Uli Lindner-Moog, Rektor der Grundschule Mechernich, wurde nach (seine eigene Schulzeit mitgerechnet) 58 Jahren in der Schule in den Ruhestand verabschiedet.
AbschiedsfeierFür Mechernicher Grundschul-Rektor beginnen jetzt die ganz großen Ferien

Einst Chef, dann Mentor und Freund: Willy Gemünd (r.) gewährte dem jungen Lehrer Uli Lindner-Moog beim Start in Kommern viele Freiheiten.
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So, wie sich viele Schüler vielleicht noch Jahrzehnte nach ihrer Schulzeit an einen Lehrer erinnern, der sie einst als junger Mensch geprägt hat, kann auch Uli Lindner-Moog den Namen eines ganz bestimmten Pädagogen nennen. „In meinem Fall war das Willy Gemünd“, sagt er mit einem anerkennenden Lachen: „Das war allerdings in der Zeit, als ich nach meinem Referendariat in Köln meine erste Stelle als Lehrer an der Grundschule Kommern angetreten habe.“
Damals, Anfang der 90er-Jahre, kam es in Kommern zu einem personellen Umbruch. „Neben mir wechselten noch sechs oder sieben weitere junge Kollegen an die Schule. Willy Gemünd, der damalige Rektor, hat uns viele Freiheiten gelassen – diese Zeit hat mich sehr geprägt“, sagt Lindner-Moog.
Die Schule mit Humor und Tatkraft geprägt
Insgesamt 21 Jahre lang unterrichtete der großgewachsene Lehrer schließlich in Kommern, bevor er selbst zum Schulleiter wurde. Jetzt wurde der Chef der Katholischen Grundschule Mechernich in Rahmen einer dreistündigen Feier in der Aula des Mechernicher Schulzentrums in den Ruhestand verabschiedet.
Am Ende standen die Menschen in der Aula, applaudierten minutenlang und verabschiedeten einen Schulleiter, der die Grundschule Mechernich seit 2013 mit seinem Humor, seiner Tatkraft und vor allem mit seiner großen Nähe zu den Kindern geprägt hat. „Es gab zwei Fragen, die mir immer wieder von Schülerinnen und Schülern gestellt worden sind“, erzählt Lindner-Moog: „Wie groß bist du, lautete die erste, meist gefolgt von der Frage, warum ich so groß sei.“
Grundschule ist mehr als nur ein Ort zum Lernen
Einen schönen Einblick in das Wirken des Schulleiters warf auch der erste stellvertretende Bürgermeister Peter Kronenberg. Er begann seine Rede mit einem Satz, den ein Kind im Rahmen des an der Grundschule gestarteten Projektes „Future Code“ eingesprochen hatte: „Hier lernt man Liebesbriefe schreiben.“
Diese Begegnungen mit den Kindern, die werden mir fehlen.
Bei dem Projekt haben Kinder ihre Lieblingsorte mit QR-Codes und Audiobeiträgen hörbar gemacht. Schöner, so Kronenberg, könne man eine Grundschule eigentlich kaum beschreiben. Natürlich lerne man dort Lesen, Schreiben und Rechnen. „Aber eben nicht nur. Man lernt, sich auszudrücken, man lernt Freundschaft, Vertrauen und dass die eigene Stimme zählt. Und manchmal lernt man eben auch, einen Liebesbrief zu schreiben.“
Lindner-Moog, der in Gemünd aufwuchs und in Schleiden sein Abitur ablegte, hatte immer einen direkten Draht zu den Kindern in seiner Schule. „Diese Begegnungen mit den Kindern, die werden mir fehlen“, so der scheidende Schulleiter im Gespräch mit dieser Zeitung.
Selbstbewusste Kinder, viel Humor und ein Großvater-Vergleich
In einem Interview, das die beiden Grundschulkinder Mara und Liam vorab mit ihrem Schulleiter geführt hatten, und das bei der Abschiedsfeier als Video eingespielt wurde, erklärte Lindner-Moog, was ihn durch sein Berufsleben getragen hat: Kinder sollten Freude am Lernen behalten, neugierig bleiben, eigene Meinungen entwickeln und selbstbewusst werden. Kinder hätten ihm erzählt, was sie erlebt hätten, wer krank gewesen oder welches Haustier gestorben sei. Sie seien dabei meist ohne Scheu auf ihn zugekommen.

Den offiziellen Part mit der Übergabe der Versetzungsurkunde in den Ruhestand übernahm Schulamtsdirektorin Bärbel König.
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Ein Mädchen habe ihn zuletzt umarmt und festgestellt: „Du riechst wie mein Opa.“ Da habe er gedacht, erzählte Lindner-Moog lachend, dass seine „berufliche Sonne langsam untergeht“. Humor habe in seiner Schule immer eine große Rolle gespielt. Ihm sei wichtig gewesen, Kinder, aber auch Erwachsene, zum Lachen zu bringen.
Dass das nicht immer leicht gewesen sei an einer Schule, in der Kinder aus bis zu 20 verschiedenen Nationen unterrichtet wurden und aktuell mehr als die Hälfte der Kinder über einen Migrationshintergrund verfüge, versteht sich fast von selbst. Kronenberg erinnerte in seiner Rede daran, dass Lindner-Moog die Grundschule aber nie als Insel verstanden habe, sondern stets Vereine, Ehrenamtliche, Kulturschaffende, Hilfsorganisationen und viele weitere Partner mit einbezogen habe.
Trotz aller Veränderungen: „Die Kinder sind geblieben, wie sie immer waren“
Gerade in schwierigen Zeiten, etwa nach der Ankunft zahlreicher geflüchteter Familien aus Syrien und später aus der Ukraine, habe sich dieses Netzwerk für alle mehr als bewährt. „Ein Jahr nach der Ankunft in Mechernich haben Kinder aus syrischen Familien dann mit ihren erlernten Deutschkenntnissen die Geschichten erzählt, die man vorher nur aus dem Fernsehen kannte“, erinnert sich Lindner-Moog: „Von der gefährlichen Fahrt übers Mittelmeer oder die Zeit auf der Balkan-Route.“
Trotz der vielen gesellschaftlichen Veränderungen, die es in den vergangenen Jahrzehnten gegeben hat, trotz Corona und Digitalisierung, steht für Lindner-Moog eines fest: „Die Kinder sind so geblieben, wie sie immer waren.“
Die Versetzung in den Ruhestand erfolgte auf eigenen Wunsch, und für den neuen Lebensabschnitt „nach insgesamt 58 Jahren in der Schule“ hat der Eifeler, der inzwischen in Brühl lebt, schon einige Ideen. Das Aufräumen des Kellers, das sich seine Ehefrau von ihm wünscht, steht dabei allerdings nicht unbedingt an erster Stelle. „Ich habe ausgehandelt, dass ich nur in den Keller gehen muss, wenn es regnet“, sagt er mit einem Augenzwinkern.
