Auf dem Gelände des Fahrvereins St. Medardus Zülpich fand das Trainingslager der Vierspännerfahrer für die WM in Aachen statt.
VierspännerIn Zülpich wird für die Weltmeisterschaft trainiert

Auf dem Gelände des Fahrvereins St. Medardus Zülpich dreht René Poensgen seine Runden. Sein Beifahrer ist diesmal Bundestrainer Charly Geiger.
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Ein bisschen sah es nach einem entspannten Campingurlaub aus: Auf dem Gelände des Fahrvereins St. Medardus Zülpich parkten Transporter, unter Markisen standen Campingstühle und Tische. Allerdings waren die Lastwagen selbst für heutige Wohnmobil-Dimensionen gewaltig. Das müssen sie auch sein, schließlich transportieren sie einiges an Pferden und Kutschen. Und als Wohnmobil dienen sie obendrein. Entspannt ging es zu, auch wenn die Tage in der Nähe des Wassersportsees ein Trainingslager waren. Trainingslager für eine Weltmeisterschaft, wohlgemerkt.
Vier Tage lang waren drei Mitglieder der deutschen Equipe der Vierspänner zu Gast bei St. Medardus. Mareike Meier, René Poensgen und Georg von Stein nutzten die Zeit vor dem Start in Aachen, um gemeinsam mit dem Bundestrainer am Auftritt ihrer Pferde zu feilen. Trainiert wurde in den Morgen- und Abendstunden, wenn es nicht so heiß war.
Johanna Bierth aus Berg ist Beifahrerin bei der WM
Auch eine junge Frau aus Berg fährt mit zu WM: Johanna Bierth gehört zum Team Poensgen, seit zwei Jahren ist sie auf den großen Turnieren unterwegs. Die 25-Jährige hat selbst mit ihren Ponys schon einige Erfolge eingefahren. Selbst Aachen ist kein Neuland für sie, da ist sie schon bei der Eröffnungsfeier aufgetreten. Als Beifahrerin hat sie mit René Poensgen mittlerweile schon die Dressurprüfung bei einer Welt- und einer Europameisterschaft absolviert.

Gelassen schauen die Pferde aus den Fenstern ihres Stallzeltes.
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Georg von Stein ist an diesem Abend einspännig unterwegs.
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„Für den Marathon kommt ein anderer Beifahrer“, erzählt sie. Fünf bis sechs Leute gehören zum Team. Schließlich geht es nicht nur darum, als Beifahrer – das müssen beim Vierspänner immer zwei sein – hinten auf der Kutsche zu sein. Es müssen ja auch mindestens vier Pferde versorgt werden. Bei Poensgen sind es fünf – „ein Top-Gespann“, wie er sagt: „Ich habe für Aachen die fünf besten ausgesucht.“ Er hatte die Wahl zwischen sieben Pferden, die in Tempo und Bewegung zueinander passen und alle entsprechend ausgebildet sind.
Ich habe für Aachen die fünf besten ausgesucht.
René Poensgen ist eine Ausnahmeerscheinung im internationalen Fahrsport: Der Bäckermeister aus Eschweiler ist Amateur. Zwei Jahre habe er auf die Weltmeisterschaft hingearbeitet, erzählt er. „Ich muss dafür auf vieles verzichten“, gibt er zu. Doch das Fahren, vor allem die Arbeit mit jungen Pferden, sei seine Leidenschaft: „Ich habe mit zwölf Jahren das Fahrabzeichen gemacht und mit 15 mein erstes Zweispännerturnier gefahren.“

