Vor einem halben Jahrhundert eröffnete Procter & Gamble das Werk am Silberberg. Nun war NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst zu Gast. Er besuchte außerdem das Zentrum für Cyber-Sicherheit der Bundeswehr.
Procter & GambleSeit 50 Jahren kommen die Pampers aus Euskirchen

Ministerpräsident Hendrik Wüst konnte sich bei seinem Besuch in Euskirchen ein Bild von der Pampers-Produktion verschaffen.
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Hendrik Wüst, das konnte man deutlich spüren, bewegte sich nicht auf unbekanntem Terrain: „Wir haben ja noch einmal Nachwuchs bekommen, und als Familienvater weiß ich, wie wichtig eine gute Windel ist.“ Als der NRW-Ministerpräsident am Mittwochnachmittag das Pampers-Werk von Procter & Gamble in Euskirchen besuchte, hatte er entsprechend viele Fachfragen; zum Unterschied einzelner Produkte beispielsweise. Er konnte einiges erfahren über das Granulat und das Vlies, das bei den Pampers-Windeln verwendet wird. Und er konnte vor Ort eine Windel einem Saugkraft-Test unterziehen.
„Wenn die Versuchsanordnung doch immer so einfach wäre“, scherzte der 50-Jährige, als er eine Flüssigkeit auf eine in einer Schale drapierte Windel kippte: „Die Realität sieht aber etwas anders aus.“
Der Besuch des Ministerpräsidenten im Euskirchener Werk hatte einen erfreulichen Grund: Procter & Gamble produziert nun schon seit 50 Jahren Windeln im Industriepark am Silberberg. 1976 wurde das Werk dort eröffnet.
Größte Produktionsstätte für Windeln weltweit befindet sich in Euskirchen
Bei einem Rundgang konnte sich Wüst ein Bild von der Dimension der Windel-Herstellung in Euskirchen machen. Das Werk in der Kreisstadt ist heute die größte Produktionsstätte für Pampers weltweit. Wie es hieß, werden am Silberberg in sieben Minuten so viele Windeln hergestellt, dass sie den Berliner Fernsehturm um das doppelte überragen würden, wenn man sie aufeinanderstapeln würde. Mehr als sechs Kilometer lang sind die Fließbänder in dem 24.000 Quadratmeter großen Werk; damit nichts schief läuft, wird in einem Kontrollraum alles überwacht.

Die Luftaufnahme zeigt das Werk von Procter & Gamble im Jahr 2024.
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Hendrik Wüst besuchte auch die Lehrwerkstatt der Procter-Fabrik und suchte das Gespräch mit den Auszubildenden, die dort gerade beschäftigt waren. „Wir haben hier schon 777 Azubis ausgebildet“, berichtete Timo Litzbarski, der Vorsitzende des Betriebsrats. Verzeichnet sind sie alle auf einem Azubi-Stammbaum in der Ausbildungswerkstatt, den Wüst genau in Augenschein nahm. „Manche Familien arbeiten schon in der vierten Generation hier“, so Litzbarski.
Mehr als 1000 Mitarbeitende sind heute in dem Euskirchener Werk tätig. Wie Vertreter des Unternehmens während des Rundgangs berichteten, wurden am Silberberg in den vergangenen Jahren 100 Millionen Euro in die Modernisierung und Erweiterung des Werks und in ein automatisiertes Hochregallager investiert. „Das ist ein starkes Signal für Wertschöpfung und technologischen Fortschritt in unserem Land“, betonte Wüst.
In Euskirchen werden neben Windeln auch Feuchttücher hergestellt
Neben den Pampers-Windeln werden in Euskirchen auch Feuchttücher hergestellt. Angegliedert ist zudem ein Logistik- und Distributionszentrum, von dem aus viele weitere Produkte von Procter & Gamble in ganz Europa vertrieben werden.

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst schaute auch den Auszubildenden über die Schulter.
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Beim Besuch des Ministerpräsidenten im Procter-&-Gamble-Werk ging der Blick auch in die Zukunft. Immerhin sei Euskirchen auch ein bedeutender Standort für die digitale Transformation in der industriellen Fertigung, so das Unternehmen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Einsatz KI-gestützter Systeme in Produktion und Qualitätskontrolle.
Auch diese innovativen Techniken konnte Wüst bei seinem Besuch am Silberberg kennenlernen. So erhielt er einen Einblick in die hochmoderne digitale Steuerungszentrale, von der aus Produktionsprozesse in Echtzeit überwacht und optimiert werden. „Der Standort in Euskirchen zeigt eindrucksvoll, wie moderne Produktion, Digitalisierung und Nachhaltigkeit erfolgreich zusammenwirken“, betonte Wüst.
„Der Besuch des Ministerpräsidenten ist für uns eine besondere Anerkennung des Engagements und der Innovationskraft unserer Teams in Euskirchen“, sagte Astrid Teckentrup, Vorsitzende der Geschäftsführung von P&G in Deutschland, Österreich und der Schweiz, einer Pressemitteilung zufolge. Das Werk in Euskirchen sei das „Herzstück der Marke Pampers in Europa“ .
Wüst informierte sich im Zentrum für Cyber-Sicherheit der Bundeswehr
Neben dem Werk von Procter&Gamble hat NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst am Mittwoch auch das Zentrum für Cyber-Sicherheit der Bundeswehr (ZCSBw) in Euskirchen besucht.Es gehört zum Kommando Cyber- und Informationsraum. Die Kernaufgabe liegt in der Sicherung der IT-Infrastruktur der Bundeswehr und des Bundesverteidigungsministeriums.
Dem Ministerpräsidenten wurde dabei unter anderem ein sogenannter „Penetrationstest“ gezeigt. „Wir simulieren Angriffe auf unser eigenes Netz, um Schwachstellen ausfindig zu machen, bevor jemand anderes sie entdeckt“, erläuterte einer der in dem Zentrum tätigen Soldaten. Die Perspektive des „Täters“ einzunehmen, sei sehr hilfreich, um die IT-Sicherheit zu verbessern.

Die Soldaten des Zentrums für Cyber-Sicherheit demonstrierten ihre Tätigkeiten.
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Erstaunte Blicke ernteten die Fachleute, als sie zeigten, wie schnell man sich Zugriff auf ein fremdes Handy verschaffen kann – der Zugriff auf Standortdaten und Textnachrichten inklusive.
Das Handy kann zum Abhör-Instrument werden
Noch bemerkenswerter: Die Soldaten zeigten, wie man das „gehackte“ Handy als Abhörinstrument nutzen kann, mit einer Live-Übertragung von Ton und Bild auf einen Laptop. Wie die Mitarbeiter des Cyber-Sicherheitszentrums erläuterten, sind Handys deswegen bei wichtigen Besprechungen der Bundeswehr tabu.
Hendrik Wüst nahm auch in Augenschein, wie das sogenannte Abstrahlprüfteam des Sicherheitszentrums arbeitet. „Wir untersuchen Rechner und Server, aber auch Waffensysteme wie Fregatten, auf elektronische Abstrahlungen, die noch sensible Restinformationen enthalten können“, erläuterte einer der Mitarbeiter.
Mehrere Kleinbusse, in denen die entsprechende Technik verbaut ist, stehen dem Team dafür zur Verfügung. Sie nehmen im regelmäßigen Turnus alle Dienststellen der Bundeswehr unter die Lupe
