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250.000 Euro SchadenMechernicher Familie steht nach Güllewelle vor wirtschaftlichem Ruin

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Valentin und seine Frau Anastasia Baranov holen mit einem Köcher tote Forellen aus dem Zuchtbecken. Seine Schwester Xenia unterstützt die beiden.

Auch am Mittwoch sind Anastasia (v.l.) und Valentin Baranov sowie dessen Schwester Xenia immer noch damit beschäftigt, verendete Forellen aus den Zuchtbecken an der Feyermühle bei Breitenbenden zu holen.

Eine große Menge Gülle, die am Montag bei Mechernich ins Wasser gelangte, hat zu einem Fischsterben geführt. Betroffen ist eine gewerbliche Fischzucht.

Valentin Baranov und seine Frau Anastasia sorgen sich um ihre Existenz – schon wieder. „Vor viereinhalb Jahren hatten wir durch die Flutkatastrophe einen Schaden in Höhe von insgesamt 627.000 Euro“, sagt der Betreiber der „Forellenzucht und Angelpark Caster“ in Feyermühle, nur wenige Meter vom Veybach entfernt. Damals gab es finanzielle Unterstützung über die Wiederaufbauhilfe, das Paar wagte den Neuanfang.

Jetzt stehen die Baranovs erneut vor dem möglichen Ruin: Am Montag gelangte (wie berichtet) eine größere Menge Gülle über den Hauserbach und den Veybach bis zur Fischzuchtanlage unterhalb von Breitenbenden. Bis zu 20 Tonnen Fische, so die Befürchtung des Ehepaars, die auch Eltern zweier Kinder sind, sind bereits verendet oder werden es noch. Den finanziellen Schaden für seinen Betrieb schätzt Baranov auf mindestens 250.000 Euro. Eine Versicherung, die einspringen könnte, hat er nicht.

Gülle im Wasser des Veybachs führte zu großem Fischsterben

„Wir sind am absoluten Nullpunkt angelangt“, sagt Anastasia Baranov, die mit ihrer Schwägerin Xenia auch am Mittwoch noch damit beschäftigt ist, die verendeten Regenbogen- und Lachsforellen aus den Zuchtbecken zu holen. „Wir haben am Montag noch versucht zu reagieren und den Zulauf vom Veybach zu schließen – aber da war es bereits zu spät.“

Ein Mann, der schwarze Handschuhe trägt, zeigt die Kiemen einer verendeten Forelle.

Die Kiemen der verendeten Fische seien geschädigt, sagt Baranov.

Valentin Baranov hält eine kleine, verendete Bachforelle in der Hand.

Auch diese kleine Bachforelle überlebte die Güllewelle im Veybach nicht. Laut Erftverband sei der Bach jedoch nicht nachhaltig geschädigt worden.

Die Gülle im Wasser, so beschreibt es ihr Mann, habe eine verheerende Wirkung auf die Gesundheit der Fische: „Die Kiemen werden regelrecht verätzt, die Fische ersticken dann.“ Er geht davon aus, dass auch die Tiere, die die Güllewelle überlebt haben, stark geschädigt und nicht mehr für den Verzehr geeignet sind. Genaue Untersuchungsergebnisse dazu stünden aber noch aus.

Von den Ergebnissen sei auch abhängig, wie er seinen Betrieb fortführen könne, sagte Baranov: „Im schlimmsten Fall müssen der Zulauf vom Veybach, die Zuchtbecken sowie die Angelteiche ausgebaggert und sogar desinfiziert werden, bevor wir hier wieder Forellen züchten können.“ Vor rund zehn Jahren hat er den Betrieb, der immer noch den Namen des Firmengründers führt, übernommen. Jetzt denkt er ans Aufgeben: „Wenn wir nicht zwei schulpflichtige Kinder hätten, würden wir wahrscheinlich die Koffer packen“, sagt er resigniert.

Erftverband sieht keine nachhaltige Schädigung des Veybachs

Baranov geht davon aus, dass auch der Veybach und seine Tierwelt durch den Gülleeintrag stark in Mitleidenschaft gezogen worden sind. „Der ganze Bach ist tot – das dauert mindestens drei Jahre, bis sich das Biotop erholt hat“, schätzt Baranov. Bei ihm im Betrieb seien auch schon tote Bachforellen, die nicht aus seiner Zucht stammen, angeschwemmt worden. Auch tote Nutrias und einen Kormoran habe er gefunden.

Zwei tote Nutrias und ein Kormoran liegen auf dem mit Laub bedeckten Boden.

Diese beiden Nutrias und ein Kormoran wurden ebenfalls verendet in der Nähe des Veybachs bei Breitenbenden aufgefunden.

Seiner Einschätzung zum Zustand des Veybachs widerspricht jedoch der zuständige Erftverband: Durch die hohe Verdünnung sei es nach jetzigem Kenntnisstand nicht zu einer nachhaltigen Schädigung gekommen, teilte Pressesprecherin Ronja Thiemann auf Anfrage mit. Man werde die Lage jedoch weiterhin beobachten.

Die Baranovs hoffen unterdessen darauf, dass der Verursacher des Gülleeintrags ermittelt werden kann, um dann Schadensersatzansprüche gegen ihn geltend zu machen. Wie Franz Küpper, Sprecher der Kreispolizeibehörde Euskirchen, auf Anfrage mitteilte, habe das für Umweltdelikte zuständige Kriminalkommissariat die Ermittlungen in dem Fall aufgenommen.

Kriminalpolizei Euskirchen ermittelt und bittet Zeugen um Hinweise

Nach bisherigen Erkenntnissen müsse die Gülle im Verlauf der vergangenen Woche bis Montagmorgen über einen Regenwasserkanal in den Hauserbach oberhalb von Eiserfey eingeleitet worden sein, so Küpper: „Am Montag gegen 9 Uhr gab es die ersten Mitteilungen an die Behörden.“

Genauer sei der Zeitraum wegen des starken Frostes der vergangenen Woche nicht bestimmbar, da durch Schnee und Eis die Gülle zurückgehalten worden sein könne. Man gehe davon aus, dass die Einleitung im Bereich von Dreimühlen, also etwa in Höhe der Kakushöhle zwischen Eiserfey und Weyer, erfolgt sei.

Was die Menge der eingeleiteten Gülle angeht, herrsche noch Ungewissheit: „Aktuell können wir nur sagen, dass es mehr gewesen sein muss, als in ein Güllefass passt“, so Küpper. Von einer „nicht unerheblichen Menge“ gehen die Experten der Unteren Wasserbehörde der Kreisverwaltung aus.

„In diesem Zusammenhang bitten wir mögliche Zeugen, sich zu melden“, wendet sich Küpper an die Öffentlichkeit. Hinweise werden auf Wunsch auch vertraulich behandelt, so der Polizeisprecher. Die Kontaktaufnahme sei telefonisch unter 02251- 799-0 oder per E-Mail möglich.