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Varyngard - Flug des FalkenRitterspiele auf Burg Satzvey dienen als Flucht vor dem Alltag

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In prunkvollen Rüstungen reiten die Turnierteilnehmer über den Sand.

Detailreich waren auch in diesem Jahr die Rüstungen und Gewänder der Ritter und Kriegerinnen.

Auf Burg Satzvey geht es wieder mittelalterlich zu – Neben den Schwertkämpfen lässt sich dort auch das einfache Leben bestaunen.

Noch bevor die detailreich gestalteten Banner inmitten der Menschenmenge zu sehen waren, konnte man Träger und Gefolgsleute bereits an ihren lautstarken Ausrufen erkennen, mit denen sie sich ihren Weg über das Gelände von Burg Satzvey bahnten. Die Rittersleut' zogen am Samstag und Sonntag über die Wege der Wasserburg, um sich dem Aufmarsch für die große Show anzuschließen, die erneut einen der Höhepunkte während der Satzveyer Ritterfestspiele bildete.

„Wir waren schon im Mai hier und haben uns die Vorführung angesehen. Die Kinder waren so begeistert, dass wir jetzt schon wieder hier Schlange stehen“, berichtete Zuschauer Michael Hopp. Die Ritterbegeisterung ist bei ihnen Familiensache. „Wir haben die Jungs auch früher schon oft mitgenommen, wenn wir zu Mittelalterfesten gefahren sind“, berichtet Hopp. Damals sei die Begeisterung aber noch nicht recht übergesprungen. „Dieses Mal waren sie aber sofort voll bei der Sache und fragen uns jetzt schon seit Wochen, wann wir endlich wieder Ritter sehen.“ Zu diesem Anlass hatte sich der Nachwuchs mit Holzschwert und -schild ausgestattet, um den Vorbildern nachzueifern.

Publikum feuert bei Ritterspielen die Widerstandskämpfer an

Mit dem Titel „Varyngard - Flug des Falken“ wurden die kleinen und großen Gäste am Wochenende erneut in das ferne Fantasiereich eines rachsüchtigen Königs entführt, der seinen eigenen Bruder und dessen Frau ermordete, um selbst den Thron besteigen zu können. Mit eiserner Faust herrscht Agramar seit dieser Zeit über das Land und unterdrückt dabei nicht nur sein Volk, sondern auch die einzige Tochter seines Bruders, die rechtmäßige Königin, um jeglichen Widerstand im Keim zu ersticken.

Dennoch haben es sich die selbst ernannten „Schwerter der Hoffnung“ mit ihrem geheimnisvollen Anführer zur Aufgabe gemacht, Land und Bewohner zu befreien, und sich zu diesem Zweck dem königlichen Turnier angeschlossen. In actionreichen Szenen, bei denen die Akteure zu Fuß und zu Pferd Schwertkämpfe austrugen, Feuerhindernisse überwanden und im Lanzenreiten gegeneinander antraten, sollte sich das spektakuläre Ringen um den königlichen Thron vor den Augen der begeisterten Menge entscheiden.

Eine Kriegerin und ein Ritter kämpfen mit Schwertern auf Pferden vor der Kulisse der Burg Satzvey.

Der Kampf vor mittelalterlicher Kulisse gehört seit jeher zu den Ritterspielen.

Ein Mann in schwarzem Fell und mit einer Maske mit Hörnern läuft gröhlend mit einer Axt in der Hand auf die Kamera zu, im Hintergrund sieht man weitere mittelalterlich gekleidete Leute.

Auf dem Weg durch die Showarena begeisterten die Ritter und Edelleute.

Ein Mann in Ritterrüstung reitet mit einem Pferd durch Feuer.

Auch vor einem Ritt durchs Feuer schreckten Pferde und Reiter nicht zurück.

