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Schiffsprozession am RurseePater Antonio muss bei der Premiere eine Predigt improvisieren

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Menschen laufen über einen Schiffsanleger auf ein Ausflugsschiff.

Unter dem Baldachin, der von Feuerwehrleuten getragen wurde, ging Pater Antonio mit dem Allerheiligsten zur St. Nikolaus.

Pater Antonio Gelsomino leitete zum ersten Mal den Gottesdienst zur Schiffsprozession am Rursee.

Für die einen ist es Tradition, für die anderen eine völlig neue Erfahrung. So ging es den Teilnehmern der Schiffsprozession, die über den Ober- und den Rursee nach Rurberg führte. Mehr als 350 Teilnehmer besuchten den Gottesdienst im Antoniushof am Eiserbachsee. Im Innenraum waren längst alle Plätze besetzt – und auch diejenigen, die mit einem Platz unter freiem Himmel vorlieb nehmen mussten, hatten Glück: Der Himmel war zwar grau und wolkenverhangen, es blieb aber trocken.

„Ich weiß nicht, seit wann ich an der Prozession teilnehme“, sagte der 87 Jahre alte Josef Jöbges aus Herhahn. Er kramte in seinen Erinnerungen und kam zu dem Schluss, dass es so viele Jahre seien, dass er sich nun wirklich nicht mehr an das erste Mal erinnern könne. Aus Hirschrott sei er gebürtig – und daher sei er, wie üblich, mit der St. Nikolaus gefahren. Zum erste Mal nahmen dagegen zwei Damen aus Stolberg an der Schiffsprozession teil. „Wir sind begeistert“, sagten sie wie aus einem Mund. In ihrer Tageszeitung hatten sie von dem Angebot gelesen. Und wollen vielleicht auch eine Tradition begründen. „Wir wollen auch im nächsten Jahr wieder dabei sein“, kündigten sie jedenfalls an.

Am eigenen Geburtstag hat Pater Antonio die Schiffsprozession geleitet

Noch eine Person erlebte die Schiffsprozession zum ersten Mal, und das unter genauer Beobachtung der gesamten Gemeinde. Erstmals stand Pater Antonio Gelsomino am Altar im Antoniushof. Seit Ostern ist der Franziskanerpater, der in Pforzheim geboren wurde und in Apulien aufgewachsen ist, zur Verstärkung des aus Pastor Michael Stoffels und Gemeindereferent Sven Riehn bestehenden Teams im Pastoralen Raum Simmerath tätig.

Ein Gruppe Messdienerinnen und Messdiener zieht mit Fahnen vor einer Menschengruppe über eine Brücke.

Über den Eiserbachdamm führte die Prozession nach dem Gottesdienst im Antoniushof zurück zum Schiff.

Ein Mann mit kurzen Haaren steht im Priester-Gewand an einem Ambo.

Seit Ostern ist Pater Antonio in der Simmerather Gemeinde tätig.

Riehn stellte Pater Antonio Gelsomino den Gottesdienstbesuchern vor und verriet: „Er hat heute Geburtstag.“ Das hielt Pater Antonio natürlich nicht davon ab, im Antoniushof die Messe zu zelebrieren. Was allerdings an diesem Feiertag seine Tücken haben sollte.

Denn als der Priester mit seiner Predigt begonnen hatte, stockte er plötzlich und begann, in seinem Skript zu kramen. Irgendetwas schien nicht zu stimmen. „Der liebe Gott spielt mit uns“, sagte Pater Antonio dann – und lieferte die Auflösung: Er habe eine Predigt für diesen Tag verfasst, doch nun liege eine ganz andere vor ihm. Doch zuversichtlich ging er daran, seine Predigt spontan zu improvisieren: „Wir schaffen das“, rief er den Gläubigen überzeugt zu.

Pater beklagt den Bedeutungsverlust des Sonntagsgottesdienstes

So sprach er über den Bedeutungsverlust, den der Sonntagsgottesdienst über die Jahre erlitten habe. Denn wenn heutzutage ein „schönes Wochenende“ gewünscht werde, denke kaum jemand an die Heilige Messe, die am Sonntag gefeiert werde. Dabei seien die Eucharistiefeier und die Heilige Wandlung das, was den katholischen Glauben von anderen Religionen unterscheide, die jedoch an den gleichen Gott glauben. „Gott gehört nicht einer Kirche, er ist in allen Menschen“, betonte Pater Antonio den ökumenischen Gedanken.

Von Einruhr war der überwiegende Teil der Gläubigen mit der St. Nikolaus über den Obersee nach Rurberg gefahren. Begleitet wurden sie vom Musikverein „Allzeit fröhlich“ Dedenborn. Mit einem anderen Schiff, der Stella Maris, reiste eine weitere Gruppe aus Woffelsbach an. Gesichert wurden die Überfahrten von der DLRG. Der Gottesdienst im Antoniushof wurde musikalisch vom Projektchor „Fronleichnam“ gestaltet, der von Gabriele Scheidweiler-Pleines geleitet wurde.