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Praxistag bei MarmagenWas kann man für den Wald tun?

4 min
Hinter einem Graststreifen wachsen Fichten.

Ein fast schon seltener Anblick in dieser Zeit ist ein gesunder Fichtenbestand geworden.

Das Regionalforstamt, die Gemeinde Nettersheim und das Holzkontor Nordeifel erklären, wie Forstwirtschaft funktioniert angesichts der aktuellen Herausforderungen.

Es sind schwere Zeiten für den Wald. Klimawandel, Dürreperioden, Schädlinge und immer öfter auch Waldbrände setzen ihm zu und gefährden seine Existenz. Was auch die betrifft, denen diese Flächen gehören und die Erträge aus dem Forst ziehen.

Rund 50.000 Hektar Wald umfasst das Gebiet des Regionalforstamts Hocheifel-Zülpicher Börde, davon gehören rund 55 Prozent, rund 27.500 Hektar, privaten Waldbesitzern. Sie werden im Regionalforstamt von Dominik Gertzen betreut. Dabei gehe das Thema Wald eigentlich alle an. „Die Frage ist, wie wir die Leute mit dem Thema Forstwirtschaft stärker verbinden können“, so Gertzen.

Was machen die Förster und Waldarbeiter?

Die Lösung: Einmal alle Waldbesitzer und -interessierten zu einem Praxistag einzuladen und in diesem Rahmen zu zeigen, wie Forstwirtschaft funktioniert, was die Förster und Waldarbeiter machen und was sie sich einfallen lassen, um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen. Für Samstag, 5. September, von 10 bis 17 Uhr laden das Regionalforstamt, die Gemeinde Nettersheim und das Holzkontor Nordeifel dazu in den Wald bei Marmagen ein.

„Das Holzkontor ist gerade im Thema Holzverkauf maßgeblich dabei, die Gemeinde Nettersheim über den zuständigen Revierförster Wolfgang Schmieder“, erläutert Gertzen die Wahl der Partner in der Organisation. So sei die Wahl auf eine Runde im Wald bei Marmagen gefallen, so dass neben gemeindeeigenen Flächen auch einige Privatwälder zu sehen sind.

Die drei Obengenannten stehen vor einem Wildschutzgatter, vor ihnen sind Konstruktionen aus Holz zu sehen, die ebenfalls junge Bäume vor Verbiss schützen sollen.

In den Praxistag Wald sind involviert: Ernst Hupp (v.l.), Dominik Gertzen und Norbert Crump.

Junge Bäume strecken in Hüllen mit Schlitzen.

Verschiedene Methoden, junge Bäume vor Wildfraß zu schützen, zeigen die Förster auf dem Praxistag.

Auf einer Fläche mit jungen Bäumen steht eine Infotafel.

Auf Infotafeln erklärt der Landesbetrieb Wald und Holz die Maßnahmen zum klimagerechten Waldumbau.

Zwölf verschiedene Stationen haben die Organisatoren ausgearbeitet, die den Weg von der jungen Pflanze bis zum verarbeiteten Baum zeigen und damit den kompletten Arbeitsbereich der Forstwirtschaft ins Visier nehmen.

Denn schon bevor ein Baum überhaupt in den Waldboden gesetzt wird, muss die Frage beantwortet werden, welche Sorte an welcher Stelle angepflanzt wird. Hierfür ist eine Baumschule mit von der Partie, die verschiedene Pflanzen anbietet und auch darüber informiert, wie die Pflanzen überhaupt in den Boden kommen.

Zwei Förster erproben hier Schutzhüllen aus nachwachsenden Rohstoffen, damit man das Plastik aus dem Wald bekommt.
Dominik Gertzen

Danach steht bereits die Frage der Bestandspflege an, da die jungen Pflänzchen als Nahrung bei Reh und Hirsch begehrt sind. So werden beim Praxistag Möglichkeiten aufgezeigt, wie die Bäumchen mit Weisergattern oder Ummantelungen verschiedenster Art geschützt werden können.

„Zwei Förster erproben hier Schutzhüllen aus nachwachsenden Rohstoffen, damit man das Plastik aus dem Wald bekommt“, sagt Gertzen. Auch wird vorgeführt, wie der Boden mit Unterstützung von Drohnen vorbereitet werden kann. Ein zentrales Thema im Waldbau ist die Durchforstung und Läuterung.

Vor Ort wird gezeigt, wie Holz verarbeitet wird

Denn die richtige Anlage des Geländes mit Durchforstungsgassen will gekonnt sein wie die Methoden, in einem Wald zu entscheiden, welche Bäume bei einer Durchforstung entfernt werden und welche stehenbleiben können. Dafür und bei der Ernte sind nicht nur Großmaschinen wie Harvester im Einsatz, sondern auch Motorsägen, deren sicherer Gebrauch ebenfalls vorgeführt wird.

„Um zu zeigen, wie aus dem Runden etwas Eckiges wird, haben wir ein mobiles Sägewerk dabei“, so Gertzen. So werde die Verarbeitung vor Ort gezeigt. „Ich freue mich riesig darüber, dass wir diese Veranstaltung hier in der Gemeinde abhalten“, sagt Nettersheims Bürgermeister Norbert Crump. Der Wald müsse sich entwickeln, auch vor dem Hintergrund der Speicherung von Kohlendioxid und der Biodiversität.

„Wir sind im Moment in einem Generationswechsel“, so Ernst Hupp vom Holzkontor Nordeifel. Es werde viel Besitz von Eltern und Großeltern an die Nachfolgegeneration übergeben, verkauft oder vererbt. Die sei aber zuweilen mit dem Thema überfordert. „Teilweise wissen die nicht einmal, wo ihr Wald ist“, so Hupp. Doch es sei nicht nur so, dass sie nicht wissen, was zu tun und wer ihr Ansprechpartner sei. Oft dauere es zwei bis drei Jahre, bis eine Nachfolgeregelung getroffen sei.

Der Eintritt zum Praxistag ist frei. Schwieriger wird es sein, zum Veranstaltungsort zu kommen. Denn der Standort ist fernab von Straßen oder Buslinien im Wald zwischen Marmagen und Nettersheim. Für Pkw-Besitzer gibt es für 150 Personen die Möglichkeit, einen Shuttleservice zu nutzen, der für Hin- und Rückfahrt fünf Euro kosten wird. Am Veranstaltungsort selbst sind Pkw nicht gestattet, so dass das Regionalforstamt die Anreise zu Fuß oder per Rad empfiehlt. Die GPS-Daten dazu können im Internet abgerufen werden. Dort wird auch ein QR-Code angeboten.