Die Nideggener Straße hat keinen Bürgersteig. Fußgänger müssen auf die Fahrbahn ausweichen, wenn geparkte Autos den Weg blockieren.
Ortsdurchfahrt ohne GehwegFrauenberger und die FDP Euskirchen fordern Taten

Wenn Ute Hunkirchen aus der Haustür tritt, steht sie fast auf der Fahrbahn. Denn die Nideggener Straße hat keinen Gehweg.
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Wenn Ute Hunkirchen aus der Haustür tritt und nur zwei kleine Schritte macht, steht sie auf der Fahrbahn der Nideggener Straße, die in Frauenberg die Ortsdurchfahrt ist. Oft fährt genau in diesem Moment ein Auto vorbei, nicht selten deutlich schneller als erlaubt.
Dass Verkehrsteilnehmer häufig die Tempo-30-Grenze missachten, ist das eine Problem. Weitere kommen hinzu: Die Nideggener Straße ist im Ortskern sehr eng – und sie hat über weite Strecken keinen Gehweg. Die Fahrbahn wird stattdessen von zwei Muldenrinnen gesäumt, die Fußgängerinnen und Fußgänger mangels Alternativen als Bürgersteig nutzen.
Fußgänger müssen in Frauenberg auf die Fahrbahn ausweichen
An vielen Stellen jedoch stehen geparkte Autos. Sie blockieren die Rinne, so dass die Passanten auf die Fahrbahn ausweichen müssen. Für Menschen mit Rollator ist das ärgerlich und je nachdem gefährlich. Dies gilt auch für Eltern mit kleinen Kindern, wie Larissa Kalz erzählt, Ute Hunkirchens Nachbarin. Wenn sie mit dem Kinderwagen das Haus verlasse und dann direkt auf der Straße stehe, nehme kaum ein Autofahrer Rücksicht. „Viele sind zu schnell. So gut wie keiner bremst.“ Solche Situationen seien „einfach nur katastrophal“.

Frank Sliwka (v.l.), hier mit Johannes Winckler, Ute Hunkirchen und Hans-Joachim Schaefer, hat auf seinem Grundstück ein Banner aufgestellt, um Rasern ins Gewissen zu reden.
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Cathleen Ried, die schräg gegenüber wohnt, macht die gleichen Erfahrungen. Sie braucht naturgemäß etwas länger, wenn sie ihr behindertes Kind ins Auto setzt. Dann komme es vor, dass Autofahrer sie anpöbeln: „Kannst du nicht die Tür zumachen?“, brülle man sie an.
Die Euskirchener FDP-Fraktion hatte schon vor drei Jahren beantragt, den Verkehr in Frauenberg – und auch im Nachbardorf Oberwichterich – zu beruhigen. Der Ausschuss für Tiefbau und Verkehr sprach sich mit 19:1 Stimmen dafür aus, die Ortsdurchfahrten verkehrssicherer zu gestalten. Unter Beteiligung der Anwohner sollten zu diesem Zweck Lösungsvorschläge erarbeitet werden, gegebenenfalls mittels eines Ideenwettbewerbs.
Frank Sliwka redet mit einem Banner Rasern ins Gewissen
„Passiert ist seither aber nichts“, sagte der örtliche FDP-Stadtverordnete Hans-Joachim Schaefer, als er und sein Fraktionskollege Johannes Winckler jetzt erneut auf die Situation aufmerksam machten. In Oberwichterich, erklärten sie, bestehe das Problem darin, dass die Straße sehr breit sei, was viele dazu verleite, schneller zu fahren als die erlaubten 50 km/h. Anlieger Paul Berg bestätigt das: „Ich habe zehn Kinder. Jeden Tag sorge ich mich, ob sie heil nach Hause kommen.“
Während einer Ortsbegehung in Frauenberg gesellten sich Ute Hunkirchen und Frank Sliwka zu den FDP-Politikern. Familienvater Sliwka, ebenfalls Anlieger der Nideggener Straße, hat auf seinem Grundstück ein großes Banner mit der Darstellung eines Tempo-30-Schildes samt Text aufgestellt: „Rast Du auch vor Deiner Tür?“, redet er ignoranten Autofahrern ins Gewissen.
Ich habe zehn Kinder. Jeden Tag sorge ich mich, ob sie heil nach Hause kommen.
Die FDP schlägt wie vor drei Jahren vor, den Verkehrsraum neu zu ordnen. „Man weiß nicht, ob die Rinne ein Gehweg ist oder nicht und ob Autos darauf parken dürfen oder nicht“, erklärte Winckler. „Eine Aufteilung der Flächen wäre hilfreich. Versetzte Parktaschen könnten helfen, den Verkehr zu beruhigen.“ Ein echter Gehweg sei wünschenswert.
Eine Studentin macht in ihrer Bachelor-Arbeit Lösungsvorschläge
Wichtig sei, bei Änderungen die Anlieger einzubinden, um die Akzeptanz zu erhöhen, ergänzte Schaefer. „Man muss ehrlich sein und den Leuten sagen, dass durch das Markieren von Parkflächen Stellplätze verloren gehen könnten. Manch einer könnte aber auch jetzt schon in der Garage statt auf der Straße parken. Das würde den Fußgängern helfen.“
Mit dem Verkehr in Frauenberg hatte sich vor zwei Jahren eine Studentin der TH Köln befasst. In ihrer Bachelor-Arbeit listete sie eine Reihe von Verbesserungsmöglichkeiten auf. Ein Ansatz könne sein, „das Parken auf eine Straßenseite zu beschränken und den Gehweg auf der gegenüberliegenden Seite zu erweitern bzw. auszubauen“, schrieb sie. Eine weitere Idee: Aufpflasterungen auf der Fahrbahn, um eine Temporeduzierung zu erreichen.
Im Verkehrsausschuss hieß es im Juni 2025, es wäre sinnvoll, das Thema in einer Master-Arbeit zu vertiefen. Der Technische Beigeordnete Wolfgang Honecker sagte, Lösungsvorschläge aus der Bachelor-Arbeit sollten ins städtische Mobilitätskonzept aufgenommen werden. Dadurch gerieten sie nicht in Vergessenheit. Diese Sorge hatte die FDP damals geäußert – und jetzt wieder. „Wir müssen endlich von Konzepten in die Umsetzung kommen“, forderte Johannes Winckler deshalb.
Honecker erwidert, es liege bisher „kein konkreter Vorschlag einer Fraktion zur Verbesserung der Lage“ vor. Die FDP habe die Möglichkeit, mit einem Antrag einen demokratischen Entscheidungsprozess anzustoßen. Die Verwaltung sei weiter im Kontakt zu Hochschulen, „um aufbauend auf der Bachelor-Arbeit eine Master-Arbeit zu akquirieren, die sich mit realistischen und regelkonformen Lösungen beschäftigt“. Grundsätzlich gelte für Wünsche zur Straßenplanung, dass ihre Umsetzung ins Straßenbauprogramm der Stadt eingebettet werden müsse.
