Das Deutsche Rote Kreuz hat das Humanitarium in Vogelsang für seine historische Arbeit ausgezeichnet. Der Initiator fehlte krankheitsbedingt.
PreisverleihungDRK-Museum Vogelsang für Forschungsarbeit ausgezeichnet

Die Preisträger der Castiglione-Ehrung des Deutschen Roten Kreuz: Yvonne Aregger und Simon Jägersküpper.
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Kaum ein passenderer Ort hätte für die Verleihung des Castiglione-Preises des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) gewählt werden können als das Rudolf-Seiters-Haus in Vogelsang – besser bekannt als das Humanitarium, das Rotkreuz-Museum des Landesverbandes Nordrhein. Genau diese Einrichtung, das größte Rotkreuz-Museum in Deutschland, wurde nun mit dem Preis ausgezeichnet, den das DRK für die Aufarbeitung seiner eigenen Geschichte ausgelobt hat.
Im Mittelpunkt standen dabei vor allem der Initiator der Rotkreuz-Aktivitäten in Vogelsang, der ehemalige Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Euskirchen, Rolf Zimmermann, sowie der Leiter von Akademie und Museum, Simon Jägersküpper. Zimmermann, der krankheitsbedingt fehlte, hatte maßgeblich den Grundstein für das heutige DRK-Zentrum gelegt.
Jedes Mal, wenn ich das Museum betrete, entdecke ich etwas Neues.
Zweite Preisträgerin des seit 2023 vergebenen Castiglione-Preises ist die Schweizer Historikerin Yvonne Aregger, die in ihrer Masterarbeit die Erfahrungen von Rotkreuzschwestern im Zweiten Weltkrieg an der russischen Ostfront erforschte.
Museum in Vogelsang diente als Vorbild für andere DRK-Einrichtungen
„Jedes Mal, wenn ich das Museum betrete, entdecke ich etwas Neues“, sagte Dr. Volkmar Schön, Vorsitzender der Jury und ehemaliger DRK-Vizepräsident, in seiner Laudatio. Zimmermann, Jägersküpper und das gesamte Team hätten es verstanden, die geschichtliche Vergangenheit mit der Gegenwart zu verbinden. „Eure Aktivität wurde zwar von einer Person initiiert, aber sie hängt nicht nur an einer Person“, betonte Schön. Das Museum sei ein Vorbild für viele andere Rotkreuz-Museen in Deutschland. „Einzelkämpfer sind tolle Leute, aber leider geht das Tolle mit ihnen oft unter“, sagte er.

Freuten sich über die Vergabe des Castiliogne-Preises 2025: Ingo Pfennings (v.l.), Dr. Alexander Schröder-Frerkes, Markus Ramers, und Dr. Volkmar Schön.
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Viele kleine und große Ausstellungsstücke zum Roten Kreuz sind im größten Rotkreuzmuseum in Deutschland, dem Humanitarium, zu sehen.
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Jägersküpper erinnerte in seiner Dankesrede an die Anfänge des Museums: „2010 bin ich mit Rolf Zimmermann zum ersten Mal in das damalige, leerstehende Kameradschaftshaus gegangen. Rolf hat auf dieser grünen, abblätternden Betonwand, kalt und überhaupt nicht einladend, ein Bild von einem Museum gemalt – an einem Ort, an dem man eigentlich zurückblickt. Doch er hatte die Vision eines Museums, das nach vorne schaut.“
Aus dieser Idee entstanden im Laufe der Jahre zahlreiche Einrichtungen des DRK in Vogelsang: der Transit, das Fluchthaus, die Akademie und das Schwestermuseum Haus Nordrhein. Hinzu kamen regelmäßige Veranstaltungen wie das internationale Peace Camp.
Rotkreuzschwestern schickten Briefe von der Ostfront
Aregger hatte in Archiven Tagebücher und Briefe von sieben Rotkreuzschwestern ausgewertet, die zwischen 1941 und 1945 unter härtesten Bedingungen deutsche Soldaten an der Ostfront pflegten und den Rückzug miterlebten. „Viel Arbeit – mir geht es gut“ lautet der Titel ihrer Masterarbeit aus dem Jahr 2023. „Angesichts der Erfahrungen in einer so brutalen und prekären Umwelt verlor der Krieg in vielerlei Hinsicht für diese Schwestern an Sinnhaftigkeit“, fasste sie ihre Forschung zusammen. Dennoch hätten die Frauen ihr starkes Berufsethos auch unter extremen Umständen bewahrt.
Musikalisch begleitet wurde die Preisverleihung vom Kölner Jazzduo „Jazzalive“ mit Jonas Windscheid (Gitarre) und Caspar van Meel (Kontrabass). Zum Abschluss übernahm Ingo Pfennings, Bürgermeister von Schleiden und Vorsitzender des Ortsvereins, in Vertretung von Zimmermann die traditionelle Schlussformel – das Markenzeichen des Spiritus Rector der DRK-Initiativen: „Das Leben ist schön!“
Preis ist mit 1500 Euro dotiert und wird jährlich verliehen
Landrat Markus Ramers war, wie das zustimmende Kichern aus dem Zuhörerraum verriet, nicht der einzige, der mit dem Namen des Castiglione-Preises nichts anzufangen wusste. „Ich musste es erst einmal googeln“, gestand er ein. Was allerdings verzeihlich ist, denn zum einen wird der Preis erst seit 2023 verliehen, zum anderen ist der Name des kleinen Ortes in Italien nur wenigen außerhalb des Roten Kreuzes geläufig – sehr zur Verbitterung der Einwohner von Castiglione. Denn die Geschichte der Gründung des Roten Kreuzes durch Henri Dunant wird vor allem mit dem Nachbarort Solferino verbunden, wo 1859 die Schlacht stattfand, die den Ursprung der humanitären Vision von Dunant bildete.
Doch eigentlich, darauf legen die Einwohner von Castiglione Wert, seien es die Frauen ihres Dorfes gewesen, die damals die Verwundeten der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen dem Kaisertum Österreich und dem Königreich Sardinien versorgten, ungeachtet ihrer Herkunft. „Dort war die Schlacht, hier war die Hilfe“, so Volkmar Schön in seiner Laudatio. So bemängelten die Castiglioner stets, dass der Solferino-Lauf, mit dem alljährlich bei einem Fackelzug von Solferino nach Castiglione der Gründung des Roten Kreuzes gedacht wird, nicht nach ihrem Dorf benannt ist.
Mit dem Preis werden Arbeiten gewürdigt, die die Geschichte des DRK beleuchten – beispielsweise die Verstrickung des Roten Kreuzes mit den Machthabern während des Dritten Reiches, wie Volkmar Schön ausführte. Nun wurde der Preis zum dritten Mal vergeben. Die Auszeichnung wird jährlich an zwei Preisträger verliehen. Neu war, dass die Auszeichnung diesmal nicht bei zwei Veranstaltungen, sondern im Rahmen einer gemeinsamen Preisverleihung übergeben worden ist.
Dotiert ist der Preis mit 1500 Euro und einer Skulptur des Künstlers Bruno Raetsch, die von einer Statue aus Castiglione über die Frauen des Dorfes inspiriert ist.

