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Nach KohlenmonoxidvergiftungenMutter mit fünf Söhnen sucht neue Bleibe im Raum Schleiden

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Die fünf Söhne und ihre Mutter sitzen auf einer Bank.

Ein Bild aus Bad Münstereifel, wo die Familie zwei Jahre lang gelebt hat, bevor sie nach Broich gezogen ist.

Nach erlittenen Kohlenmonoxidvergiftungen musste eine sechsköpfige ukrainische Familie ihre Wohnung verlassen und sucht nun eine neue Wohnung. 

Olga Yankovska vermisst ihre beiden ältesten Söhne. Seitdem sie mit ihren fünf Kindern ihre Wohnung in Broich wegen erlittener Kohlenmonoxidvergiftungen verlassen musste, ist die Familie auseinandergerissen. Sie lebt mit Mikolai (11 Jahre), Yaroslav (9) und Sviatoslav (6) bei einer Freundin in Oberhausen, Andrii (17) und Vitalii (15) sind bei einer Tante in Bedburg untergebracht. „Wir brauchen schnellstmöglich eine neue Wohnung“, sagt die Ukrainerin.

Yankovska war 2022 wegen des Krieges mit ihren Kindern nach Deutschland gekommen. Sie ist geschieden, und der Vater der Kinder lebt mittlerweile in Russland. Die Ukrainerin lebte mit ihren fünf Söhnen zunächst zwei Jahre in Bad Münstereifel, bevor die Familie nach Broich zog.

Die beiden Frauen stehen vor einer Wand, an der zwei Tierbilder hängen.

Unterstützt wird Olga Yankovska (l.) bei ihrer Eingliederung in Deutschland von Olena Fast von der Caritas in Euskirchen.

In Kiew hatte sie als Kunstlehrerin an einer Akademie gearbeitet. In Bad Münstereifel lernte sie dann bei einer offenen Sprechstunde Olena Fast von der Caritas Euskirchen kennen. Die Caritas bietet als Kooperationspartner des Kommunalen Bildungs- und Integrationszentrums des Kreises Euskirchen Einzelfallhilfe für Personen oder Familien mit Flucht- und Migrationshintergrund und multiplen Problemlagen an. Fast unterstützt und berät Yankovska, die ehrenamtlich verschiedene Kunstprojekte mit Kindern und Jugendlichen in Euskirchen, Kall und Bad Münstereifel betreute. Das nächste Projekt steht Ende Mai mit der Caritas in Schleiden an.

Malkurs in der offenen Ganztagsschule

„Frau Yankovska hat jetzt auch einen Minijob in der offenen Ganztagsschule in der Grundschule in Schleiden“, erklärt Fast. Sie betreue dort zwei Stunden pro Woche einen Malkurs. Yankovska malt Menschen, Landschaften und Tiere sowie Fantasiemotive. Als Untergrund nimmt sie Leinwand oder Papier, aber auch Textilien wie beispielsweise Jacken. Sie will mit ihren Söhnen in Deutschland bleiben.

Die Ereignisse am 15. April wird Yankovska wohl nie vergessen. Am Abend habe ihr Sohn Vitalii über starke Kopfschmerzen geklagt. „Gegen 22.30 Uhr kam der Rettungsdienst und brachte ihn mit erhöhtem Puls und Blutdruck ins Krankenhaus Mechernich“, erinnert sich die Mutter.

Das Foto zeigt eine Jacke, auf der eine Frau in Tracht abgebildet ist.

Auch auf Jacken malt die ukrainische Künstlerin schöne Motive nach den Wünschen ihrer Auftraggeber.

