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ZusammenarbeitMaschinenring Zülpicher Börde hatte Besuch aus Kenia

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Dirk Oswald und Bridgit Obuya stehen auf einer der Anlagen in der Zuckerfabrik.

Besuch in der Zuckerfabrik: Produktionsleiter Dirk Oswald hat den Gast aus Kenia zur Rübenkampagne eingeladen.

Bridgit Obuya ist Geschäftsführerin eines Maschinenrings in Kenia. Bei ihren Kollegen in der Zülpicher Börde hat sie Erfahrungen gesammelt.

Was haben die Landwirtschaft in Kenia und in der Zülpicher Börde gemeinsam? Mehr als man denkt. Ein verbindendes Element ist der Maschinenring. In der fruchtbaren Ebene rund um Zülpich tun sich die Bauern schon seit Jahrzehnten zusammen, um Landmaschinen zu kaufen, die für den einzelnen zu teuer wären (siehe: Maschinen und Erfahrungen werden geteilt). In Kenia wird gerade ein solcher Maschinenring aufgebaut, als Projekt der Dachorganisation Maschinenring Deutschland.

Bridgit Obuya, Geschäftsführerin des Maschinenrings Kakamega im Norden Kenias, war jetzt in der Börde zu Besuch, um zu schauen, wie die deutschen Kollegen das machen, was davon auf ihre Heimat übertragbar ist – und wo sie andere Wege gehen muss. Vorausgegangen war ein Besuch aus Deutschland. Christian Görtz, Landwirt aus Rövenich, und Hans-Joachim Schaefer waren im Frühjahr in Kenia und haben den Kontakt geknüpft. Schaefer ist Landwirtssohn aus Frauenberg, er hat zwei Jahre als Entwicklungshelfer in einem afrikanischen Land gearbeitet.

Eifeler Landwirte zeigten die Facetten ihrer Arbeit

Sie sei überrascht gewesen von der Einladung, erzählt Bridgit Obuya, die an der Universität Weihenstephan ein Masterstudium absolviert hat. Die Landwirte des Maschinenrings hatten ein sehr interessantes Programm für sie zusammengestellt. „Ich habe einen Hofladen besucht, habe Felder und einen Kuhstall angeschaut“, sagt Obuya.

Wir haben in Kenia auch Milchwirtschaft, aber die technischen Möglichkeiten sind andere.
Bridgit Obuya

Die Bauern hatten ihr alles gern erklärt. Auf dem Hof von Kreislandwirt Helmut Dahmen etwa sei sie gewesen, als gerade die Kühe gemolken wurden. „Wir haben in Kenia auch Milchwirtschaft, aber die technischen Möglichkeiten sind andere.“ Einen Einblick in den Weinbau erhielt der Gast im Vlattener Betrieb von Markus Schäfer, der vor wenigen Jahren bei Nideggen-Berg Rebstöcke gepflanzt hat.

Bridgit Obuya steht auf einem Feldweg neben einer Erntemaschine, auf die gerade ein Mann steigt.

Gern führten die Landwirte die modernen Maschinen vor, mit denen sie auf ihren Feldern unterwegs sind. Einige sind vom Maschinenring Zülpicher Börde zur Verfügung gestellt.

Bridgit Obuya und Hermann-Josef Weinberg stehen an einem Auto, er hält Pflanzenteile in der Hand.

Bridgit Obuya fachsimpelt mit Hermann-Josef Weinberg.

Positiv sieht sie vor allem, dass Landwirte sich zusammentun, um gemeinsam ihre Produkte zu vermarkten – „eine gute Sache“. Das sei tatsächlich eines der wichtigsten Ziele für ihre Heimat: Dass der Erlös der landwirtschaftlichen Arbeit auch wirklich den bäuerlichen Familien zugute kommt. „Ich habe vieles gesehen, was wir auch machen können“, sagt die Kenianerin.

Als Beispiel nennt Hans-Joachim Schaefer den Anbau von Sonnenblumen, der im kenianischen Hochland betrieben werde und dort gerade in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen habe. Durch die Produktion und Vermarktung von Sonnenblumenöl könnten die Bauern dort die Wertschöpfung in die eigenen Hände zu nehmen. Interessant und anstrengend sei der Besuch beim Maschinenring Zülpicher Börde gewesen, lautet Bridgit Obuyas Fazit: „Es war eine gute Lernerfahrung.“ Sie sei dankbar für die vielen Einblicke in die Praxis, die die Landwirte ihr gegeben haben.

Die Zuckerfabrik konnte die Besucherin allerdings nicht in Betrieb erleben. Denn die Rüben sind noch auf den Feldern, die Kampagne beginnt erst in einigen Wochen. Produktionsleiter Dirk Oswald zeigte ihr trotzdem die Anlagen, auch wenn die Förderbänder derzeit stillstehen und keine langen Reihen von Traktoren und Lastwagen aufs Abladen warten. Oswald habe sie eingeladen, zur Rübenkampagne wiederzukommen, erzählt Bridgit Obuya: „Jetzt hoffe ich, dass ich das in den kommenden Monaten schaffe.“


Maschinen und Erfahrungen werden geteilt

Gegründet wurde der Verein Maschinenring Zülpicher Börde 1997, damals von 66 Landwirten. Mittlerweile hat er mehr als 350 Mitglieder, die sich nicht nur den Maschinenpark teilen, sondern auch Erfahrungen austauschen und einander unterstützen. Vorsitzender und Geschäftsführer ist Johannes Brünker, das Gebiet des Rings erstreckt sich von der Voreifel bis an den Rhein und von Vettweiß bis nach Meckenheim.

Die Idee des Maschinenrings ist deutlich älter. 1958 wurde der erste im bayerischen Buchhofen gegründet. Damals übernahmen mehr und mehr Maschinen die schwere landwirtschaftliche Arbeit. Allerdings waren sie für viele Bauern unerschwinglich teuer. Deshalb schlossen sich kleinbäuerliche Familienbetriebe zusammen, um neue Technik gemeinsam zu finanzieren und zu nutzen.

„Der Schritt, sich in Maschinenringen zu organisieren, gehört rückblickend zu den Schlüsselmomenten für die moderne Landwirtschaft“, heißt es vom Bundesverband, dem 230 Maschinenringe angehören. 178.000 landwirtschaftliche Betriebe sind in zwölf Landesverbänden organisiert. Über einen ansehnlichen Fuhrpark verfügt der Maschinenring Zülpicher Börde mittlerweile, von der Kehrmaschine bis zum Pflug. Der Maschinenring kauft die Geräte, organisiert deren Einsatz und rechnet die Kosten entsprechend der bearbeiteten Fläche ab.

Beim Rübenanbau geht das Angebot noch weiter. Der Maschinenring hat die Möglichkeit, das Roden, Laden und Abfahren der Knollen zu übernehmen. Dazu hat er vier baugleiche dreiachsige Rübenvollernter mit hochmodernem Entblattungs-System im Einsatz. Dazu kommen zwei Rübenlader, Maus genannt. Angefangen hat der Zusammenschluss der Landwirte mit einer Maus. Ziel des Maschinenrings ist es, seinen Mitgliedern Zugang zu technischen Innovationen zu schaffen.