Das Stadtfest und die strahlende Oktobersonne lockten am Wochenende Besucherscharen in die Euskirchener Innenstadt.
Zahlreiche AktionenEuskirchen zeigt die erstaunliche Vielseitigkeit der Knolle

Und auch die Kartoffel durfte beim Knollenfest in Euskirchen natürlich nicht fehlen.
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Was Besucher der Kreisstadt manchmal die Nase rümpfen lässt, ist für die meisten Euskirchener so vertraut wie das Amen in der Kirche: der Geruch, der sich ab Oktober an manchen Tagen von der Zuckerfabrik aus über die Stadt legt.
Der Bedeutung der Zuckerrübe, im Volksmund schlicht „Knolle“, und ihrer Verwandten, der Kartoffel, hat die Stadt ein komplettes Fest gewidmet. Die 22. Auflage des „Knollenfestes“ zog bei strahlender Oktobersonne am Wochenende Tausende Besucher in die Kreisstadt. Neben dutzenden Ständen, die in der gesamten Innenstadt zu einer Shoppingtour einluden, durften natürlich die zahlreichen Erzeugnisse aus der Zuckerrübe nicht fehlen – ob in Form von Würfeln, Puderzucker oder dem beliebten Zuckerhut.
Die Reibekuchen der Landfrauen waren sehr begehrt
Insbesondere jüngere Gäste zog es zu einem ganz bestimmten Ziel. „Ich weiß nicht, ob er wirklich so eine gute Nase hat und die Zuckerwatte schon gerochen hat, als wir aus dem Auto gestiegen sind, oder ob er sich einfach an letztes Jahr erinnert, als er hier zum ersten Mal probieren durfte“, berichtete Sandra Windig lachend. Ein Geheimnis, das der siebenjährige Luca, der lächelnd die klebrige Leckerei genoss, für sich behielt.

Stelzenläufer Herr Wibbelt und seine flinke Biene zogen die Blicke der Besucher am Tag der Nachhaltigkeit auf sich.
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Auch das THW nutzte das Knollenfest, um sich zu präsentieren.
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Doch das gastronomische Angebot an den Ständen ging weit über zuckerhaltige Produkte hinaus, wie an der unfassbar langen Schlange vor der Reibekuchenbude der Eifeler Landfrauen abzulesen war. Schließlich ist ja auch die Kartoffel eine Knolle, und – je nach Zubereitung – eine sehr leckere dazu.
Zahlreiche Vereine und Institutionen nutzten das Stadtfest, sich und ihre Arbeit zu präsentieren. Zwar treten die Mitglieder des Technischen Hilfswerks (THW) meist nur bei Katastrophen in Erscheinung, dennoch sei es wichtig, die Tätigkeit der Öffentlichkeit vorzustellen, betonte Pressesprecher Paul Szwed: „Wir möchten zeigen, dass 99 Prozent unserer Einsätze durch Ehrenamtler erfolgen, die sich immer wieder für ihre Mitmenschen einsetzen. Darum freuen wir uns an solchen Tagen über den Austausch mit den Besuchern.“
Beim THW konnten die Kinder den Mini-Unimog ausprobieren
Um den Gesprächseinstieg zu erleichtern, hatte das Team einen kleinen Hindernisparcours aufgebaut, den der Nachwuchs auf dem Miniatur-Unimog meistern durfte, bevor die ausgestellte Technik betrachtet werden konnte.
„Mit einem solchen Lichtmast leuchten wir beispielsweise bei Unfällen auf der Autobahn die Unfallstelle aus, um die Arbeit von Feuerwehr und Rettungskräften zu unterstützen“, so Szwed. Auch im Brandfall stehe passendes Equipment zur Verfügung. „Mit unserem sogenannten Wasser-Bahnhof können wir bei einem Waldbrand Löschfahrzeuge der Feuerwehr betanken.“
Auf dem Herz-Jesu-Vorplatz zogen Anna Nele Simonsmeier und Nina Patricia Hänel mit ihrem Ausdruckstanz viele Blicke auf sich. „Bei einem solchen Fest kommen so viele Menschen zusammen. Obwohl wir uns in der Öffentlichkeit befinden, hat jeder seinen eigenen kleinen Raum um sich, und wir möchten mit unserer Performance Zwischenräume der Begegnung schaffen“, erklärte Nina Patricia Hänel. Wie bei einem Gemälde sei diese Performance ein Geschenk, das gesehen und interpretiert werden dürfe.
Hundekotbeutel am Straßenrand und Batterien im Restmüll
Während am Sonntag die großen landwirtschaftlichen Maschinen auf dem Klosterplatz Einzug hielten, um den Anbau und die Verarbeitung der namensgebenden Knollen zu beleuchten, rückte am Samstag ein weiteres Mal das Thema Nachhaltigkeit in den Fokus.
Neben Mitmachaktionen wie dem Gestalten von Sternzeichen-Lesezeichen oder dem Geschicklichkeitsspiel am „Pyramiden-Draht“ versorgten die Aussteller ihre Gäste auch mit hilfreichen, zum Teil aber auch erschreckenden Informationen. „Wilder Müll kostet über 90.000 Euro im Jahr“ prangte auf einem Schild am Stand des Kreises, umringt von zahlreichen Beispielen dazu, in welcher Form dieser wilde Müll am häufigsten auftritt. Verpackungsmaterial verschiedener Fast-Food-Ketten sorge dabei nur noch selten für Verwunderung, ganz anders als eine zunächst unscheinbar erscheinende Plastiktüte am Wegesrand, wie Mitarbeiterin Karen Beuke erklärte.

