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GastronomieDie Alte Schule in Frohngau ist wieder ein Anlaufpunkt für Wanderer und Radler

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Einige Frauen und Männer sitzen und stehen an der Theke im Dorftreff in der Alten Schule in Frohngau.

Sind froh, dass es mit dem Dorfcafé nun wieder ein gastronomisches Angebot in der Alten Schule gibt: Heinz Schooß (v.l.), Philipp Schwekendiek, Norbert Crump, Uschi Mießeler, Brigitte Crump-Schooß, Friedhelm Heß und Fatih Weinand.

Gastronom Fatih Weinand betreibt in der Alten Schule in Nettersheim-Frohngau ein Dorfcafé. Die Bäckerei haatte den Verkauf 2024 eingestellt.

Neues Leben in der Alten Schule: Mit dem „Dorfcafé Alte Schule“ verschafft Fatih Weinand dem Dorfprojekt in Frohngau neue Attraktivität. Denn seit die Eifelbäckerei Schmitz ihren Verkauf im Jahr 2024 eingestellt hat, war der Anlaufpunkt für Wanderer und Anwohner geschlossen. Doch nun startet Weinand in die Sommersaison mit Frühstücksbuffet, kleinen Gerichten und Thekenbetrieb in der ehemaligen Pausenhalle.

Hoffnungsvoll stimmt, dass Weinand das Handwerk des Gastronomen nicht erlernen muss. Er weiß genau, worauf er sich mit dem neuen Dorfcafé einlässt. Denn auf der anderen Seite der Landesgrenze betreibt er gemeinsam mit seiner Frau das Gasthaus Strohe in Dümpelfeld.

Nach 13 Monaten Umbau ist das Café in Frohngau nun eröffnet

Auf seinen Touren durch die Eifel, bei denen er Essen ausgeliefert habe, sei er durch Frohngau gefahren, berichtete er beim Vorstellungstermin des neuen Projekts. „Ich hatte Hunger und habe mir ein belegtes Brötchen gekauft“, sagte er. Als er sich lobend über die Möglichkeit geäußert habe, in dem kleinen Ort etwas zu essen zu bekommen, habe er erfahren, dass die Bäckerei wenige Tage später schließen würde.

Das Bild zeigt das historische Gebäude der alten Schule in Frohngau. Darin hat das Dorfcafé eröffnet.

Seit Jahren ist die Alte Schule in Frohngau ein Musterbeispiel für Dorfprojekte und ehrenamtliches Engagement.

Kurz danach hatte eine Kundin ihn im Gasthaus angesprochen und gesagt, dass dieses Café doch etwas für ihn sein könne. „Ich habe spontan gesagt: ‚Um Gottes Willen, keine weitere Baustelle mehr‘“, erzählte er. Doch dann habe es sich ergeben, dass er den Trägerverein des Dorftreffs kennengelernt habe. „Ich bin hier gut aufgehoben“, betonte er.

„Ich werde versuchen, die Schule zu beleben“, versprach er. Ihm mache es Freude, als Gastronom zu arbeiten. 13 Monate habe er die Alte Schule nach seinen Vorstellungen umgebaut und eine Theke und eine Frischeküche installiert, bevor er das Café am letzten Wochenende im April eröffnete. Doch wie will er ein Gasthaus in Dümpelfeld und ein Café in Frohngau parallel betreiben? „Ich hoffe, dass ich demnächst mal Urlaub machen kann, denn ich habe ein tolles Team in Dümpelfeld und eines in Frohngau. Und wenn das Team miteinander arbeitet und der Chef gut ist, denke ich, funktioniert das immer“, sagte Weinand mit einem Augenzwinkern.

Der Ort ist ein Hotspot für Wanderer und Biker

„Ich bin hier in den Kindergarten gegangen“, sagte der Nettersheimer Bürgermeister Norbert Crump. Die Dörfer in der Gemeinde lebten von Begegnung und Gemeinschaft, und da seien die alten Schulen und Dorfsäle als zentrale Treffpunkte im Fokus. „Gott sei Dank haben wir in fast jedem Dorf so eine Einrichtung, die vereinsgetragen ist“, freute er sich. Auch in Frohngau gebe es mit dem neuen Betreiber eine gute Entwicklung.

Allerdings bestehe im Obergeschoss, das früher als Lehrerwohnung genutzt worden sei, Sanierungsbedarf, vor allem im energetischen Bereich. Da hofft die Gemeinde auf Fördermittel des Rheinischen Reviers. Auch der Spielplatz und der Außenbereich des Cafés seien aufwendig erneuert worden.

Für Uschi Mießeler, bei der Gemeinde zuständig für Tourismus, ist die Alte Schule ein Hotspot für Wanderer und Fahrradfahrer. „Hierher kommen auch viele Motorradfahrer“, sagte sie. Auch über den Erftradweg und den Jakobsweg kämen viele Menschen nach Frohngau.


Geöffnet ist das „Dorfcafé Alte Schule“, Holzmülheimer Straße 4, an den Wochenenden: freitags von 17 bis 21 Uhr, samstags von 8 bis 21 Uhr sowie sonntags von 8 bis 21 Uhr. Neben Backwaren gibt es ein Frühstücksbuffet, für das aber eine Reservierung unter Tel. 0 24 40/ 9 59 47 93 notwendig ist. Auch können kleine Gerichte serviert werden.


Alte Schule wurde zum Frohngauer Dorftreff

Mit der Alten Schule übernimmt der Gastronom ein Objekt mit einer langen und meist erfolgreichen Vorgeschichte. Gebaut wurde das markante Steinhaus von 1906 bis 1908 als dritte Schule in Frohngau. Bis 1968 wurden in einem Raum die erste bis achte Klasse der Volksschule unterrichtet. Für vier Jahre diente die Schule als Lager der Schreinerei Helmut Kurth, bevor 1973 der Kindergarten eröffnet wurde, der bis 2011 betrieben wurde.

Noch im gleichen Jahr gründete sich der Verein „Frohngauer Dorftreff – Alte Schule“, um das Haus wiederzubeleben. Mit einem Dorfladen und einem kleinen Café wurde das Projekt 2012 gestartet. 2014 wurde es mit dem Umnutzungspreis des Landes NRW ausgezeichnet, 2018 folgte der Engagementpreis NRW und der Ehrenpreis „Unser Dorf hat Zukunft“ im Landeswettbewerb.

Es sei vor allem der Mindestlohn gewesen, durch den der Dorfladen nicht mehr rentabel fortgeführt werden konnte, so Brigitte Crump-Schooß vom Vorstand des Vereins. Auch habe sich kein neuer Vorstand gefunden, der die ehrenamtliche Arbeit fortgeführt hätte. Doch mit der Bäckerei Schmitz aus Marmagen konnte ein Nachfolger gefunden werden. Im Juni 2023 wurde hier eine Verkaufsstelle für Backwaren eröffnet. Ende 2024 wurde sie jedoch wieder geschlossen.