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Musik ToolsKilian Günthner aus Stotzheim hat Allround-App für Musiker programmiert

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Kilian Günthner sitzt hinter einem Flügel und grinst in die Kamera.

Am Flügel im elterlichen Haus in Stotzheim beweist Kilian Günthner sein musikalisches Talent.

Mit der App werden Metronom, Stimmgerät und Tongeber auf dem Smartphone gebündelt. Der Programmierer stellt seinen Werkzeugkasten vor.

Er ist ein Tüftler mit vielen Talenten. Technisch begabt, musikalisch, IT-affin. Sein jüngstes Projekt verbindet das alles: Florian Günthner aus Euskirchen-Stotzheim hat eine App für Musiker entwickelt. Sie ist Metronom, Stimmgerät, Tongeber – also fast alles, was ein Chor, eine Band oder ein Orchester bei der Probe braucht.

Nun ist es nicht so, als gäbe es diese Funktionen fürs Smartphone nicht alle schon. Kilian Günthner hat sie nicht nur gebündelt, sondern sie auch vereinfacht. „Warum sollte das Metronom auf dem Handy schwieriger zu erreichen sein als die Taschenlampe?“, fragt er. Also kann man die einzelnen Tools seiner App „Musik Tools“ auf dem Startbildschirm oder dem Kontrollzentrum platzieren und findet sie mit einem Click.

Obendrein hat ihn gestört, dass die kostenlosen Apps voller Werbung sind. Er hat das anders gelöst. Die App kann man sich kostenlos herunterladen, nur für den vereinfachten Zugriff muss der Benutzer zahlen. Günthner: „Musik Tools ist ein Werkzeugkasten, keine Litfaßsäule.“

Bei Musik Tools kann das jeweilige Instrument angegeben werden

Das Stimmgerät hat er weiterentwickelt. Normalerweise steuern diese Geräte den nächstgelegenen Ton an. Ist die G-Seite einer Geige also so stark verstimmt, dass sie eher ein F hervorbringt, wird der Ton als zu hoch angezeigt. Als korrekt gestimmt würde dann das F bewertet, das aber auf der Geige nichts zu suchen hat. Damit das nicht passiert, kann der Musiker bei Musik Tools einstellen, welches Instrument gestimmt wird.

Dass Kilian Günthner Erfindergeist hat, war schon früh nicht zu übersehen. Viermal ist der Schüler des Bad Münstereifeler St.-Michael-Gymnasiums bei „Jugend experimentiert“ und später bei „Jugend forscht“ angetreten, viermal hat er einen Preis geholt. Mit elf Jahren hat er einen Hochwasserschutz konstruiert, mithilfe einer Windel. Mit einem Aquarium und einer Plexiglasscheibe demonstrierte er das Prinzip: Die Windel quillt bei Nässe auf und verstopft so den Spalt unter der Scheibe.

Im Beisein des damaligen Kölner Oberbürgermeisters Fritz Schramma (2.v.l.) trug sich Kilian Günthner ins Goldene Buch der Stadt ein. Er sitzt an einem Tisch mit dem Füller in der Hand.

Große Ehre für den kleinen Tüftler: Kilian durfte sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen, neben ihm steht Fritz Schramma.

Auf dem Bildschirm eines Smartphones sind virtuelle Klaviertastatur und Stimmgerät erschienen.

Auf dem Startbildschirm sieht man die einzelnen Werkzeuge der App „Musik Tools“ wie die Klaviertastatur und das Stimmgerät.

Die Idee brachte ihm den ersten Platz beim Regionalwettbewerb und den zweiten beim Landeswettbewerb ein, dazu den Nicolaus-August-Otto-Sonderpreis. So kam es, dass der kleine Kilian sich ins Goldene Buch der Stadt Köln eintrug und den Glückwunsch des damaligen Oberbürgermeisters Fritz Schramma entgegennahm. Mit dem Bau eines digitalen Auflichtmikroskops errang er ein Jahr später den ersten Preis beim Landeswettbewerb.

Kilian Günthner ist Start-up-Gründer und singt bei „The Oxford Commas“

Als er mit 18 Jahren sein Abitur in der Tasche hatte, wusste er nicht, wie er weitermachen wollte. „Ich interessiere mich einfach für zu viele Dinge.“ Es war 2015, das Jahr, in dem Hunderttausende Geflüchteter nach Deutschland kamen und Willkommenskultur herrschte. Kilian Günther erinnert sich: „Ich habe damals gelesen, dass rund elf Millionen Menschen bereit waren, jemanden bei sich aufzunehmen. Aber es gab ein Verteilungsproblem.“

Er gründete sein soziales Start-up Aletho, „eine Art Airbnb für Flüchtlinge und Gastgeber“. Die Geschehnisse der Silvesternacht in Köln hätten ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht, danach sei die Gastfreundschaft drastisch gesunken.

Der Programmierer greift auf seine verschiedenen Stärken zurück

Geblieben sei die Erfahrung, dass es bei einer neuen App viele juristische Feinheiten zu beachten gebe. Die logische Konsequenz für Kilian Günther: Er studierte Jura. „Ich war sicher, das wird furchtbar“, erinnert sich der 29-Jährige. „Aber es hat vom ersten Tag an Spaß gemacht.“ Und das nicht nur, weil er im Rahmen eines Forschungsprojekts nach Oxford kam. Seitdem singt er dort in der A-cappella-Gruppe „The Oxford Commas“ und in einem großen Chor. Es überrascht nicht, dass der umtriebige Stotzheimer eine Tournee für die beiden Ensembles organisierte, die sie auch nach Bad Münstereifel führte.

Bei den Proben mit den „Commas“ kam ihm dann auch die Idee für „Musik Tools“. Da hatte er längst gemerkt, dass er nicht auf Dauer als Jurist arbeiten wollte. Das Studium sei zwar hilfreich gewesen, aber nur Mittel zum Zweck, sagt Kilian Günthner.

Seit Dezember vergangenen Jahres ist eine Testversion seiner App verfügbar – allerdings nur für Apples iOS. Es ist ein Ein-Mann-Projekt: Kilian Günthner hatte die Idee, hat programmiert und die Grafik gestaltet, vom Logo mit einem stilisierten Notenständer bis zur optischen Anzeige des Stimmgerätes. Und die Sache mit dem Datenschutz und anderen rechtlichen Fragen hat er natürlich auch geregelt. Er sagt: „Es war und ist eine Synthese von allem, was mir Spaß macht.“