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SonnenfinsternisDen freien Sofi-Blick gab es von der Bastion in Vogelsang

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Mit ihren Sofi-Brillen verfolgten Jens und Judith mit ihrer Tochter Charlotte das Verschwinden der Sonne hinter dem Mond.

Rund 100 Neugierige verfolgten an der Bastion in Vogelsang den Verlauf der Sonnenfinsternis. Mit Sofi-Brillen waren Jens und Judith mit ihrer Tochter Charlotte ausgestattet.

In Vogelsang ließ sich die Sonnenfinsternis gut beobachten. Ärger gab es über fehlende Absperrungen.

Gespannte Aufmerksamkeit herrschte auf dem Hang unterhalb der Burgschenke in Vogelsang. Wie gebannt schauten die Menschen in Richtung Westen. Denn dort konnte die partielle Sonnenfinsternis beobachtet werden, die seit Tagen die Menschen in Atem hielt – sofern es für die Betrachter überhaupt gut zu sehen war. Schließlich war die Sofi-Brille, jene Spezialkonstruktion aus Pappe und Lichtschutzfolie, zu einem begehrten Gut geworden, dass vielerorts komplett ausverkauft war.

Wohl dem also, der einen der 60 Plätze bei der Veranstaltung ergattert hatte, die die im Frühjahr zertifizierten Sterneguides ausgearbeitet hatten. Mit Teleskopen, Spezialgerät, viel Fachwissen und natürlich auch Sofi-Brillen ausgestattet, hatten sich die Hobbyastronomen an der sogenannten Bastion platziert, dem markanten Steinvorbau unterhalb der Panoramaterrasse.

Vogelsang ist ein perfekter Platz für Himmelsbeobachtungen

„Das ist der perfekte Platz für die Beobachtung“, sagte Marco Brunnenkref. Mit einer App hatte er die verschiedenen Stellen in Vogelsang gecheckt und schließlich die Wahl getroffen. Denn viele der Orte in Vogelsang, die zwar ideal für die Beobachtung des Nachthimmels sind, bieten keinen freien Blick auf den Horizont. Mit der Entscheidung für diesen Ort war er nicht der Einzige, denn knapp 100 Neugierige saßen verstreut auf dem Hang und den Terrassen rundherum, um das besondere Ereignis zu verfolgen.

Denn außergewöhnlich sollte es werden. Schließlich war vorhergesagt, dass knapp 90 Prozent des Zentralgestirns hinter dem Mond verschwinden sollten. Die nächste totale Sonnenfinsternis ist in Deutschland erst wieder im Jahr 2081 zu erwarten. „Das werde ich nicht mehr erleben“, sagte Brunnenkref lächelnd.

Im Vergleich zu 1999 war die Sonnenfinsternis gut zu sehen

Wer sich die bislang letzte totale Sonnenfinsternis ins Gedächtnis ruft, die 1999 in Deutschland zu sehen war, wird die Wolkendecke in Erinnerung haben, die damals die entscheidenden Momente in malerisches Grau hüllte. Vor einer solchen Enttäuschung waren die Beobachter an diesem Abend sicher, denn weit und breit ließ sich nicht einmal das kleinste Wölkchen am blauen Himmel blicken. Bis die Sonne über den Hügeln bei Steckenborn verschwunden war, saßen viele Besucher und verfolgten das Geschehen.

„Wir wollten unbedingt etwas machen“, sagte Brunnenkref. Er ist einer der 23 Sternenguides, die Anfang des Jahres ihre Ausbildung abgeschlossen haben. „Das ist eine größere Truppe, bei der jeder seine Talente einbringen kann“, erläuterte er. Unter ihnen seien Naturwissenschaftler und Ingenieure genauso wie Nachtökologen. „Wir sind Laien, die den Laien die Astronomie erläutern“, beschrieb er das Konzept. Spezialisten gibt es für verschiedene Bereiche. „Wenn wir nach der Poesie der Nacht gefragt werden, haben wir auch jemanden, der sich damit auskennt“, so Brunnenkref.

Einen Tag Bauzeit hatte Marion Werxhausen investiert, um einen Vorsatz für ihre Kamera zu konstruieren.

Eigenbau: Einen Tag Bauzeit hatte Marion Werxhausen investiert, um einen Vorsatz für ihre Kamera zu konstruieren. Der funktionierte recht gut.

Mit einer Bauanleitung aus dem Internet hatte Marco de Sáe Sousa einen Schuhkarton in eine Lochkamera verwandelt - allerdings ohne großen Erfolg.

Eigenbau II: Mit einer Anleitung aus dem Internet hatte Marco de Sáe Sousa eine Lochkamera konstruiert. Die funktionierte nicht gut.

Die Mechanik des Sonnensystems verdeutlichte Michaele Wüller auf ihrem Sternenteppich.

Wissenswertes über das Sonnensystem verdeutlichte Michaele Wüller auf ihrem Sternenteppich.

An der Bastion hatten die Sternenguides mehrere Stationen aufgebaut, an denen die Besucher   Wissenswertes über die Nacht und den Kosmos, über Sonne, Mond und Sterne erfahren konnten. Die Tiere der Nacht wurden genauso erläutert wie die Tierkreiszeichen, die Mechanik der Himmelskörper im Sonnensystem oder die Größenverhältnisse von Sonne und Planeten.

Diesen Schwerpunkt hatte Daniel Hocke aus Lommersum übernommen. In seinem 3D-Drucker hatte er einen gelben, 18 Zentimeter großen Ball als Symbol für die Sonne produziert. „In dem Verhältnis ist die Erde so groß wie ein Leinsamen, während der Mond einem niederländischen Sandkorn entspricht“, erläuterte er. Rund 20,5 Meter Abstand müssten zwischen Sonne, Erde und Mond liegen, um in dem Maßstab die Verhältnisse darzustellen – kein Problem auf dem weitläufigen Hang in Vogelsang.