Wellness nach getaner Arbeit: Johanna Bierth (l.) und Zdenka Urbanova waschen die Pferde.
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Bei seinen Runden auf dem Platz des Zülpicher Fahrvereins hat der 46-Jährige einen besonderen Beifahrer. Bundestrainer Karl-Heinz „Charly“ Geiger schaut ihm über die Schulter und auf die Finger. Dieser Blick von außen sei immer wieder wertvoll, findet Poensgen. Kritisch hat auch Zdenka Urbanova das Gespann im Blick. Ist sie auf Fehlersuche? „Oh ja“, sagt sie: „Ich bin sehr streng.“ Schließlich ist sie nicht nur Poengens Lebensgefährtin und Beifahrerin, sondern trainiert die Pferde zu Hause.
Pferde und Ausrüstung müssen gepflegt werden
Johanna Bierth ist froh, dass sie vom dem erfahrenen Fahrer lernen kann. Dafür nimmt sie eine ganze Menge in Kauf. Mindestens einmal im Monat ist sie mit dem Team unterwegs. „Nur in der Phase, als ich Klausuren geschrieben habe, musste ich ein paar Mal aussetzen“, sagt die Studentin der Agrarwirtschaft. Der Einsatz als Beifahrerin ist anspruchsvoller, als er auf den ersten Blick aussieht.
Sie muss den Parcours und die Aufgaben kennen, sagt beispielsweise auch die Zeit an, wenn es bei Kegelfahren drum geht, ein bestimmtes Tempo einzuhalten. Hinzu kommt die Pflege von Pferden und Ausrüstung. Als René Poensgen seine Trainingsrunden in Zülpich beendet hat, stehen seine Lebensgefährtin Zdenka Urbanova, Klaus Schröder und Johanna Bierth bereit. Vier Pferde müssen ausgeschirrt werden.
Wellnessprogramm für die Pferde mit Schlauch und Schwamm
Dass da ein eingespieltes Team am Werk ist, ist nicht zu übersehen. Schnell sind die Leinen, wie der Fahrer die langen Zügel nennt, sortiert, die Schnallen gelöst. Die Pferde werden in ihre Boxen gebracht und gefüttert. Dann starten Zdenka Urbanova und Johanna Bierth das Wellnessprogramm, waschen mit Schlauch und Schwamm die Pferde ab, kühlen die Beine. Und verteilen Streicheleinheiten.
Später werden noch die Geschirre gereinigt. Spätestens in Aachen müssen Pferde und Ausrüstung makellos sein. Poensgen mache immer einen Plan, der auf die Minute festlege, wann was getan werden müsse, erzählt Klaus Schröder, der seit Jahren zum Team gehört: „Und an diesen Plan halten wir uns minuziös.“ So wird es auch in Aachen sein.
Für Reńe Poensgen ist es nicht der erste Auftritt in Aachen, er ist dort 2016 schon einmal beim CHIO gefahren. Und die erste Weltmeisterschaft ist es auch nicht, er war bei den Weltreiterspielen in Rom dabei. Dennoch sagt er: „Die WM in Aachen wird auf jeden Fall etwas Besonderes. Zumal sie für uns ja fast ein Heimspiel ist.“
Wettbewerbe in Aachen dauern vier Tage
Fünf Fahrerinnen und Fahrer mit ihren Teams und Gespannen starten bei den Weltmeisterschaften in Aachen für Deutschland: Mareike Meier (Negernbötel), René Poensgen (Eschweiler), Anna Sandmann (Lähden), Christoph Sandmann (Lähden) und Georg von Stein (Modautal). Drei von ihnen werden als Mannschaft antreten – wer das sein wird, entscheidet Bundestrainer Karl-Heinz Geiger noch –, die beiden anderen starten als Einzelfahrer. 54 Gespanne in 13 Mannschaften und sechs Einzelfahrer treten voraussichtlich an im Kampf um die Medaillen.
Los geht es für sie am Mittwoch mit der ersten Untersuchung durch das Tierarzt-Team. Am Donnerstag und Freitag wird dann die Dressur absolviert. Am Sonntag geht es auf die Marathonstrecke. Das Fahren um die Hindernisse auf dem Gelände der Soers ist traditionell ein Publikumsmagnet. Am Sonntag fällt schließlich die Entscheidung beim Kegelfahren. Rund 880 Fahrer, Reiter und Voltigierer starten in Aachen. Etwa 800 Pferde sind im Laufe der Turniere vor Ort, die Veranstalter rechnen mit rund 500.000 Besuchern.