Wie Kreismitarbeiterin Karen Beuke erklärte, verursacht die Beseitigung von wildem Müll im Kreis Euskirchen jährliche Kosten in Höhe von mehr als 90.000 Euro.
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„Immer häufiger werden wir mit der Tatsache konfrontiert, dass Hundebesitzer bei ihren Spaziergängen die Hinterlassenschaften der Tiere zwar aufsammeln, sie dann aber mitsamt der Plastiktüte liegen lassen.“ Auch im Feld sei Hundekot aufgrund der Überdüngung des Bodens unerwünscht, aber der zurückgelassene Kunststoff sei noch deutlich schädlicher für Umwelt und Natur. „Einige Menschen meinen wohl, mit dem Verpacken des Kots sei die Arbeit erledigt, richten damit aber noch mehr Schaden an.“
Mit einfachen Tipps, die die Aussteller präsentierten, könne man auch im Kleinen Beiträge zur Nachhaltigkeit leisten, stimmte Anne Blöss von der Aktion „Batterie zurück“ zu: „Achtlos im Hausmüll entsorgte Batterien können sogar Brände auslösen, wenn sie im Pressfahrzeug der Müllabfuhr landen.“ Die Abgabe der Batterien im Supermarkt, auf dem Wertstoffhof oder im Elektrofachgeschäft verhindere das. Überall dort, wo Batterien verkauft werden, können sie zurückgegeben werden. Das schont gleichzeitig Ressourcen, da einzelne Komponenten wiederverwertet werden können.
Mit Auftritten von Stelzenläufer Herr Wibbelt als große Sonnenblume und einem Quiz konnten auch die kleinen Gäste auf spielerische Art den verantwortungsvollen Umgang mit Abfall erlernen.
Der Manga-Day in der Stadtbibliothek
Zum mittlerweile dritten Mal packte die Mitarbeiterinnen und Gäste der Stadtbibliothek Euskirchen am Samstag das Manga-Fieber. „Wir stellen immer wieder fest, dass die japanischen Comics sehr beliebt sind und extrem häufig ausgeliehen werden“, berichtete Natalie Mahdoui. Aus diesem Grund habe man sich seit 2024 am deutschsprachigen „Manga-Day“ beteiligt, um Kindern im Alter zwischen zehn und 14 Jahren die Möglichkeit zu bieten, ihrer Freude an den fantasievollen Geschichten auch selbst kreativ Ausdruck zu verleihen.

