Für Experten ist das unscheinbare Steinhaus von Burg Kallmuth wie eine Zeitkapsel aus dem Jahr 1525. Die Eigentümer haben viel vor.
Verborgener SchatzBurg Kallmuth wird aufwendig modernisiert

Dr. Kristin Dohmen (r.) erläuterte der Besuchergruppe bauliche Merkmale des Renaissanceportals des Burghofs: Janine Deinzer (v.l.), Peter Ratz, Dr. Andrea Pufke, Margret Riggert und Michael Fingel.
Copyright: Stephan Everling
Manche Schätze blühen im Verborgenen. Wie das unscheinbare Steinhaus direkt neben der Kirche. Burg Kallmuth heißt es, auch wenn der schmucklose Quader bis vor kurzem so gar nicht wie etwas aussah, was gemeinhin unter einer Burg verstanden wird. Doch Dr. Kristin Dohmen, Leiterin des Sachgebiets Bauforschung und Vermessung des Landschaftsverbands Rheinland (LVR), kann bei einem Ortstermin nur schwer ihre Begeisterung über das Gebäude verbergen. „Als ich hier zum ersten Mal hineinkam, habe ich direkt gesehen, dass das etwas Besonderes ist“, sagt sie.
Seit 25 Jahren sei die Bauforschung ihr Betätigungsfeld, und in der Zeit habe sie viele Burgen untersucht. Doch hier gebe es etwas „ganz, ganz, ganz Spannendes. Das Besondere ist, dass hier die Baugeschichte im Jahr 1525 aufhört“. Deshalb sei es so, als ob es dort in Kallmuth eine Zeitkapsel gebe, die vom 13. Jahrhundert bis 1525 Geschichtsspuren trage, die bis heute kaum verändert worden seien.
Einen Edelherrn mit dem Namen von Kallmuth gab es bereits 1285
Verbürgt ist auf jeden Fall durch Quellen im Jahr 1285 ein Edelherr, der sich „von Kallmuth“ genannt habe. „Das waren die Vorfahren der Ritter“, erläutert Dohmen. Überliefert ist außerdem im 14. Jahrhundert Henricus de Calemunt und 1515 Theis Johann von Kaelmoutten. Bereits 1525 ließ direkt neben dem alten Gebäude Emmerich von Friemersdorf das repräsentative Burggebäude errichten, was dazu führte, dass der ursprüngliche Sitz der Landherren nicht mehr benötigt wurde.

Dr. Kristin Dohmen (3. v. l.) machte die Besucher auf die Bauspuren in der alten Burg aufmerksam. Anhand dieser Spuren wird deutlich, dass der Ursprungsbau im 13. Jahrhundert umgebaut wurde.
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Interessiert hörten Architektin Margret Riggert (v. r.), Janine Deinzer, Dr. Andrea Pufke und Bürgermeister Michael Fingel den Erläuterungen des Besitzers der Burg, Peter Ratz, zu.
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Im dendrochronologischen Labor des LVR wird diese Scheibe aus einem Balken untersucht.
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Und der trägt für die Bauforscher interessante Spuren. Auf der Südwestfassade sind deutlich zwei Bauphasen zu erkennen: Ein Ursprungsbau mit einem Innenhof, der im 13. Jahrhundert, ungefähr zu der Zeit, in der auch mit dem Bau des Kölner Doms begonnen wurde, umbaut, überdacht und mit einem Kreuzgewölbe versehen worden sei, so Dohmen. Aus welcher Zeit die erste Bauphase stamme, sei bislang nicht bekannt. „Wie alt dieser Teil ist, können wir jetzt noch gar nicht sagen“, erläutert sie. Doch der Besitzer Peter Ratz habe aus einem alten Balkenstück, das aus dem Bereich der ersten Bauphase entnommen worden sei, eine Scheibe herausgeschnitten, die nun im LVR-eigenen Labor dendrochronologisch untersucht werde.
Die vorher veranschlagten finanziellen Möglichkeiten werden gesprengt
Gemeinsam mit seiner Frau Dr. Stefanie Zippel hat Ratz sich in das Abenteuer Burg gewagt. Bereits vorher hatten die beiden den Komplex des „Neubaus“ von 1525 gekauft und in Wohnungen umgewandelt. „Der Bauer wollte es unbedingt loswerden“, berichtet der Bildhauer aus Eiserfey. Er habe Pläne gesehen, die ein Architektenpaar aus Alfter entwickelt habe. „Das fand ich interessant, und da ich in Eiserfey auch in einem Baudenkmal wohne, dachte ich, ich kenne mich aus“, sagt er. Doch das habe sich als Irrtum herausgestellt. Und auch die am Anfang veranschlagten finanziellen Möglichkeiten würden immer wieder gesprengt, weil alles im Detail doch sehr aufwendig sei.
So die Unterfangung der nach Nordwesten gerichteten Wand: Sie war im 13. Jahrhundert ohne richtiggehende Verankerung zwischen zwei Mauern gesetzt worden, um einen Innenhof zu umbauen, erläutert Dohmen. Gehalten worden sei sie durch ein Kreuzgewölbe, das allerdings im Laufe der Jahre abgebrochen worden sei. Dadurch neige sich die Wand nach außen: satte 40 Zentimeter auf sechs Metern Höhe.
Dort, wo die Kreuzgewölbe waren, soll eine Empore hin
„Nach 30 Zentimetern war kein Fundament mehr da, aber da die Wand unbedingt erhalten werden sollte, musste diese Unterfangung gemacht werden“, erklärt Ratz. Er habe gar nicht zusehen wollen, als Erde und Steine unten herausgenommen worden seien, das sei emotional für ihn der schwierigste Teil gewesen. Anstelle des einstigen Kreuzgewölbes sei nun geplant, eine Empore einzuziehen, erläuterte Dohmen. „Wir wissen nicht, warum die Kreuzgewölbe herausgenommen worden sind“, betont sie. Der Mörtel habe trotz allem gut gesessen, und bis zum Schluss habe es keine Bauschäden gegeben. „Manches hält aus Gewohnheit, sagen wir immer“, so die Denkmalpflegerin.

