Kreisverwaltung Euskirchen soll die nächsten Schritte fürs Millionen-Projekt einleiten. Flächenbedarf und Anforderungen werden ermittelt.
MillionenprojektPolitiker aus dem Kreis Euskirchen machen Weg für Gefahrenabwehrzentrum frei

Das Kreisbrandschutzzentrum in Schleiden ist in die Jahre gekommen. Der Kreis plant ein Gefahrenabwehrzentrum in Mechernich.
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Der Kreis Euskirchen will den Bevölkerungsschutz für die kommenden Jahrzehnte neu aufstellen. Einstimmig hat der Kreistag beschlossen, die Planungen für ein neues Gefahrenabwehrzentrum im Stadtgebiet Mechernich voranzutreiben. Damit zeichnet sich zugleich das Ende des bisherigen Kreisbrandschutzzentrums in Schleiden ab, dessen Gebäude den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht wird.
Bevor jedoch gebaut wird, soll zunächst eine sogenannte Leistungsphase Null durchgeführt werden. Dabei sollen der tatsächliche Flächenbedarf, die Anforderungen an das Gebäude, die Kosten, mögliche Fördermittel sowie die spätere Nutzung des bisherigen Standorts in Schleiden untersucht werden. Erst auf dieser Grundlage will der Kreistag über die weiteren Planungsschritte entscheiden. Die notwendigen Mittel sollen bereits im Doppelhaushalt 2027/28 berücksichtigt werden.
Kreisbrandschutzzentrum in Schleiden ist in die Jahre gekommen
Das Kreisbrandschutzzentrum in Schleiden stammt ursprünglich aus einer völlig anderen Zeit. Das Gebäude wurde als Baubetriebshof errichtet und wird seit 1972 für die Aufgaben des Kreisbrandschutzes genutzt. Inzwischen gilt die Bausubstanz als marode. Feuchtigkeitsschäden, unzureichende Arbeitsbedingungen und Stellplätze, die für moderne Einsatzfahrzeuge nicht mehr geeignet sind, erschweren den Betrieb erheblich. Um die Einsatzfahrzeuge überhaupt unterbringen zu können, musste bereits eine Leichtbauhalle angemietet werden.
Gleichzeitig sind die Aufgaben des Kreises in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Während das Zentrum früher nahezu ausschließlich die Feuerwehren unterstützte, spielen heute auch der Katastrophen- und der Zivilschutz eine wesentlich größere Rolle.
Moderne Infrastruktur für Bevölkerungsschutz unverzichtbar
Spätestens seit der Flutkatastrophe 2021 und den veränderten Anforderungen an den Bevölkerungsschutz gilt eine moderne Infrastruktur als unverzichtbar.
Das geplante Gefahrenabwehrzentrum soll deshalb weit mehr sein als ein neues Feuerwehrzentrum. Vorgesehen sind moderne Ausbildungs- und Fortbildungsbereiche für die rund 3500 ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen im Kreis, Werkstätten, zentrale Einsatzunterstützung sowie zusätzliche Angebote für den Katastrophen- und Zivilschutz. Ein Ziel ist außerdem, die ehrenamtlichen Einsatzkräfte durch hauptamtliche Strukturen stärker zu entlasten.
Natürlich blutet mein Schleidener Herz angesichts des möglichen Verlustes einer weiteren Kreiseinrichtung.
Über den Standort wurde in der Politik durchaus diskutiert. CDU-Fraktionschef Jochen Kupp erklärte: „Natürlich blutet mein Schleidener Herz angesichts des möglichen Verlustes einer weiteren Kreiseinrichtung.“ Aufgrund der zentraleren Lage halte seine Fraktion Mechernich dennoch für den geeigneten Standort.
Vor einer endgültigen Planung müssten allerdings Bedarf, Kosten, Fördermöglichkeiten und die Nachnutzung des Geländes in Schleiden geklärt werden. Außerdem sollten die Politik sowie Städte und Gemeinden frühzeitig in den Planungsprozess eingebunden werden.
Grüne und SPD sprechen sich ebenfalls für neuen Standort aus
Auch die Grünen unterstützen den vorgeschlagenen Standort. Fraktionssprecher Jörg Grutke bezeichnete Mechernich bei einer geeigneten Grundstückswahl als sinnvolle Lösung. Die breite Kostenspanne des Gutachtens sei nachvollziehbar, da die konkrete Ausgestaltung letztlich eine politische Entscheidung sei. Wichtig sei ebenfalls eine tragfähige Perspektive für den bisherigen Standort in Schleiden.
Für die SPD sprach Fraktionsvorsitzender Thilo Waasem von einem starken Signal. Der Bevölkerungsschutz werde weiterhin fraktionsübergreifend als gemeinsamer Schwerpunkt verstanden. Das neue Zentrum sei die konsequente Weiterentwicklung der bisherigen Maßnahmen. Die von der CDU vorgeschlagenen Änderungen seien vor allem verfahrenstechnischer Natur und änderten nichts an der gemeinsamen Zielrichtung.
Wolfgang Heller (SPD) machte als Schleidener deutlich, dass auch ihn der mögliche Verlust weiterer Kreisinfrastruktur in seiner Heimatstadt schmerze. Gleichzeitig sehe er, dass der neue Standort für den gesamten Kreis die bessere Lösung sei. Wichtig sei nun eine sinnvolle Nachnutzung des Geländes in Schleiden. Zugleich stellte Heller klar, dass die dortige Rettungswache nicht zur Diskussion stehe. Der aktuelle Rettungsbedarfsplan sehe den Standort weiterhin ausdrücklich vor.
Nach der Flut ist eine Konsequenz, den Bevölkerungsschutz im Kreis stark zu machen. Das Gefahrenabwehrzentrum ist ein letzter wichtiger Baustein.
Als Grundlage für die weiteren Entscheidungen dient ein Gutachten, das die Kosten für das neue Gefahrenabwehrzentrum je nach Ausgestaltung auf rund 18,8 bis 35,4 Millionen Euro beziffert. Ein Teil der Investitionen soll mit Mitteln des NRW-Infrastrukturgesetzes finanziert werden. Mit dem einstimmigen Beschluss hat der Kreistag nun den offiziellen Startschuss für eines der größten Bauprojekte im Bereich der Gefahrenabwehr im Kreis Euskirchen gegeben.
Nicht zuletzt die jüngsten Krisen haben gezeigt, dass ein isoliertes Brandschutzzentrum nicht mehr viel Sinn macht. Daher ist Kern der Überlegungen, es zu einem Gefahrenabwehrzentrum weiterzuentwickeln. „Nach der Flut ist eine Konsequenz, den Bevölkerungsschutz im Kreis stark zu machen. Das Gefahrenabwehrzentrum ist ein letzter wichtiger Baustein“, sagt Landrat Markus Ramers. Aber auch: „Wir werden sicherlich nicht ins Blaue bauen und ein Schild ,Gefahrenabwehrzentrum’ dran machen.“
Daher sei die Bedarfsanalyse mit allen infrage kommenden Protagonisten so wichtig gewesen, heißt es von der Kreisverwaltung. In das nun vorliegende Gutachten sind die Erkenntnisse aus Workshops eingeflossen, bei denen neben den Feuerwehren und Ordnungsämtern der elf Kommunen auch die Katastrophenschutz-Organisationen wie DRK oder THW sowie der Kreis selbst mit der Abteilung Gefahrenabwehr, dem Veterinär- und dem Gesundheitsamt vertreten waren.

