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KabarettMit Wut und Wortgewalt begeistert Wilfried Schmickler in Mechernich

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Wilfried Schmickler steht hinter einem Pult, das mit einer Friedenstaube geschmückt ist.

„Herr Schmickler bitte“: Mit seinem aktuellen Programm gastierte Wilfried Schmickler in Mechernich.

Obwohl er eine Bronchitis hatte, bot der Kabarettist Wilfried Schmickler im Mechernicher Gymnasium eine sprachgewaltige Glanzleistung. 

Wenn Schmickler kommt, ist die Hütte voll. Wenigstens, wenn der Schmickler mit Vornamen Wilfried heißt und mit der Hütte die Aula des Gymnasiums am Turmhof in Mechernich gemeint ist. Mehr als 400 Zuhörer waren gekommen, um den Kabarettisten aus Köln zu erleben. Völlig zu Recht, denn Wilfried Schmickler gehört zu den Besten, die aktuell in Sachen Kabarett in Deutschland unterwegs sind. Diese Tatsache stellte er mit seinem Programm „Herr Schmickler bitte“ einmal mehr unter Beweis.

Und das, obwohl er durch eine Bronchitis gehandicapt war und sein Arzt ihm geraten hatte, den Auftritt in der Eifel abzusagen. Doch das sei vielleicht in Hamburg oder Berlin eine Option, verkündete der Kabarettist – jedoch nicht bei einem Termin in seinem Lieblings-Mechernich in seiner Lieblings-Aula.

Je größer die Verunsicherung der Menschen, desto einfacher ist es, ihnen die dreistesten Lügen als Wahrheit zu verkaufen.
Wilfried Schmickler

Doch von Krankheit war nichts zu spüren, als Schmickler sofort in seiner gewohnten Manier loslegte und von der Bitte ans Publikum, die Handys auszuschalten, direkt auf die permanente Verfügbarkeit der Menschen in den Online-Netzwerken zu sprechen kam. „Eine Handvoll Unternehmer, die größer, wichtiger, reicher sind als alle Unternehmer der Weltgeschichte, stehen kurz davor, die bewohnte Erde physisch und psychisch zu versklaven“, fasste er seine Sicht gewohnt geschliffen zusammen und demonstrierte damit eine seiner unverwechselbaren Stärken.

Wilfried Schmickler feuert in Mechernich Wortsalven ins Publikum

Schmickler erwischt die Menschen in ihren Schwächen und transferiert diese mit bissigem Spott und ziselierter Wortwahl in die oft erschreckende, gesellschaftliche Realität. „Jeder, der durch die Welt geht, ohne sich mehrmals täglich mit dem Hammer vor den Kopf zu hauen, weiß, dass es ohne rigorose Eingriffe in die destruktiven Lebens- und Produktionsweisen der Gegenwart für diese Welt keine Zukunft geben wird“, befand er. Doch jede Zwangsmaßnahme zur Rettung der Erde koste nun mal Wählerstimmen.

Schmickler ist ein Meister des Timings. Souverän passt er sein Sprechtempo dem Text an, feuert sätzeweise Wortsalven ins Publikum, um dann ansatzlos in ein Gedicht zu gleiten. Fragen habe er, doch keine Antworten: Bekommt Christian Lindner Bürgergeld? Ist Philipp Amthor eine invasive Art? Was macht Außenminister Wadephul im Hauptberuf? Und gibt es in der Straßenverkehrsordnung einen Paragrafen, der vorschreibt, dass der Verkehrsminister immer die größte Knalltüte im Kabinett sein muss?

Die aktuellen Politiker kommen nicht gut weg

Im Zuhörer reift eine andere Frage: Der Mann verspricht sich nicht – egal, wie schnell er spricht. Wie macht der das? Auch dafür hat Schmickler eine Weisheit parat. Schließlich schneiden die Deutschen in den PISA-Studien nur deshalb so schlecht ab, weil man ihnen die falschen Fragen stelle.

Gar nicht gut kommen die aktuellen Politiker weg – für Schmickler hat das Elend der Welt eben viele Gesichter. Friedrich Merz, „Merzias“ und eiserner Lulatsch, Lars Klingbeil mit der SPD, oh weh, die schlechteste aller Zeiten, die weniger Umdrehungen als Eierlikör habe, Jens Spahn, der nach einem Nickerchen in der Fraktion auf der Parkbank aufwacht, neben sich ein Schild: „Zu verschenken.“

„Das wird man doch wohl noch sagen dürfen“

Auch an der AfD arbeitete sich Schmickler ab, besingt den Nachbarn, den freundlichen Faschisten. „Da wird mein Schmähzentrum aktiviert“, stellte er fest. Dabei sei das total kontraproduktiv: Je heftiger man die AfD anfeinde, desto größer werde der Feindeskreis. Immer wieder sei „das wird man doch wohl noch sagen dürfen“ zu hören – dabei seien die Tore des Sagbaren so weit offen wie noch nie.

Immer wieder werde Panik, Zweifel, Angst und Unsicherheit gesät: „Je größer die Verunsicherung der Menschen, desto einfacher ist es, ihnen die dreistesten Lügen als Wahrheit zu verkaufen.“ Sprachgewaltig und wortgewitzt unterhielt Schmickler rund zwei Stunden lang mit Texten, Gedichten und Liedern. Mit begeistertem Beifall verabschiedeten die Zuhörer den erfahrenen Kabarettisten, der trotz Bronchitis eine fulminante Leistung abgeliefert hatte.