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„Knastschwestern“Marienschule Euskirchen zeigt Stück über Alltag im britischen Gefängnis

4 min
Vier Mädchen stehen hinter einem Gitter.

In der Musicalaufführung „Knastschwestern“ zeigen Schülerinnen und Schüler, wie wichtig Zusammenhalt im harten Gefängnisalltag ist.

Schülerinnen und Schüler der Marienschule zeigen an zwei Abenden das Musical „Knastschwestern“. In dem Stück geht es um ein  Frauengefängnis.

Freude und Leid, Liebe und Unterdrückung liegen derzeit sehr eng beieinander bei den Schülerinnen und Schülern der Q1 in der Marienschule Euskirchen. Gemeinsam mit ihren Lehrern Jan Philipp Röser und Maren May arbeiten die Oberstufenschüler derzeit am letzten Feinschliff für ihre bevorstehende Musicalaufführung und diese soll das Publikum mit einem solchen Gefühlschaos konfrontieren. „Knastschwestern“ lautet der Titel des Stückes aus der Feder von Kath Gotts, Maureen Chadwick und Ann McManus und schildert den Alltag in einem Frauengefängnis.

„Zum Abschluss des Schuljahres präsentiert der Vokalpraktische Kurs normalerweise immer ein Konzert unter einem bestimmten Motto“, erklärte Jan Philipp Röser. „Dieses Mal wollten wir nach langer Zeit aber noch einmal einen anderen Schritt gehen und haben uns für ein Musical entschieden. Zum Glück konnten wir auch die Schulleitung schnell von dieser Idee überzeugen.“

Die aggressive Shell Dockley hat sich eine Machtposition erarbeitet

Auf der Suche nach dem geeigneten Werk landete „Knastschwestern“ nicht nur aufgrund der passenden Rollenanzahl, sondern auch mit seinen thematischen Inhalten zwischen derbem, britischem Humor und finsteren Themenbereichen wie Machtmissbrauch und Sexismus schnell in der engeren Auswahl und am Wochenende dürfen sich die Zuschauer bereits über das Ergebnis der Vorbereitungen freuen.

Die Rollen in dem schottischen Frauengefängnis „HMP Larkhall“ scheinen auf den ersten Blick fest verteilt. Die aggressive Shell Dockley (gespielt von Dominika Leszczynska) hat sich durch ihren tyrannischen Umgang mit den anderen Mitinsassinnen eine Machtposition erarbeitet und nutzt jede sich bietende Gelegenheit, diese weiter auszubauen. In Denny Blood (Eleni Gross) hat sie dabei eine leicht zu manipulierende Komplizin gefunden und auch von Seiten des Gefängnispersonals werden ihr offenbar nur wenige Steine in den Weg gelegt, um diese Entwicklung zu stoppen. Der leitende Vollzugsbeamte Jim Fenner (Leopold Bischof) verfolgt zudem seine eigenen Pläne und schreckt vor Korruption und Machtmissbrauch den schwächeren Gefangenen gegenüber nicht zurück.

Zwei Mädchen mit Mikrofonen singen, hinter ihnen tanzen weitere Mädchen.

Die Ankunft von Yvette (Lina Gleißner, vorne links) und Yvonne (Anna Weiß, vorne rechts) rütteln das Gefüge innerhalb der Gemeinschaft durcheinander.

Schnell kann bei diesen Strukturen der Eindruck von Hoffnungslosigkeit entstehen, doch je weiter sich die Geschichte der „Knastschwestern“ entwickelt, desto vielschichtiger präsentieren sich auch die Charaktere. Jede Gefängnisinsassin bringt dafür nicht nur eine Straftat ein, die sie in die aktuelle Lage geführt hat, sondern auch ihre eigenen Beweggründe, wie es überhaupt zu einem Konflikt mit dem Gesetz kommen konnte. So rührt Denny Bloods Treue zu Shelly Dockley nicht etwa aus Boshaftigkeit den anderen Gefangenen gegenüber, sondern aus dem Wunsch selbst wertgeschätzt zu werden.

Innere Konflikte werden auch auf der Bühne spürbar

„Die Julies“ (Jana Schmitz und Ida Werner), zwei Prostituierte, die für einen Diebstahl verhaftet wurden, wollten ihren Kindern eine Privatschulausbildung ermöglichen und selbst Nikki Wade (Samantha Marx) hat mit dem Mord an einem Polizisten lediglich die Vergewaltigung ihrer Partnerin verhindern wollen. Diese inneren Konflikte, die die Protagonisten mit sich selbst ausfechten, werden während der Aufführungen auch auf der Bühne spürbar.

Zunächst scheint die Ankunft von Yvette und Yvonne (Lina Gleißner und Anna Weiß) die eingefahrenen Strukturen zu verschieben und den Insassen Hoffnung auf bessere Zeiten zu versprechen, doch dann reißt der Tod der neuen Gefangenen Rachel Hicks (Mia Dehnhard) alle Beteiligten in tiefes Chaos.

Auf eindrucksvolle Weise erzählen die Schülerinnen und Schüler des Vokalpraktischen Kurses dieses Auf und Ab in einer Welt, die so fern scheint und doch viele Aspekte anspricht, die für einige Menschen auch im alltäglichen Leben eine Rolle spielen können. In ihrer ohnehin schwierigen Situation werden die Charaktere vor die Entscheidung gestellt, für sich selbst und andere einzustehen oder weiterhin ihren Unterdrückern die Bühne zu überlassen.

Immer wieder gibt es auch skurrile Situationen

„In abgewandelter Form kann man so etwas auch heute beobachten, wenn man auf die politische Lage schaut, wo Männer in mächtigen Positionen ihre Macht missbrauchen“, erklärte Jan Philipp Röser. Bei den Knastschwester habe dieser Konflikt zwar keine so weitreichenden Auswirkungen, bestimme aber dennoch das Leben der Akteure, fügte Maren May hinzu: „Es liegt letztlich an den Gefangenen selbst, sich aus ihrer Lage zu befreien.“ Dieser Schritt koste jedoch Courage und den Mut die eigene Komfortzone zu verlassen.

Trotz dieser düsteren Voraussetzungen wird das Stück zu jeder Zeit von Humor getragen, der sich immer wieder in skurrilen Situationen Bahn bricht. So singen „die Julies“ ausgerechnet während ihres Putzdienstes davon, mit sich selbst ins Reine kommen zu wollen, während im Hintergrund eine Barbiepuppe hin und hergereicht wird um dadurch einen augenzwinkernden Blick auf ihren bisherigen Alltag als Prostituierte zu werfen.

Zwischen diesem Humor, dem Wunsch nach Anerkennung und Liebe und den ernsten Themen, mit denen die Insassen konfrontiert werden, spinnt sich eine spannende Geschichte. Im Zusammenspiel mit dem bewusst schlicht gehaltenen Bühnenbild, um die zunächst dargestellte Eintönigkeit in den Gefängnismauern darzustellen, den stimmungsvollen Musikeinlagen und den Hintergründen der Charaktere dürfen sich die Zuschauer am Freitag und Samstag über atmosphärische Unterhaltung freuen.


Zwei Aufführungen

Die Vorführungen des Stückes „Knastschwestern“ in der Aula der Marienschule Euskirchen, Basingstoker Ring 3, beginnen jeweils um 19 Uhr. Das Musical richtet sich an Zuschauerinnen und Zuschauer ab 14 Jahre, da auch sensible Themen behandelt werden. Der Eintritt beträgt acht Euro an der Abendkasse.