Abo

Trotz spätem BeginnPoetry-Slam auf Vogelsang kam beim Publikum gut an

3 min
Julius Esser, Aylin Celik, Hannah Braucks und René Greschert stehen draußen an der Burg Vogelsang und lachen in die Kamera.

Viel Spaß bei der Veranstaltung hatten Julius Esser (v.l.), Aylin Celik, Hannah Braucks und René Greschert.

Der diesjährige Vogelslam stand unter dem Thema „Haltung zeigen“. Die Kandidaten hatten sechs Minuten, um zu punkten.

Wer eine Reise tut, der hat etwas zu erzählen. So erging es Aylin Celik, Hannah Braucks und René Greschert bei ihrer Fahrt nach Vogelsang, wo sie beim Vogelslam auftreten wollten. Bereits auf dem Weg nach Aachen hatten Celik mit den üblichen Unzuverlässigkeiten der Deutschen Bahn und Zugausfällen zu kämpfen. Doch noch schwieriger wurde es, als sie mit Braucks und Greschert im Auto unterwegs war. Denn kurz hinter Einruhr wurde ihre Fahrt unterbrochen, da ein Radfahrer einen Unfall erlitten hatte, so dass die drei Slammer mit einem Teil des Publikums im Stau standen. Einzig Julius Esser aus Euskirchen stand deshalb bereit, als die Veranstaltung offiziell beginnen sollte. Rund 90 Zuhörer hatten sich dafür im Panoramasaal von Vogelsang eingefunden.

Das Moderatorenduo aus Aachen, Oskar Malinowski und Lukas Knoben, machte aus der Not eine Tugend, heizte erst einmal dem Publikum ein und stimmte sie auf die kommenden zwei Stunden ein. Mit einem älteren Text über ein spektakuläres Lagerfeuer überbrückte Malinowski die fehlende Zeit.

„Haltung zeigen“  lautete Motto des Poetry-Slams in Vogelsang

„Haltung zeigen“ war das Motto, dass den vier Akteuren mitgegeben worden war. Sonst, wie beim Poetry-Slam üblich, gab es nur drei Regeln, wie Malinowski und Knoben bei der Vorstellung erläuterten: Die Texte müssen von dem Vortragenden selbst verfasst und dürfen nicht länger als sechs Minuten sein. Auf Requisiten muss verzichtet werden. Was schließlich den Reiz der Veranstaltung ausmacht, denn neben der Qualität und dem möglichst spannenden Inhalt des Textes steht vor allem der Vortrag im Mittelpunkt. Was unter anderem bei Esser gut zu beobachten war, der mit Rhythmik, Gestik und Mimik arbeitete, als er sein Gedicht frei vortrug, in dem er seinem kleinen Sohn einen Blick auf die Welt verschaffte.

Lukas Flimm, Jennifer Wenck (rechts) und Anna-Lena Stockem stehen vor einem Saal, in dem viele Leute sitzen.

Organisiert wurde der Vogelslam von Lukas Flimm, der von Jennifer Wenck (r.) und Anna-Lena Stockem unterstützt wurde.

Hanna Braucks steht in rot-kariertem Kleid an einem Mikrofon.

Den Wettbewerb konnte Hanna Braucks für sich entscheiden.

Ihm sei es angenehm, wenn es bei dem jeweiligen Format nicht so sehr um Wettbewerb und Konkurrenz gehe, sagte er. Zwar gebe es auch beim Vogelslam am Ende einen Gewinner, doch das stehe bei dieser Veranstaltung nicht im Vordergrund, hier sei vor allem der Inhalt im Fokus. „Man kommt irgendwann an den Punkt, da soll die Qualität im Vordergrund stehen“, sagte er. Er wolle eine bessere Show machen, das Publikum besser unterhalten, und da sei es von Vorteil, wenn es möglich sei, mit den Kollegen auch Absprachen zu treffen. „Da nimmt dann der eine einen politischeren Text, und dafür der andere einen lustigen“, erläuterte er das Prinzip.

Poetry-Slam in Vogelsang wird von Auszubildenden organisiert

„Auch die Wettbewerbe haben ihre Berechtigung, denn es gibt viele junge Leute in der Szene, die sich ausprobieren wollen“, sagte Oskar Malinowski, ein Veteran des Vogelslams. 2010 wurde die Veranstaltung zum ersten Mal organisiert, damals noch von Bundesfreiwilligendienstlern. Mit Lukas Knoben ist er in dem Verein „Satznachvorn“ engagiert, der nicht nur Poetry-Slams veranstaltet, sondern sich auch um die Jugendförderung bemüht und dabei einen Schreibwettbewerb ins Leben gerufen hat. Rund 50 Veranstaltungen pro Jahr organisierten sie im Kollektiv, sagte Knoben . Doch bald wurde das Projekt zu einem Ausbildungsbestandteil der Azubis, die bei Vogelsang IP zu Kaufleuten in Touristik und Freizeit ausgebildet werden.

Das Motto „Haltung zeigen“ zog sich durch die Texte, die die vier Autoren vorlasen. So sprach Celik über ihre deutsch-türkische Identität, während Brauksch topaktuell den AfD-Parteitag in Erfurt zum Anlass nahm, die Partei und ihr Programm unter die Lupe zu nehmen.

Alle Texte, auch die Erlebnisse im Baumarkt beim Kauf einer Schraube von René Greschert, wurden von den sieben Juroren im Publikum hoch bewertet. In der zweiten Leserunde erreichte Esser sogar mit einem Text über das Aufwachsen in der Eifel die volle Punktzahl. So kam er auch mit Braucks in das Finale, wo allerdings schließlich die Aachenerin die Nase in der Publikumsgunst vorne hatte.