Abo

Karneval im RegenBielstein wurde beim Rosenmontagszug zur Wiehler Wasserwelt

4 min
Eine Mutter mit ihrer Tochter im Regencape bei einem Karnevalszug.

Gut gewappnet gegen den Regen beim Karnevalsumzug in Bielstein. 

Die Jecken feierten im und neben dem Zug in Bielstein nach dem Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Laune.

Als Vereinsvorsitzender muss man das Positive sehen. Darum freut sich Michael Röser, dass es überhaupt einen Rosenmontagszug in Bielstein gibt. Möglich gemacht wird das durch eine Kraftanstrengung am Morgen nach dem Schneegestöber. Röser hat ein Dutzend Vereinsmitglieder zusammengetrommelt, damit sie den städtischen Bauhof mit der Schippe in der Hand   unterstützen und den Zugweg schneefrei machen.

Gegen den Regen kann er nichts machen, außer gute Laune verbreiten. Pünktlich zum Startschuss setzt ein hartnäckiger Regen ein und verwandelt den Bielsteiner Zugweg in eine ungemütliche Variante des Spaßbads „Wiehler Wasserwelt“. Die Jecken auf und neben den Wagen wickeln sich in Regencapes, mancher wertet sein Kostüm mit einem bunten Schirm auf. Eine Fußgruppe ist thematisch gut vorbereitet: Die bibelkundigen Jecken der   Evangelischen Kirchengemeinde Dieringhausen/Vollmerhausen/ Niederseßmar treten als Noah und Archezoo auf, die sich vor der Sintflut ins Sicherheit bringen.

Eine kostümierte Gruppe mit Regenschirmen.

Der Regenschirm war bei vielen Gruppen in Bielstein der treue Begleiter.

Eine Gruppe in Fellkostümen.

Fellkostüme hielten diese Gruppe beim nasskalten Wetter warm.

Eine Kostümierte.

Die Jecken strahlten trotz Regen beim Karnevalszug in Bielstein.

Gottlob hat die Stadt am Wiehlfluss ein enges Verhältnis zum Wasser. Sei es in der gefrorenen Variante, mit der sich die Eishockeyspieler beschäftigen, die wieder als Fußgruppe mitmarschierten. Oder als Element der DLRG, die ebenfalls alle Jahre wieder den Rosenmontagszug zur Eigenwerbung nutzt. Diesmal mit dem Gerätewagen, für dessen Ausstattung noch Geld gesammelt wird, und in Froschkönigkostümen, mit denen die Wasserretter zum „Sprung ins Ehrenamt“ einladen.

KVB-Präsident Michael Becher kann sich da nur anschließen. Zusammen mit Tobias Rohde moderiert er vom Bühnenwagen am Busbahnhof das Geschehen und ruft ins Mikro: „Leute engagiert euch im Ehrenamt! Sonst wäre solch ein Zug auch nicht möglich.“

Der Bielsteiner Zug hat mit 21 Gruppen und 14 Wagen die übliche Größe. Der Zuschauerandrang ist wetterbedingt geringer und unter den Dachvorsprüngen am dichtesten. Wer sich aber in die erste Reihe wagt, räumt ordentlich Kamelle ab.

Kamelle wurden beim Bielsteiner Zug schnell aus den Pfützen gefischt

Wasserfeste Stimmung beweisen die Tanzgruppen, darunter mit den Raketen eine Formation, die schon länger zum VfR Marienhagen gehört und als „Women in Black“ patrouilliert. Die Lollipops firmieren neuerdings unter dem Dach des Vereins Tanzsport Oberberg, sind aber ebenfalls für den Bielsteiner Zug gesetzt. Und die Karnevalisten selbst haben mit den Konfettis eine neue Kindergruppe an den Start gebracht.

Dazu kommen nicht mehr ganz so junge Blumenkinder, etwa aus dem Wiehler Doppeldorf, welches sich diesmal steigert zu „Bunt, bunter, Fischbach“. Ein Wagenengel der Gruppe hat einen vorübergehenden Schwächeanfall, was den Zug aber nur kurz ins Stocken bringt.

Einige Jecke fischen Kamelle aus einer Pfütze auf der Straße.

Die Jecken am Straßenrand mussten die Kamelle schnell aus den Pfützen fischen.

Ein Dreigestirn in Regencapes.

Auch das Bielsteiner Dreigestirn hatte sich mit Regencapes ausgestattet.

Beim Rundgang vor dem Zugstart hat das Frauendreigestirn wieder Abordnungen aus der oberbergischen Nachbarschaft begrüßt. Zum vielsprachigen Bielsteiner Karneval gehört der Wildberger Gruß „Hoi Boi“ und das „Alaaf“ aus Denklingen und Ründeroth. Auf dem KVB-Senatswagen fährt das Lindlarer Dreigestirn mit. Der Bielsteiner Prinz Conni I. lässt sich vom Wetter nicht beirren und trägt Sonnenbrille: „Die ganze Session war mega.“

Vor ihrem jecken Geschlechtswechsel war Conny Lenger auch schon mal Prinzessin und hat gelernt, dass es auf einen motivierten Hofstaat und stabilen Verein im Hintergrund ankommt. Bauer Melli nickt: „Unsere Auftritte liefen wie ein Uhrwerk.“ Das gilt auch für den gekrönten Abschluss am Ende der Rosenmontagskarawane, Regen hin oder her.

Zugkommentar Tobias Rohde, vor Jahren selbst einmal Bielsteiner Prinz, kann sich nicht erinnern, dass es einmal solch ein mieses Wetter am Rosenmontag gegeben hat. Aber er hat noch ein wichtiges Ehrenamt neben dem Karneval, er leitet die Drabenderhöher Einheit der Feuerwehr. Und er weiß, dass auch beim Drabenderhöher Feuerwehrfest mal Glühwein ausgeschenkt werden musste – und das ist im Juni.

Es gilt: Es gibt kein schlechtes Wetter. Nur schlechte Laune. Und wer nach dem zweiten Durchgang – in Bielstein haben die Zugteilnehmer traditionell eine Rückfahrkarte – dennoch etwas fröstelt, kann sich bei der   After-Zug-Party in der trockenen Brauereihalle aufwärmen.