Abo

Großbrand im VennWasser aus der Oleftalsperre in Hellenthal hilft Einsatzkräften in Belgien

4 min
Ein gelb-blau lackiertes schwedisches Löschflugzeug wassert auf der Oleftalsperre in Hellenthal.

Im Viertelstundentakt kamen die beiden schwedischen Maschinen vom Typ Air Tractor nach Hellenthal, um ihre Wassertanks mit jeweils rund 3000 Litern Löschwasser aufzufüllen.

In Hellenthal verfolgten zahlreiche Schaulustige die Flugmanöver der schwedischen Löschflugzeuge, die am Mittwoch erstmals die Oleftalsperre anflogen.

Arne (5) und Jan (4) waren extra etwas früher als gewöhnlich aus dem Kindergarten abgeholt worden, um dieses Spektakel ja nicht zu verpassen: Am Mittwochmittag haben die beiden schwedischen Löschflugzeuge vom Typ Air Tractor AT-802F „Fire Boss“ damit begonnen, Wasser aus der Hellenthaler Oleftalsperre für die Brandbekämpfung im Hohen Venn aufzunehmen. Die beiden kleinen Flugzeug-Fans waren mit der Oma zur Staumauer gekommen, um die in den schwedischen Nationalfarben lackierten Flugzeuge live und aus nächster Nähe in Aktion zu erleben.

Mit ihren verfolgten viele andere Schaulustige, Touristen ebenso wie Einheimische, die Flugmanöver der beiden Maschinen, die seit Sonntag im belgischen Spa stationiert sind, um die Feuerwehren bei ihrem Kampf gegen die Flammen im Venn zu unterstützen. Im Viertelstunden-Takt zogen die beiden einmotorigen Flugzeuge am Mittwoch aus Richtung Westen in einer großen Schleife über der Talsperre ein, um ihre rund 3000 Liter Wasser fassenden Tanks im See aufzufüllen.

Als das Wetter aufklarte, wurden die Flugzeuge nach Hellenthal geschickt

Ursprünglich hatte es am Dienstag geheißen, dass die Flugzeuge aus Witterungsgründen am Mittwoch wohl gar nicht eingesetzt werden könnten. Doch als es um die Mittagszeit von Westen her aufklarte, wurden neben den insgesamt sieben Hubschraubern auch die beiden schwedischen Flugzeuge wieder in die Luft geschickt.

Zwei schwedische Löschflugzeuge wassern am Mittwoch, 19. August, auf der Oleftalsperre in Hellenthal, um Löschwasser für die Bekämpfung des Feuers im Hohen Venn aufzunehmen.

Im Abstand von weniger als 100 Metern flogen die beiden Maschinen die Oleftalsperre an.

Dabei kamen die Löschflugzeuge erstmals über die deutsch-belgische Grenze, um ihre Wassertanks zu füllen. Am Sonntag hatten die Piloten zunächst das Wassern an der Wesertalsperre nahe Eupen getestet; am Montag wurden die Flugzeuge   auf den Albertkanal bei Lüttich geschickt, um Wasser aufzunehmen. Dort gab es laut der belgischen Behörden aber Probleme wegen böiger Winde. Am Dienstag blieben die Flugzeuge wegen des Regens und schlechter Sichtverhältnisse durch die extreme Rauchentwicklung im Venn ganz auf dem Boden.

Statt Büro-Dienst zum Flugzeug-Spotting an die Talsperre

Am Mittwoch herrschte rund um die Oleftalsperre in Hellenthal bestes Flugwetter, was auch den Schaulustigen auf dem Damm beste Sicht auf die Flugzeuge ermöglichte. „Offiziell sitze ich gerade im Büro, aber für mich war klar, dass ich einen schnellen Blick auf die Maschinen riskieren muss, jetzt wo sie endlich da sind“, sagte einer der Zuschauer, der seinen Namen aus nachvollziehbaren Gründen nicht nennen wollte.

Zahlreiche Schaulustige, darunter auch viele Kinder, halten sich auf der Dammkrone der Oleftalsperre Hellenthal auf.

Von der Dammkrone der Oleftalsperre in Hellenthal verfolgte ab den Mittagsstunden eine zunehmende Zahl an Schaulustigen den Flug der Löschflugzeuge.

Von der Dammkrone aus beobachten zahlreiche Schaulustige den Anflug eines gelben Löschflugzeugs an der Oleftalsperre.

Aus Sicherheitsgründen wurde der Damm später gesperrt.

„Aus Sicherheitsgründen haben wir im Lauf des Nachmittags mit Unterstützung durch das Ordnungsamt der Gemeinde Hellenthal den Fußweg über die Dammkrone abgesperrt“, sagte Talsperrenwärter Sebastian Offermann vom Wasserverband Eifel-Rur.

Es besteht andererseits natürlich auch die Sorge, dass es bei einem Unfall zu einer Verunreinigung des Trinkwassers kommen könnte.
Martin Berners, Bürgermeister Hellenthal

„Wir sind froh, dass wir auf diese Weise die Löscharbeiten im Venn unterstützen können“, sagte Hellenthals Bürgermeister Martin Berners im Gespräch mit dieser Redaktion: „Es besteht andererseits natürlich auch die Sorge, dass es bei einem Unfall zu einer Verunreinigung des Trinkwassers kommen könnte. Davon wären in der Folge rund 70.000 Menschen in der Region betroffen, die mit dem Wasser aus der Oleftalsperre versorgt werden.“ Am Mittwoch aber überwog die Freude, einen Beitrag zur Brandbekämpfung leisten zu können.

Lage im Venn entspannt sich: Evakuierungen aufgehoben

Nach einer rund einstündigen Pause nahmen die Piloten den Flugbetrieb nach 16 Uhr wieder auf. Innerhalb weniger Minuten erreichen die beiden Flugzeuge nach dem „Tanken“ in Hellenthal ihren Einsatzort an der nordöstliche Flanke des Venn-Feuers. Dort, in Richtung Kalterherberg, konzentrieren sich aktuell auch die deutschen Einsatzkräfte. Am Mittwoch hat sich der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul rund um Monschau einen Überblick über die Lage verschafft. Er bedankte sich bei allen Kräften, die gegen das Feuer kämpfen.

Am Nachmittag teilte die Stadt Monschau schließlich mit, dass die vorsorglich evakuierten Einwohnerinnen und Einwohner der Bereiche Ruitzhof und Geisberg wieder in ihre Häuser zurückkehren können. Auf belgischer Seite wurde die Evakuierung der Ortschaften Küchelscheid und Leykaul aufgehoben.

Die Sprecherin des wallonischen Krisenzentrums Cortex, Stéphanie Ernoux, bestätigte in einem Interview mit dem deutschsprachigen Programm des belgischen Rundfunks BRF, dass die Unterstützung aus der Luft eingesetzt wird, um die Bereiche vor der Feuerfront nass zu machen. „So soll verhindert werden, dass der Brand sich ausbreitet“, so Ernoux.


Schweden hat zwei Flugzeuge nach Belgien entsandt

Schweden setzt als Löschflugzeuge das amerikanische Fabrikat Air Tractor AT-802F ein, beim Einsatz im Hohen Venn in der Version als „Fire Boss“.

Das Wasser wird durch Einlasssonden an den Schwimmern aufgenommen und in den Rumpftank gedrückt, während die Flugzeuge mit hoher Geschwindigkeit über die Wasseroberfläche des Sees gleiten. Pro Landung können die Maschinen in den Tanks rund 3000 Liter Wasser aufnehmen.