Die Teleskope ermöglichten Beobachtungen mit Farbfiltern

Mehrere Teleskope waren auf der steinernen Terrasse der Bastion aufgestellt. Klaus Dreiner führte geduldig in die Handhabung und die Technik ein, so dass die Besucher sich selbst an die Okulare wagen konnten. Anschaulich verdeutlichte er die Unterschiede zwischen den Teleskopen, die die Sonne im Weißlicht zeigen, und denen, die mit Farbfiltern Details herausarbeiten. „Im Rotlicht sehen wir Filamente und Protuberanzen, die aus der Sonne kommen“, sagte er.

Nicht alle der Menschen, die nach Vogelsang gekommen waren, um die Sonnenfinsternis zu beobachten, hatten die perfekte Ausrüstung. „Ich habe keine Sofi-Brille bekommen“, sagte Marco da Sáe Sousa aus Erkrath: „Deshalb habe ich nach einer Bauanleitung aus dem Internet einen Schuhkarton in eine Lochkamera umgebaut.“ Das Ergebnis überzeugte allerdings nicht. „Vielleicht ist das Loch nicht groß genug“, überlegte er.

Viel Mühe hatte Marion Werxhausen aus Leverkusen aufgewendet, um einen Sonnenschutzaufsatz für ihre Kamera zu bauen: „Ich habe eine Folie bestellt, bei der eine Bauanleitung dabei war.“ Sie habe zuerst gedacht, das sei einfach zu konstruieren, doch im Endeffekt habe sie den ganzen Sonntag dafür benötigt. Ihr war mehr Erfolg beschieden: Zuverlässig produzierte ihre Kameras Einzelaufnahmen, die zu einem Video zusammengefügt werden sollen.

Einige Besucher wollten auch noch die Perseiden sehen

„Das ist eine der besten Locations im ganzen Kreis“, sagte Jens aus Euskirchen, der mit Frau Judith und seinen Töchtern nach Vogelsang gekommen war. Bei dieser Veranstaltung bestehe die Chance, das Ereignis auch durch Teleskope zu verfolgen, was besonders für die Kinder interessant sei. Tochter Charlotte, zwölf Jahre alt, bestätigte das: „Das ist interessant und informativ.“ Zum ersten Mal befasse sie sich mit Astronomie, doch sie habe gern die vielen Geschichten gehört, die ihr darüber erzählt worden seien. Hier könne sie das alles aber auch sehen.

Mit Vorrichtungen wurden die Teleskope geschützt, die die Sternenguides aufgebaut hatten.

Professionelle Teleskope hatten die Sternenguides bereitgestellt.

Durch die bereitgestellten Teleskope mit Farbfiltern konnte die Sonnenfinsternis gut verfolgt werden.

Farbfilter wie Rotlicht gehörten zur Beobachtung durch ein Teleskop.

„Eine Kollegin von mir hatte die Veranstaltung in ihrem Status beworben“, berichtete Sabine Kiel, wie sie auf die Veranstaltung gekommen sei. Vogelsang hatten sie zwar schon besucht, aber im Zusammenhang mit Sternen hatten die Wachtbergerin und ihr Mann Andreas es noch nicht kennengelernt. „Mit der Aussicht – besser geht es nicht“, schwärmte Andreas Kiel. Die Sonnenfinsternis vor 27 Jahren habe er auch schon beobachten wollen: „Doch da konnte man nichts sehen.“

Völlig begeistert waren auch Gerda und Wolfgang Krämer aus Lommersum. „Phänomenal, ich sehe das heute zum ersten Mal“, sagte er. Sie hatten extra am Mittag „vorgeschlafen“, denn sie wollten in der anschließenden Nacht auch noch die Perseiden sehen: „Wir bleiben bis zum Ende, als Allerletzte.“

Es gab auch Ärger und schlechtes Gewissen

Zufrieden waren die Sternenguides mit ihrer Veranstaltung. „Toll, dass wir das gemacht haben“, sagte Beate Fiege. „Alles läuft gut – und auch die Sonne macht, was von ihr erwartet wird“, betonte sie scherzhaft. „Ich finde die Stimmung genial“, so Brigitte Jansen, die die Veranstaltung mitorganisiert hatte. Ein Teil der Sternenguides sei sogar nach Spanien geflogen, um sich die Sonnenfinsternis in der Totalität anzusehen. „Das soll nicht das Letzte gewesen, was wir gemacht haben“, versprach Brunnenkref. Die Sternenguides haben noch viele Ideen, und es werde auch demnächst viele spannende, kosmische Ereignisse geben.

Verärgert war eine Frau aus Wesseling über die Tatsache, dass es keine Absperrung gegeben habe, und letztlich jeder, ohne zu zahlen, an der Veranstaltung teilnehmen konnte. „26 Euro pro Person für eine Pappbrille plus Parken, das ist dann unverschämt“, schimpfte sie. Die Sternenguides hätten ihre Vorführungen und Erläuterungen nett gemacht, aber da sei nichts exklusiv gewesen. Viele, die nicht gezahlt hätten, hätten sich einfach dazu gestellt.

Wie die Frau aus Köln, die mit schlechtem Gewissen bei Brunnenkref stand. „Ich habe in ganz Köln keine Sofi-Brille mehr bekommen und bin auf gut Glück nach Vogelsang gekommen“, berichtete sie. Sie habe eigentlich nur gefragt, ob sie einmal durch das Teleskop schauen dürfe, und habe dann ganz viel Fachwissen bekommen. „Ich würde so gerne eine Spende machen, ich habe ein sehr schlechtes Gewissen“, gestand sie.