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FinanzenIm Nettersheimer Haushalt klafft plötzlich ein Millionen-Loch

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Das Archivfoto zeigt das Naturzentrum Eifel in Nettersheim.

Für die Gemeinde Nettersheim wichtige Einrichtungen wie das Naturzentrum (Archivfoto) werden aus den freiwilligen Ausgaben der Kommune bezahlt.

Die Nettersheimer Etatlage hat sich dramatisch verschlechtert: Es fehlen 2,3 Millionen Euro. Das Haushaltssicherungskonzept ist nicht mehr fern.

Manchmal ist es schlimm – und dann kommt es noch dicker. So entwickelt sich aktuell die Haushaltslage in Nettersheim. Der einstige haushalterische Musterknabe im Kreis, der noch vor wenigen Jahren stets positive Ergebnisse vermelden konnte, gerät nun so heftig in Schieflage, dass ein Haushaltssicherungskonzept droht.

„Das spitzt sich noch weiter zu, als Ende letzten Jahres prognostiziert worden war“, so Bürgermeister Norbert Crump. Dabei sind die Gründe für das immer weiter wachsende Defizit nicht wirklich im Rathaus in Zingsheim zu suchen.

Nettersheims Bürgermeister: Das Defizit kam praktisch über Nacht

Noch im November hatte Crump von einer positiven Entwicklung der Ertragsseite gesprochen und gestiegene Einnahmen aus der Gewerbesteuer ins Feld geführt. Doch davon kann keine Rede mehr sein. Aktuell zeichnet sich vor allem allein bei der Gewerbesteuer ein Minderertrag von rund 600.000 Euro gegenüber der Planung vom Dezember ab, als der Haushalt beschlossen wurde.

Zudem fallen die Schlüsselzuweisungen um rund 1,25 Millionen Euro niedriger aus als im Vorjahr, die Forst- und Waldpauschale in Höhe von rund 100.000 Euro fällt weg, und die Kreisumlage steigt um rund 360.000 Euro.

„Allein diese Posten machen eine Verschlechterung gegenüber 2025 um rund 2,3 Millionen Euro aus, die sich praktisch über Nacht ergeben haben“, machte Crump deutlich. Dabei seien die geringeren Erträge aus der Gewerbesteuer auch durch gesunkene Messbeträge aus den Vorjahren verursacht worden – und damit ein Resultat der Steuererleichterungsgesetze. Bis auf 500.000 Euro seien die Einnahmen aus Nachveranlagungen aus den Vorjahren in 2025 gesunken. In diesem Jahr sei die Entwicklung noch übler – die Gemeinde geht nun von einem Minusbetrag von rund 300.000 Euro aus.

Viele Städte und Gemeinden haben die gleichen Probleme

Doch alleine steht Nettersheim mit dieser Misere wahrlich nicht. Die Kommunen seien am Limit, das wird auch immer wieder vom Städte- und Gemeindebund moniert. In dem Zusammenhang treibt Crump eine tiefgehende Sorge um: Wenn das so weitergehe, beschädige das die Demokratie nachhaltig.

Ob der Nettersheimer Etat für dieses Jahr so stehen bleiben kann, ist längst nicht ausgemacht. „Aktuell ist die Lage so schlecht, dass wir sogar über einen Nachtragshaushalt nachdenken müssen“, sagt Crump. Auch der Verlustvortrag, mit dem der Haushalt 2026 verabschiedet wurde, müsse noch einmal analysiert werden, ob er noch haltbar sei. Und dann? „Der Weg zu einem Haushaltssicherungskonzept ist nicht mehr weit“, verdeutlichte Crump die Situation. Das sei für eine Kommune wie Nettersheim, die in vielen Bereichen mit freiwilligen Ausgaben unterwegs sei, eine Katastrophe.

Kommen auf die Bürger nun höhere Steuern und Gebühren zu?

Bei den Politikern sorgten diese Neuigkeiten für Ernüchterung. „Die Lage ist wirklich dramatisch und verschlechtert sich täglich“, sagte Guido Kurth (CDU). Um das Haushaltsdefizit auszugleichen, müssten die Bürger nicht nur ein wenig, sondern eher etwas höher belastet werden. Auch müssten freiwillige Leistungen gestrichen werden – was wiederum die Bürger treffe. „Wir stecken in einem Dilemma“, so Kurth. Es sei nicht möglich, Aufgaben ohne entsprechende finanzielle Ausstattung zu übernehmen.

„Wer die Musik bestellt, der bezahlt“, zitierte André Knips (BVE) eine Äußerung des Städte- und Gemeindebundes. Es müsse klar gesagt werden, dass diese Thematik fremdverschuldet sei, etwa dadurch, dass den Kommunen von Bund und Land immer mehr Aufgaben aufs Auge gedrückt werden. Er wünscht, dass die Auswirkungen eines Haushaltssicherungskonzeptes für die Gemeinde dezidiert dargestellt werden. Ähnlich äußerte sich Sebastian Schubert (UNA): Es müsse alles auf den Tisch. Denn die Lage sei existenzbedrohend für eine kleine Gemeinde wie Nettersheim.

Etwas optimistischer äußerte sich Gerhard Meyer (SPD). Er glaube, dass das in der Haushaltskommission, die am 25. Juni tagt, hinzubekommen sei. Es gebe die Möglichkeit, Gebühren zu erhöhen oder zu sparen. Zur Wahrheit gehöre aber auch, dass die Nettersheimer in der Vergangenheit von niedrigen Gebühren profitiert haben – nun komme die Kehrtwende.