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Langjähriger StadtarchivarHarald Bongarts Tod löst in Bad Münstereifel Bestürzung aus

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Bongart, der einen Hut trägt, sitzt an einem Tisch, vor sich ein Buch. Im Hintergrnd Regale.

Inmitten von historischen Büchern, wie hier in der Jesuitenbibliothek im St.-Michael-Gymnasium, fühlte sich Harald Bongart wohl.

Im Alter von 62 Jahren ist Harald Bongart gestorben. Der langjährige Stadtarchivar war ein exzellenter Kenner der Münstereifeler Geschichte.  

Sein Markenzeichen war der Hut mit breiter Krempe. Egal, ob braun oder im Sommer auch gerne einmal südländisch hell. „Ich lege ihn zum Schlafen ab und manchmal auch in der Badewanne“, hatte sein Träger einst dazu gesagt.

Und wenn man mit Harald Bongart durch Bad Münstereifel ging, musste man Geduld mitbringen. Nicht nur, weil er zu so manchem Gebäude Historisches zu berichten wusste, sondern auch, weil er gerne von den Bewohnern der Stadt angesprochen wurde. Und einem guten Plausch ist er nie aus dem Weg gegangen.

Seine Verdienste um die Stadtgeschichte sind groß.
Sebastian Glatzel, Bürgermeister

Harald Bongart war so etwas wie das wandelnde Geschichtsbuch der Stadt Bad Münstereifel. Und dieses bleibt nun für immer verschlossen. Der 62-Jährige, der seit Längerem gesundheitliche Probleme hatte, ist während der Hitzewelle in seiner Wohnung in der Heimatstadt gestorben.

„Die Nachricht über Harald Bongarts Tod hat im Rathaus und bei allen, die ihn kannten, große Bestürzung ausgelöst. Seine Verdienste um die Stadtgeschichte sind groß“, sagt Bürgermeister Sebastian Glatzel (SPD). „In der Stadtverwaltung haben wir ihn als liebevollen, hilfsbereiten, herzlichen und pflichtbewussten Menschen kennengelernt. Wir werden sein Andenken in würdiger Erinnerung behalten“, so Glatzel weiter, der für den Tag der Beisetzung Trauerbeflaggung anordnete.

Bongart war ein versierter, unterhaltsamer Gechichtenerzähler

Harald Bongart war auch für diese Zeitung immer ein verlässlicher Ansprechpartner, wenn es darum ging, aktuelle Ereignisse historisch einzuordnen. Sein Wissen war nahezu grenzenlos. Und wenn er Fragen nicht beantworten konnte, wusste er, wo er nachschlagen konnte. „Es scheint keine Jahreszahl zu geben, die er nicht mit Ereignissen aus Bad Münstereifel oder der Welt verbinden kann“, hieß es 2018 in dieser Zeitung in einem Porträt über Bongart.

Er verknüpfte historische Akkuratesse mit dem für ihn typischen augenzwinkernden, britisch angehauchten Humor. Sein Kenntnisreichtum, was die Geschichte der Stadt Bad Münstereifel betraf, war enorm – genauso wie sein Schatz an historischen Anekdoten. Das sieht auch die Stadt so. „Neben Daten und Fakten wusste Harald Bongart auch die kleinen menschlichen Begebenheiten, die sich im Laufe der Jahrhunderte in Münstereifel ereigneten, unterhaltsam wiederzugeben.“

Das Stadtarchiv, das Bongart leitete, wurde durch die Flut zerstört

Nach dem Studium der Geschichte begann Harald Bongart im Jahr 1989 seine Laufbahn bei der Stadt Bad Münstereifel mit einer dreijährigen Ausbildung als Stadtinspektoranwärter. Er war im Sozialamt, in der Kämmerei, in der Kurverwaltung, im Amt für Stadtentwicklung und Denkmalschutz sowie zuletzt im Amt für Bildung und Tourismus tätig.

Ab 2010 war er für das im Gewölbekeller des Rathauses untergebrachte Stadtarchiv zuständig, das bei der Flutkatastrophe 2021 zerstört wurde, auch wenn ein Großteil des Archivguts gerettet werden konnte. „Das Stadtarchiv war ihm eine besondere Herzensangelegenheit“, schreibt die Stadt.

Zuhörer zog er bei Stadtführungen, Vorträgen und in persönlichen Gesprächen in seinen Bann.
Aus dem Nachruf der Stadt Bad Münstereifel

Das Interesse für die Geschichte der Kurstadt beschäftigte ihn auch in seiner Freizeit. „Mit seiner Forschung hat er einen unschätzbaren Beitrag zur Aufarbeitung der Stadtgeschichte geleistet“, so die Stadt. Immer wieder sei es ihm gelungen, historische Quellen aufzuspüren, auszuwerten und die daraus gewonnenen Erkenntnisse mit der bekannten Stadtgeschichte zu verknüpfen. In zahlreichen Publikationen hat er sein Wissen weitergegeben.

Sein besonderes Interesse galt unter anderem den historischen Urkunden der Stadt und der Geschichte der Bürger jüdischer Herkunft. Vielen, die im Dritten Reich verfolgt worden waren, hat Bongart ein Gesicht gegeben. „Mit der ihm eigenen, oft augenzwinkernden Art, das Wissen über Bad Münstereifel zu vermitteln, zog er Zuhörer bei Stadtführungen, Vorträgen und in persönlichen Gesprächen in seinen Bann“, so die Stadt.

Geboren wurde Harald Bongart 1964 in Willerscheid. Sein Abitur legte er am St.-Michael-Gymnasium ab, wo er als einer der wenigen „Außenstehenden“ Zugang zur Jesuitenbibliothek genoss. Mehr als sein halbes Leben wohnte er im Zentrum der Stadt, über die er gefühlt alles wusste: am Klosterplatz in einem alten Stiftsherrenhaus aus dem 18. Jahrhundert. Seine Bibliothek erstreckte sich über zwei Etagen, mehr als 5000 Bücher waren dort sorgfältig aufbewahrt.

Bongart war aber nicht nur fleißiger Leser, sondern auch Autor von Büchern, Satiren oder Kurzkrimis. Ein Klassiker ist „Des Eifelers subversives Wörterbuch“. Und er war Ansprechpartner für andere Autoren, wenn es in ihren Romanen, Krimis oder Abhandlungen um die Historie Bad Münstereifels ging.