Der neunjährige Jonas erschuf beim Manga-Day das Schleimmonster aus seinem Lieblingsmanga.
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Inspiriert von Titeln wie „Slice of day“, in dem alltägliche Ereignisse im Mittelpunkt stehen, bis hin zu Heldengeschichten des Ninja „Naruto“ durften die Jungen und Mädchen eigene Figuren gestalten und ihnen bildlich Leben einhauchen.
„Mein Lieblingsmanga ist ,Meine Wiedergeburt als Schleim in einer anderen Welt', weil sich die Figur immer weiterentwickelt und neue Skills lernt“, erklärte der neunjährige Jonas: „Ich mag, dass die Geschichten so witzig sind und auch nicht so blutig wie in vielen anderen Manga.“ Von Schleimwesen bis zum Superhelden oder auch das eigene Ich in ungewohnten Situationen – die Kreativität der jungen Teilnehmer am „Manga Day“ kannte keine Grenzen.
Beim Stadtradeln 146.821 Kilometer gefahren
Ein buntes Musikprogramm erwartete die Besucher des Euskirchener Knollenfestes auf der Bühne am Alter Markt. Doch am Samstagnachmittag rückten die Radfreunde der Kreisstadt für eine Stunde ihr Hobby in den Mittelpunkt. „2021 sind wir mit 210 Teilnehmern gestartet. In diesem Jahr waren es schon 852, mehr als vier Mal so viel“, freute sich Organisatorin Sarah Bülten über die rege Beteiligung an der Aktion „Stadtradeln“.
Vom 22. Juni bis zum 12. Juli traten insgesamt 33 gemeldete Teams in die Pedale und legten dabei in 12.482 Fahrten insgesamt 146.821 Kilometer zurück. Eine Strecke, die auf gerader Linie gut dreieinhalb Mal entlang der Äquatorlinie um den Erdball führen würde.

Die erfolgreichsten Radfreunde wurden mit Pokalen und Gutscheinen belohnt.
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„Wir haben uns im Team alle gegenseitig gepusht, und ich bin in dieser Zeit auch jeden Tag von Euskirchen nach Zülpich zur Arbeit geradelt“, berichtete Teilnehmerin Maria Wattler. 939 gefahrene Kilometer waren schlussendlich das Ergebnis dieses Einsatzes, der ihr einen Pokal für die „Radelaktivste Teilnehmerin“ einbrachte. Ihre Gruppe der „HaPe Bikers“ belegte gemeinsam zudem den dritten Platz der Teamleistung und musste sich nur dem „Radhaus Euskirchen“ und dem TuS Kreuzweingarten-Rheder geschlagen geben. Mit 714 Kilometern pro Kopf verwiesen die „HaPe Bikers“ ihre Konkurrenz in der relativen Teamleistung hingegen alle auf die hinteren Plätze. „Diesen Titel konnten wir vom Vorjahr verteidigen. Und jetzt ist die Motivation natürlich bei allen riesig, diese Erfolgsserie nächstes Jahr fortzusetzen“, freute sich Maria Wattler.
Im landesweiten Vergleich aller teilnehmenden Kommunen landete Euskirchen im oberen Mittelfeld, worin Bürgermeister Sacha Reichelt noch Verbesserungspotential erkannte. „Eigentlich gehört Euskirchen in jeder Tabelle, außer die der höchsten Steuern, auf Platz eins.“ Gründe für die Platzierung waren ebenfalls schnell gefunden: „Es liegt mal wieder an den Politikern.“ Null von 59 möglichen Anmeldungen hatten die Verantwortlichen von dieser Seite verbucht. „Das wird natürlich Schwerpunkt in der kommenden Ratssitzung“, scherzte Reichelt. Insgesamt könne man aber mit der Beteiligung auch in der Sonderkategorie „Schulradeln“, die das Emil-Fischer-Gymnasium mit 24.752 geradelten Kilometern für sich entschied, sehr zufrieden sein.
