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StraßenplanungWarum die So-da-Brücke bei Euskirchen gar nicht nur so da rumsteht

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Die Brücke steht inmitten der Felder, keine Straße führt darüber.

Ein Bauwerk, das gerne eine Autobahnbrücke wäre: die So-da-Brücke zwischen Frauenberg und Euskirchen.

Zwischen Elsig und Frauenberg steht eine Autobahnbrücke ohne Autobahn. Sie ist Zeugnis eines Projektes, das nie verwirklicht wurde. 

Sie steht mitten auf einem Acker zwischen Elsig und Frauenberg, führt über einen Feldweg – und endet im Nichts. Seit fast fünf Jahrzehnten ist die „So-da-Brücke“ eines der ungewöhnlichsten Bauwerke im Kreis Euskirchen. Ihren Spitznamen verdankt sie einem einfachen Umstand: Sie steht eben so da.

Doch hinter der Brücke verbirgt sich ein Stück Verkehrsgeschichte, das bis heute nicht abgeschlossen ist. Errichtet wurde das Bauwerk in den 1970er-Jahren für eine damals geplante Autobahn, die A56. Die Trasse sollte südlich von Köln verlaufen und auch den Raum Euskirchen erschließen.

Doch eine Klage gegen den geplanten Streckenverlauf brachte das Projekt ins Stocken. Während sich die Gerichte mit dem Verfahren beschäftigten, wurde die A56 zur Bundesstraße B56 herabgestuft, das Autobahnprojekt verschwand in der Schublade. Geblieben ist die Brücke. Zwar fährt bis heute kein Auto über die Brücke, dennoch muss sie regelmäßig kontrolliert und unterhalten werden.

Die Brücke bei Euskirchen wird regelmäßig überprüft

„Die So-da-Brücke wird – wie jede andere Brücke auch – einmal jährlich äußerlich auf Schäden geprüft, und dazu kommen noch einmal die dreijährigen Bauwerksprüfungen gemäß DIN 1076 – das ist die Hauptprüfung“, sagt Torsten Gaber, Pressesprecher des Landesbetrieb Straßen NRW: „Außerdem werden zweimal jährlich Gehölzpflege-Arbeiten im Rahmen unserer Verkehrssicherungspflicht vorgenommen, da unter der Brücke ein öffentlicher Wirtschaftsweg verläuft.“

Neben der Bundesstraße verläuft ein breiter Gehölzstreifen.

Dort, wo jetzt heute Sträucher wachsen, sollten an der heutigen B56n eigentlich mal Autos fahren.

Das Schwarz-weiß-Bild zeigt die Brücke ohne Anbindung an eine Straße.

Die So-da-Brücke während der Bauphase. Damals sollte noch die A56 über sie in Richtung Bonn verlaufen.

Die Unterhaltungskosten belaufen sich auf mehrere hundert Euro pro Jahr. Zusätzliche Ausgaben entstehen etwa durch die Beseitigung illegal abgelagerten Mülls. Längst hat sich die Brücke zu einem kuriosen Ausflugsziel entwickelt.

Höhenretter üben regelmäßig an dem Bauwerk

Geocacher aus ganz Deutschland suchen dort einen sogenannten T5-Cache – die höchste Schwierigkeitsstufe im Geocaching. Wer den versteckten „Schatz“ erreichen will, benötigt professionelle Seilkletterausrüstung. Außerdem nutzen Feuerwehr und THW das Bauwerk regelmäßig für Übungen der Höhenrettung. Ob die Brücke eines Tages doch noch ihrer ursprünglichen Bestimmung dient, ist offen. Sie gilt als mögliches Bauwerk für die geplante Euskirchener Nordumgehung B56n.

Dieses Straßenprojekt beschäftigt Politik und Verwaltung seit Jahrzehnten. Ziel ist eine Verbindung zwischen dem Autobahnzubringer an der A1 bei Zülpich, dem Industriepark am Silberberg und der LEP-6-Fläche zwischen Euskirchen und Weilerswist. Gleichzeitig sollen Frauenberg, Kuchenheim und die Euskirchener Ringstraßen deutlich vom Verkehr entlastet werden.

Wir haben keine Kenntnisse darüber, dass das Projekt derzeit aufgegriffen wird.
Torsten Gaber, Landesbetrieb Straßen NRW

Die Entwurfsplanung liegt bereits seit 2014 vor. Allerdings ist die Ortsumgehung im Bundesverkehrswegeplan 2030 lediglich in die Kategorie „Weiterer Bedarf“ eingestuft worden. Eine kurzfristige Umsetzung ist nicht vorgesehen. Hoffnung gibt es lediglich durch mögliche Priorisierungen im Zusammenhang mit dem Strukturwandel in den Braunkohleregionen.

„Wir haben keine Kenntnisse darüber, dass das Projekt derzeit aufgegriffen wird“, so Gaber. Nach den bisherigen Planungen soll die 7,1 Kilometer lange, zweispurige Straße rund 33,8 Millionen Euro kosten. Täglich könnten etwa 8000 Fahrzeuge die Trasse nutzen. Besonders der Schwerlastverkehr würde nach Einschätzung der Planer aus den Ortslagen gehalten.

Die Brücke erinnert an ein nie verwirklichtes Autobahnprojekt

Ob die „So-da-Brücke“ dann tatsächlich Teil der neuen Straße werden könnte, ist jedoch ungewiss. Zwar befindet sich das Bauwerk nach Einschätzung von Straßen NRW in einem bemerkenswert guten Zustand, weil es nie durch Verkehr oder Streusalz belastet wurde. Dennoch müssten die Tragfähigkeit und die heutigen Anforderungen überprüft werden.

„Ob die Brücke den heutigen Achslasten gewachsen ist, müsste geprüft werden“, heißt es seitens des Landesbetriebs. Bis dahin bleibt die Brücke vor allem ein kurioses Wahrzeichen. Sie erinnert an ein nie verwirklichtes Autobahnprojekt, steht zugleich für die Hoffnungen auf eine Nordumgehung – und zeigt, wie Vergangenheit und Zukunft in einem einzigen Bauwerk verbunden sein können.

Die Brücke bei Elsig ist nicht die einzige, die im Zuge der geplanten A56 als Vorleistung gebaut worden ist. Zwischen Weidesheim und Dom-Esch gibt es, von Feldern eingerahmt, eine weitere. Über sie verläuft die L 210. Neben den vier Säulen unterhalb der Fahrbahn sollte mal die vierspurige A56 verlaufen.

Auch entlang der heutigen B56n zwischen Zülpich und Frauenberg ist die ursprüngliche Dimension des Projekts noch zu sehen. Die Brücken bei Rövenich und Nemmenich sind überdimensioniert. Der geplante Verlauf der vierten Spur ist trotz der vielen Bäume und Sträucher entlang der Fahrbahn gut zu erkennen – genau wie auf der Brücke, die über die heutige A1 verläuft. Auch dort ist die geplante vierte Spur mit bloßem Auge zu sehen.


Bap gab an der Brücke ein Konzert

Von wegen „tote Brücke“, von wegen So-da-Brücke: Am Betonklotz neben der A 1 ging es am 15. Juni 2001 rockig zu: Die Kölner Band Bap um Frontmann Wolfgang Niedecken trat an diesem Tag auf der Brücke vor 1500 begeisterten Fans auf. Die Brücke ziert auch das Cover der CD „Aff un zo“.