Die Burg Kallmuth vor der Sanierung mit der angrenzenden Kirche.
Copyright: Team Bauforschung LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland

Der Innenhof: Deutlich zu erkennen sind die beiden Bauphasen, links der Haupteingang mit dem Torwulst, ganz rechts die Kirche.
Copyright: Team Bauforschung LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland

Das Dach wird mit einem Stahlbetonring verstärkt und gesichert.
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Immer wieder sei besprochen worden, ob die Unebenheiten und Buckel in der Wand bleiben oder gerade verputzt werden sollten. „Das soll auch ein modernes Objekt werden“, so Dohmen. Energetisch zu restaurieren sei eine Herausforderung. So würden die Außenwände der Burg von innen mit einem Wärmedämmputz von sechs bis acht Zentimetern Dicke versehen, erklärte Architektin Margret Riggert.
Wir haben nach Lösungen für die Probleme gesucht, die wir vorher nicht fanden.
Regelmäßige Termine habe es mit Dohmen, Janine Deinzer vom Bauamt der Stadt Mechernich und Riggert gegeben, um die Sanierung denkmalgerecht durchzuführen, berichtete die Spezialistin vom LVR. Es sei wichtig gewesen, sich fortlaufend abzustimmen, um zu besprechen, was erhalten werden könne, was leider fallen müsse und wie das Ganze konstruktiv aufgelöst werden könne.
„Wir haben nach Lösungen für die Probleme gesucht, die wir vorher nicht fanden“, sagt Dohmen. Dabei sei es auch immer wieder um Förderungen gegangen, bei denen er beraten worden sei, betont Ratz. „Ohne Förderung könnten wir das nicht machen“, sagt er offen.
Bürgermeister Michael Fingel ist vom Projekt fasziniert
Denn die Sanierung ist aufwendig. Auf die Mauerkrone wird ein Stahlbetonring gegossen, der später das Dach halten soll. Hier soll eine PV-Anlage installiert werden, kündigt Ratz an. Geheizt werden soll mit einer Fußbodenheizung samt Wärmepumpe. Den ersten Gedanken, eine Ferienwohnung einzubauen, hätten sie fallen gelassen. Stattdessen solle die Wohnung, die hier entstehen werde, vermietet werden.
Was gleich Bürgermeister Michael Fingel auf den Plan rief, der sich den Ortstermin nicht hatte entgehen lassen. Normalerweise müsse er sich am Schreibtisch eher mit den Problemfällen im Denkmalbereich befassen, sagt er. In den ländlichen Bereichen gebe es viele Immobilien, die in Dorfgemeinschaftshäuser oder Wohngebäude umgewandelt würden. In der Verwaltung werde versucht, den bestmöglichen Weg zu finden. „Deswegen fasziniert mich dieses Projekt“, sagt er.
Als Erholung von den Problemfällen im Denkmalschutz nutzt auch die Landeskonservatorin und Leiterin des LVR-Amtes für Denkmalpflege, Dr. Andrea Pufke, den Termin im Rahmen ihres monatlichen Bereisungstages. „Ich will etwas Schönes sehen und eine engere Anknüpfung haben an das, was Denkmalpflege ausmacht“, sagt sie. Was die Finanzierung angehe, müsse man auch um die Ecke denken. Oft werde gesagt, es sei nicht möglich, ein Denkmal zu ertüchtigen. „Dann wird es lieber abgerissen, weil es eben zu teuer ist. Oder weil es nicht möglich ist. Das stimmt so nicht. Wenn man weiß, wie, geht es“, sagt Pufke.
