NRW-Kulturministerin Ina Brandes traf sich in der Eifelkommune mit ihrem ostbelgischen Amtskollegen. Sie wollen die Jugend in den Blick nehmen.
Ministerin zu GastVom Programm „Dritte Orte“ hat Nettersheim stark profitiert

Im Kino 42: Gregor Freches (v.r.), Ina Brandes, Klaus Voussem und Norbert Crump.
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Ein wenig mystisch hört sich der Begriff „Dritte Orte“ an. Tatsächlich handelt es sich um ein Förderprogramm des Landes NRW, mit dem kulturelle Angebote unterstützt und verbessert werden sollen. Und die Gemeinde Nettersheim ist bekannt dafür, dass sie Fördermöglichkeiten sehr geschickt einsetzt.
Rund 600.000 Euro habe Nettersheim in drei Förderphasen erhalten, teilte Bürgermeister Norbert Crump mit. Er nutzte die Gelegenheit, um bei einem Besuch der NRW-Kultur- und Wissenschaftsministerin Ina Brandes dafür zu danken. Im Mittelpunkt des Termins im Literaturhaus in Nettersheim stand das Treffen der CDU-Ministerin mit ihrem Amtskollegen der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, Gregor Freches, Minister für Kultur, Sport, Tourismus und Medien.
In Nettersheim wird heute mit Kultur über die Dörfer gefahren
Anfang dieses Jahres haben sie sich bereits im NRW-Ministerium in Düsseldorf zusammengesetzt, um über Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu beraten, berichtete Brandes. Dabei sei man im Gespräch von Künstlicher Intelligenz (KI) auch auf die Förderung der Kultur im ländlichen Raum gekommen. „Unweigerlich sprachen wir dann auch über das Programm ,Dritte Orte’, weil es mir am Herzen liegt und ich davon überzeugt bin, dass es ein wirksames Programm ist“, so Brandes.
Dabei sei die Idee entstanden, sich die Theorie des Förderprogramms einmal in der Praxis anzusehen – nämlich in Nettersheim. Die Eifelgemeinde hatte sich für das Programm „Dritte Orte“ etwas Spezielles einfallen lassen. Das Projekt sei für alle elf Orte der Gemeinde als Gesamtkulturraum geplant worden, so Bürgermeister Crump. „So konnten wir auch Dorfgemeinschaften fördern. Und auch Dorfgemeinschaftshäuser“, erklärte er. Die seien die zentralen Orte in den Dörfern, in denen Kultur gelebt werde. Auch seien spezielle Fahrzeuge angeschafft worden, etwa ein Spülmobil, aber auch ein Kulturmobil. „Heute fahren wir mit Kultur über die Dörfer“, sagte Crump.
Austausch mit den Kollegen aus Ostbelgien
Freches betonte: „Kultur ist absolut wichtig.“ Schließlich gehe die Geschichte der Deutschsprachigen Gemeinschaft auf das Jahr 1973 zurück, als die Kulturvereinigung der deutschsprachigen Belgier gegründet worden sei: der Kulturrat. „Das ist der Ursprung unserer Deutschsprachigen Gemeinschaft heute.“
Abgesehen von den zwei Hauptzentren St. Vith und Eupen, sei Ostbelgien vor allem ländlich geprägt. „Wir müssen den ländlichen Raum mitnehmen, und wir müssen vor allem generationsübergreifend arbeiten. Da gehört die Kultur dazu“, betonte er. Das Projekt „Kultur macht Schule“, bei dem junge Künstler und Schüler zusammenkämen, sei oft der erste Moment, in dem die Jugend Kontakt zur Kultur bekomme. Es sei auch wichtig, an der Beziehung zu dem wirtschaftlich starken NRW mit seinen 18 Millionen Einwohnern zu arbeiten, denn die DG wolle gerne die Brückenfunktion zur Wallonie übernehmen.
Das Nettersheimer Kino ist dank der Förderung entstanden
„Die Kreativwirtschaft sollte man auf keinen Fall hinten anstellen“, betonte Freches. In Berlin werde eine Milliarde Euro pro Jahr in Kultur investiert, aber 16 Milliarden Euro damit verdient, führte er aus. In Ostbelgien sei das Verhältnis eins zu vier: „Am Ende des Tages ist die Wirtschaftlichkeit gegeben.“
Das Literaturhaus, das Kuba als Ausstellungsort der Bildenden Kunst, das Kino 42, das mit Förderung aus dem Dritte-Orte-Programm realisiert worden ist, die Theaterschule und nicht zuletzt die Tanzoffensive von Doris Neff präsentierte Jochen Starke von der Gemeinde Nettersheim als Beispiele für die intensive Beschäftigung mit Kultur in der Gemeinde.
80 Kinder werden derzeit in der Tanzoffensive unterrichtet, berichtete Neff. „Die Kinder hier haben so viel Potenzial“, lobte sie. Viele würden in den Leistungsklassen täglich zum Unterricht kommen. Auch hatte sie eine Anregung, um das kulturelle Ensemble in Nettersheim perfekt zu machen. „Es wäre schön, wenn wir in Nettersheim ein bespielbares Theater hätten, das wäre ja nicht nur für uns“, sagte sie. Seitdem in diesem Sommer der „Sommernachtstraum“ in der Aula der Gesamtschule Nettersheim aufgeführt worden sei, habe die Tanzoffensive auch jede Menge Equipment zur Verfügung. „Das würden wir auch hängen lassen“, bot sie an.
Sie selbst habe auch noch zwei Schulen in Berlin und pendle jede Woche. „Es ist schwierig, gute Lehrer hierher zu bekommen“, sagte sie. Deshalb arbeite sie daran, einen hybriden Unterricht zu realisieren, bei dem hochqualifizierte Lehrer aus Berlin mit Kindern in der Eifel arbeiten könnten. „Glasfaser liegt schon in der Gemeinde“, wies sie auf die Grundvoraussetzung hin.
Der Dritte-Orte-Tag
Mit einem bunten Nachmittag im Literaturhaus in Nettersheim, Steinfelder Straße 12, feiert die Gemeinde am Samstag, 12. September, ab 13 Uhr den landesweiten „Dritte-Orte-Tag“. Die Veranstaltung ist kostenfrei und startet mit einem Überblick über das Förderprogramm und die Projekte in der Gemeinde sowie einem Aktionsangebot des Naturzentrums für Kinder.
Musikalisch präsentieren sich ab 14.30 Uhr Jessica Setzer und Nadja Bulatovic, die gemeinsam den Kinderchor Nettersheim leiten. Um 15 Uhr präsentieren Schülerinnen der 12. Klasse der Clara-Fey-Schule Schleiden einen Poetry Slam unter dem Motto „Heute. Wir. Morgen. #wasunsbewegt.“ Nach der Vorstellung der im Rahmen des Förderprogramms realisierten Projekte und des „Kino 42“ durch Alexander Mauel hält Heiner Gerken, Bibliothekar des Eifelmuseums Blankenheim, einen Vortrag zu den vorchristlichen Göttinnen der Eifel.
Begleitet wird das Programm von einer Ausstellung aus dem Kuba. Unter „Natur erleben“ zeigen Klaus Tenner und Bernhard Kucken Aquarelle und Zeichnungen, die in der Nettersheimer Umgebung entstanden sind. Komplettiert wird die Ausstellung durch Skulpturen des Bildhauers Wolfgang Binding.
