bewilligte Fördervolumen für Privathaushalte und die Wohnungswirtschaft auf rund 353 Millionen Euro. Den größten Anteil daran hat die Stadt Euskirchen mit rund 124,3 Millionen Euro an bewilligten Hilfen. Auch Bad Münstereifel und Schleiden gehören zu den besonders stark betroffenen Kommunen: In Bad Münstereifel wurden rund 62,7 Millionen Euro bewilligt, in Schleiden etwa 60 Millionen Euro.
Fortschritte beim Wiederaufbau der Infrastruktur
Weitere Fördermittel flossen nach Weilerswist mit rund 31,3 Millionen Euro sowie nach Kall mit etwa 20,6 Millionen Euro und Mechernich mit rund 19,8 Millionen Euro. Für Zülpich wurden Hilfen in Höhe von etwa 16,9 Millionen Euro bewilligt.
Deutlich geringere Summen entfallen auf kleinere Kommunen im Kreisgebiet: Antragsteller aus Hellenthal erhielten 6,4 Millionen Euro, aus Nettersheim 3,8 Millionen Euro, aus Blankenheim etwa 2,9 Millionen und aus Dahlem rund 1,3 Millionen.
Auch beim Wiederaufbau der kommunalen Infrastruktur gibt es Fortschritte. Für Straßen, Brücken, Schulen, Kindertagesstätten und Feuerwehrhäuser wurden bisher mehr als drei Milliarden Euro bewilligt, rund 1,2 Milliarden Euro davon sind bereits ausgezahlt. Zahlreiche der insgesamt etwa 5900 Einzelmaßnahmen konnten schon umgesetzt oder abgeschlossen werden.
Schleiden und Bad Münstereifel erhalten die größten Summen
Besonders hohe Beträge entfallen auf Schleiden und Bad Münstereifel. Für Schleiden wurden bislang rund 232,2 Millionen Euro ausgezahlt, für Bad Münstereifel etwa 227,3 Millionen Euro. Auch der Kreis Euskirchen selbst erhält umfangreiche Fördermittel für eigene Infrastrukturmaßnahmen. Hier beläuft sich die Auszahlungssumme aktuell auf rund 224,7 Millionen Euro.
623 mutmaßliche Betrugsfälle Weitere größere Beträge flossen in die Stadt Euskirchen: Bislang wurden etwa 132,3 Millionen Euro für den Wiederaufbau bewilligt und ausgezahlt. Nach Kall flossen rund 104,9 Millionen Euro sowie nach Mechernich etwa 33 Millionen Euro und Nettersheim rund 32,1 Millionen Euro. Dahlem erhielt rund 23,5 Millionen Euro und Blankenheim etwa 18,4 Millionen Euro. In Hellenthal wurden bislang rund 16,3 Millionen Euro ausgezahlt, in Weilerswist etwa 14,9 Millionen Euro und in Zülpich rund 12,5 Millionen Euro.
Unterstützung für Betroffene wird fortgesetzt
Die Unterstützung für Betroffene soll ebenfalls fortgesetzt werden. Die sogenannte aufsuchende Hilfe bleibt in den besonders betroffenen Regionen – darunter auch im Kreis Euskirchen – bis Ende 2026 bestehen. Dabei suchen Berater die Betroffenen bei Bedarf auch zu Hause auf und helfen unter anderem bei Verwendungsnachweisen oder weiteren Förderanträgen. Zusätzlich bleibt das landesweite Servicetelefon für Fragen rund um den Wiederaufbau erreichbar.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem vorbeugenden Hochwasserschutz. Beim Wiederaufbau sollen Gebäude und Infrastruktur zugleich widerstandsfähiger gegen künftige Starkregen- und Hochwasserereignisse werden. Im Kreis fördert das Land etwa Maßnahmen in Bad Münstereifel, Schleiden und Mechernich. Dazu gehören unter anderem versickerungsfähige Pflasterflächen, Hochwasserschutzbauwerke sowie Maßnahmen zur besseren Ableitung von Starkregen.
Wiederaufbau heißt nicht: zurück auf Anfang. Wir bauen wieder auf – und wir bauen besser vor.
„Wiederaufbau heißt nicht: zurück auf Anfang. Wir bauen wieder auf – und wir bauen besser vor“, betonte Scharrenbach. Seit April 2025 steht Bürgerinnen und Bürgern zudem eine erweiterte Hochwasser- und Starkregen-App des Landes zur Verfügung. Sie ermöglicht nach Eingabe einer Adresse eine individuelle Risikobewertung und gibt Hinweise, wie Gebäude besser vor Überflutungen geschützt werden können.
Das Ministerium kündigte an, weiter konsequent gegen Betrugsfälle bei der Fluthilfe vorzugehen. Bisher wurden 623 Verdachtsfälle mit einem Fördervolumen von rund 19,5 Millionen Euro festgestellt und – sofern sich der Verdacht erhärtete – an die zuständigen Staatsanwaltschaften übergeben.