Kurz vor Mitternacht habe dann Andrii angerufen und über Ohrgeräusche, Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel geklagt. Die jüngeren Kinder hätten sich erbrochen und teilweise das Bewusstsein verloren. „Andrii rief erneut den Rettungsdienst, und alle vier Kinder wurden ebenfalls ins Krankenhaus gebracht.“

Dreimal wurde der Rettungsdienst zu dem Haus gerufen

Dort sei zunächst eine Magen-Darm-Erkrankung vermutet und die Kinder wieder nach Hause entlassen worden. Sie selbst habe zu diesem Zeitpunkt noch keine Symptome gehabt. „Am frühen Morgen kehrte ich mit den Kindern in die Wohnung zurück und hielt mich dort mehrere Stunden auf. Gegen Morgen verschlechterte sich mein Zustand plötzlich: starke Schmerzen im Hinterkopf, hoher Blutdruck, Ohrgeräusche und Schwindel“, berichtet die Mutter.

Daraufhin hätten Nachbarn ein drittes Mal den Rettungsdienst gerufen: „Dieses Mal bestand der Verdacht auf eine Kohlenmonoxidvergiftung. Messungen bestätigten dies – ein Gerät schlug Alarm. Wir wurden sofort evakuiert.“

Sie erinnere sich noch daran, wie sie bereits im Rettungswagen gelegen und Sauerstoff erhalten habe. Danach könne sie sich noch an das Geräusch eines Hubschraubers erinnern: „Ich wurde in die Uniklinik Düsseldorf geflogen. Dort wurde ich in einer Druckkammer behandelt, und mein Zustand verbesserte sich mit jeder Stunde.“ Auch die Kinder seien notfallmäßig nach Düsseldorf gebracht worden.

Dank an die Rettungskräfte und die Ärzte

„Von Herzen danke ich allen Rettungskräften und Ärzten, die unser Leben gerettet haben. Besonders möchte ich dem Arzt danken, der die Gefahr erkannt und unsere Evakuierung veranlasst hat.“ Sie kenne zwar nicht seinen Namen, wolle sich aber gerne bei ihm persönlich bedanken.

„Nach diesem Ereignis ist es für uns nicht mehr möglich, in die Wohnung zurückzukehren. Es bestehen erhebliche Bedenken hinsichtlich der Sicherheit.“ Außerdem habe das Erlebte bei ihr und den Kindern großen Stress und Angst ausgelöst: „Wir fühlen uns dort nicht mehr sicher und können unser Leben an diesem Ort nicht fortsetzen.“ Andrii habe seit dem Vorfall eine Herzschädigung von 30 Prozent, Vitalii von 27 Prozent. Das habe ihr die Uniklinik Düsseldorf schriftlich mitgeteilt.

Nach dem Vorfall war Yankovska mit den drei jüngsten Kindern bei einer Freundin in Schleiden-Oberhausen untergekommen. „Aber dort haben wir nur wenig Platz. Deshalb habe ich die beiden ältesten Söhne bei einer Tante meines Ex-Mannes in Bedburg untergebracht.“ Beide würden zurzeit medizinisch untersucht und könnten deshalb nicht in die Schule gehen. Andrii besucht normalerweise das Berufskolleg Eifel in Kall, Vitalii die Hauptschule in Hellenthal. Mikolai und Yaroslav gehen in die Grundschule in Schleiden, Sviatoslav ist noch im Kindergarten untergebracht.

„Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als wieder zur Ruhe zu kommen, weiter zu malen, mich ehrenamtlich zu engagieren und zu arbeiten – und meinen Kindern ein sicheres Zuhause zu geben“, sagt Yankovska. Voraussetzung dafür ist, dass sie ein neues Heim für die Familie findet. Bevorzugt sucht sie eine Wohnung im Raum Schleiden. Dann könnten die Kinder weiter ihre Schulen besuchen und in ihrem Umfeld bleiben. „Für jede Unterstützung oder jeden Hinweis bin ich sehr dankbar“, sagt die Mutter.


Wer eine Wohnung zu vermieten hat, kann mit Olena Fast unter (0176) 1456578 oder per E-Mail Kontakt aufnehmen.