Damit seltene Arten gedeihen können, müssen Sträucher weichen: Freiwillige haben die Kalkmagerflächen bei Zingsheim gepflegt.
NaturschutzWarum bei Nettersheim-Zingsheim auch Feuer und Säge zum Naturschutz gehören

Ein Teil der gerodeten Sträucher wurde verbrannt, einige Haufen blieben als Rückzugsort für kleinere Tiere auf der Fläche zurück.
Copyright: Stephan Everling
Same procedure as last year? Same procedure as every year! Eine besondere Form der Silvestertradition hat sich seit vielen Jahrzehnten mit dem Arbeitseinsatz des Kreisverbands Natur- und Umweltschutz (KNU) etabliert. Denn wenn man auch jedes Jahr das Gleiche tut, ist es doch noch lange nicht dasselbe. Was sich bei den Aktionen der Naturschutzorganisation nämlich immer wieder ändert, ist der Ort des Geschehens, der von den Verantwortlichen ausgesucht wird, um einen Vormittag lang für den Naturschutz aktiv zu sein.
Jedes Jahr treffen sich die Freiwilligen, um mit Säge und Messer den Gewächsen auf den hölzernen Leib zu rücken, die dort wuchern, wo eigentlich besondere, geschützte Standorte für bedrohte Pflanzen- oder Tierarten sind. Davon gibt es in der Eifel mit ihrer erstaunlichen Vielfalt an Lebensräumen und -bedingungen jede Menge.
So ist der KNU-Arbeitseinsatz eine wundervolle Möglichkeit, um die Geheimnisse der Eifel-Natur kennenzulernen, einen Überblick über die abwechslungsreichen Standorte zu gewinnen und etwas gegen die Bedrohung zu tun. Wohin es geht, erfragen die Verantwortlichen des KNU in der Regel bei den Mitarbeitern der Biostation des Kreis Euskirchen, die immer eine gute Idee haben.
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Besondere Art der Bewirtschaftung hat Spuren hinterlassen
Diesmal waren es rund 20 Freiwillige, die den letzten Tag des Jahres im Einsatz für den Naturschutz beginnen wollten. Der Standort war an einem gleichermaßen besonders auffälligen wie auch unauffälligen Ort. Denn der Sandberg bei Zingsheim ist nur eine von vielen Kuppen der Kartsteinhöhe, die unweit der A1 liegen und von dort gut zu sehen sind. Hier gibt es in einem Naturschutzgebiet Flächen, die im Besitz der NRW-Stiftung sind, aber naturschutzfachlich von der Biologischen Station des Kreis Euskirchen betreut werden.
„Hier ist gerade noch Nettersheim“, sagte Michael Schulze von der Biostation. Die Wiesenflächen mit Kalkmagerrasen gehören zu seinem Arbeitsbereich, so dass er sie genau kennt. Auf diesen Flächen hat sich im Laufe der Jahrhunderte eine eigene Flora und Fauna entwickelt, da hier eine besondere Art der Bewirtschaftung stattfand.

Ganz schön mühsam ist es, das Gebüsch zu kappen. Vor allem, wenn es sich um die dornigen Schlehen handelt.
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Mit der Fauna und Flora des Kalkmagerrasens kennen sich Michael Schulze und Christine Fischer-Ovelhey gut aus.
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Noch immer gut erkennbar sind die Ackerterrassen, die von den Bauern in den Berg gearbeitet wurden. „Dass diese Flächen überhaupt bearbeitet wurden, hängt damit zusammen, dass es früher keinen Kunstdünger gab“, informierte Norbert Liebing. Denn um die Bevölkerung zu ernähren, sei es notwendig gewesen, auch noch den kleinsten Zipfel verfügbarer Fläche als Weideland oder Acker zu nutzen.
An den Hängen der Hügelkuppen sei seit den Zeiten der Römer in der Eifel so gepflügt worden, dass im Laufe der Zeit ebene Terrassen entstanden. Die Ränder zwischen den einzelnen Streifen seien mit den Steinen abgestützt worden, die von den Äckern gelesen worden seien, erläuterte er. Allerdings sei die Nutzung dieser Flächen allmählich eingestellt worden, als Anfang des 20. Jahrhunderts der Kunstdünger erfunden worden sei. Was Folgen hatte: Die empfindlichen Ökosysteme, die sich auf den mageren Böden entwickelt hatten, drohen zu verschwinden, Sträucher und Büsche überwuchern die Flächen.
Die Arbeit ist nötig, um die Artenvielfalt zu erhalten
„An manchen Standorten vertrocknen die Sträucher und Bäume, doch hier muss man entbuschen“, berichtete Schulze. Die Arbeitseinsätze seien nötig, um die Naturschutzgebiete zu pflegen und die Artenvielfalt zu bewahren, sagte Christine Fischer-Ovelhey, Vorsitzende des KNU. „Diese Standorte sind so selten geworden, dass die Arten, die hier leben, besonders geschützt werden müssen“, führte Schulze aus. Es gebe hier Küchenschellen und besondere Grassorten wie die Fiederzwenke oder den kleinen Wiesenknopf.
Wir wollen nicht Biotoppflege auf Kosten des Klimaschutzes betreiben.
„Diese Arten kommen auf den normalen Flächen, die intensiv bewirtschaftet werden, nicht mehr vor“, sagte er. Dort seien rund zehn Arten zu finden, auf den Kalkmagerflächen dagegen 40 bis 50. Die Magerwiesen seien zudem Rückzugsgebiet für viele Vogelarten, insbesondere Bodenbrüter. Das dornige Gehölz der Schlehen wurde nicht nur gerodet, sondern an Ort und Stelle auch verbrannt. Das sei vielleicht nicht optimal, aber immer noch besser als die mögliche Alternativen.
„Das Geäst muss entsorgt werden, ein Häcksler hätte wieder Abgase und Ölverschmutzung verursacht“, sagte Fischer-Ovelhey. Einige große Stapel blieben als Winterquartiere für allerlei Getier auf der Fläche, doch es sei einfach zu viel Holz angefallen. „Wir wollen nicht Biotoppflege auf Kosten des Klimaschutzes betreiben“, sagte Schulze, deshalb sei diese Frage sorgfältig abgewogen und der Anteil des verbrannten Holzes sei so klein wie möglich gehalten worden.
Nicht ganz zufällig hatten sich Mitarbeiter der Biologischen Station der Gruppe angeschlossen und zur Säge gegriffen. Denn Schulze, der diese Fläche bisher betreut hatte, wird im Laufe des Jahres in Pension gehen. „So können die, die das übernehmen, die Fläche richtig kennenlernen“, sagte er lächelnd. Praktische Erfahrung sammelte auch Olaf Arens, der als Biologielehrer an der Gesamtschule Eifel eher der Theorie verpflichtet ist. „Ich finde, das ist eine Super-Aktion“, schwärmte er. Am Ende des Jahres noch einmal etwas Sinnvolles zu tun, sei toll.
Andreas Engelke kann nur schätzen, wie lange er schon mitmacht: „Ich bin bestimmt seit 1990 bei den Einsätzen des KNU dabei.“ Es sei fast schon familiär, all die Menschen regelmäßig wiederzutreffen, die sich für die Natur einsetzten. „Das Tolle ist die Gemeinschaft mit den Menschen, die man das ganze Jahr nicht gesehen hat“, bestätigte Edgar Mertens. Engelke brachte es auf den Punkt: „Same procedure as every year, ich möchte es nicht missen.“