Dazu trug das Publikum mit lautstarken Zwischenrufen bei. Während die Schurken mit Buhrufen empfangen wurden, ernteten die Helden für ihre Aktionen stehende Ovationen. „Dieses und kommendes Wochenende sind die letzten Möglichkeiten, den schon an Pfingsten gestarteten ersten Teil der Show mitzuerleben“, erklärte Jascha Friedrich vom Organisationsteam. „Im nächsten Jahr wird die Geschichte dann fortgesetzt. Beide Teile ergeben für sich eine abgeschlossene Handlung, aber wer alles gesehen hat, wird noch ein paar mehr Details und Hintergründe zu den Figuren und ihrer Vergangenheit erfahren.“

Für Ritter aus Baden-Württemberg sind Ritterspiele in Satzvey Urlaub

Die Ritter und Marktleute schufen auch außerhalb der Arena als Bewohner des großen Ritterlagers ein stimmungsvolles Ambiente. Während sich die Kriegerinnen und Krieger auf ihren Rundgängen über das Burggelände befanden, arbeitete Tatjana Feth im Zeltlager bereits an der Verpflegung. „Heute gibt es Cordon bleu im Dutch-Oven mit Kartoffelgratin“, berichtete Feth, die in der Vergangenheit schon für bis zu 40 Personen über offenem Feuer gekocht hat.

Eine Frau in mittelalterlichem Gewand steht vor einem Gestell, auf dem drei gusseiserne Kochtöpfe stehen.

Bis zu vier Stunden kocht Tatjana Feth für ihre Ritterschaft.

Mehrere Männer stehen mit Dudelsäcken und weiteren mittelalterlichen Instrumenten auf einem Platz.

Mittelalterliche Klänge gab die Band Fabula zum Besten.

„Diese Art zu kochen ist auch zu Hause ein Hobby von mir, da man damit völlig autark ist und trotzdem immer deftige Gerichte oder auch vegetarische und vegane Mahlzeiten zaubern kann.“ Dafür bis zu vier Stunden in der improvisierten Küche zu stehen, sei kein Problem. „Unsere Gruppe der Bruchsaler Ritterschaft kommt schon seit fast 20 Jahren aus Bayern und Baden-Württemberg hierher nach Satzvey.“ Die gemeinsame Zeit lasse sich auch am Kochtopf sehr genießen.

Als Ritter schon den Aachener Dom besucht

Für neun Tage hat die Gruppe in diesem Jahr ihre Zelte an der Burg aufgeschlagen. Diese Zeit sei wie ein kleiner Urlaub, schwärmte Lager-Mitbewohner Markus Böhmer. „Das Gelände ist aus meiner Sicht eine der schönsten Gelegenheiten, innerhalb Deutschlands Urlaub zu machen. Von hier aus können wir zwischen den Wochenenden mit dem großen Besucherandrang unsere Verwandtschaft in Belgien besuchen oder mit den Enkeln Städtereisen unternehmen.“ Vor einigen Jahren habe die Gruppe den Aachener Dom in voller Gewandung besucht, was ihnen besondere Aufmerksamkeit eingebracht habe. „Die Domherren waren so begeistert, dass wir sie sogar hoch zum Kaiserthron begleiten durften. Wir haben hier dank der Ritterspiele wirklich schon viel erlebt“, so Böhmer.

Auch die zahlreichen Besucherinnen und Besucher zeigten sich am Wochenende von den Rüstungen und Kleidern der mehr als 800 Mittelalterfans begeistert. Zwischen den Ständen der 55 Aussteller, die Handwerksarbeiten und Verpflegung anboten, konnten sie in eine stimmungsvolle Zeitreise eintauchen. „Wir wollen den Besuchern eine Möglichkeit bieten, vom Alltag abzuschalten und in eine andere Welt zu entfliehen“, so Friedrich. Angesichts der Menschenmenge, die am Wochenende über das Burggelände streifte, schien sich diese Hoffnung der Veranstalter ein weiteres Mal  zu erfüllen.

Die Ritterfestspiele finden auch noch am Samstag, 19. September, und Sonntag, 20. September, statt.