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GastronomieStadtwaldvinum schließt – Euskirchen verliert eine kulinarische Topadresse

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Das Quartett steht vor einem Kamin, an der Decke hängen Weihnachtskugeln.

Am Sonntag, 30. November, schließt Christiane Pauli, hier mit ihren Mitarbeitern Robert Neumerkel (v.l.), Ramazan Balaban und Dennis Sack, ihr Restaurant Stadtwaldvinum.

Die Geschichte des Restaurants begann in einem Tennisclub. Inhaberin Christiane Pauli sucht bisher vergeblich einen Nachfolger. 

In den vergangenen Wochen stand das Telefon nicht mehr still. Christiane Pauli und ihr Team mussten ständig neue Reservierungswünsche notieren. „Unheimlich viele Leute wollten noch ein letztes Mal bei uns essen und sich von uns verabschieden“, erzählt Pauli. Im Sommer hatte sie den Entschluss gefasst, ihr Restaurant, das Stadtwaldvinum in Euskirchen, noch in diesem Jahr zu schließen. Als sie ihr Vorhaben öffentlich machte, begann ein regelrechter Gästeansturm.

„Die vergangenen Wochen waren wirklich sehr anstrengend. Andererseits ist es schön, auf diese Art so viel Anerkennung zu bekommen“, sagt die Gastronomin wenige Tage vor dem Finale. An diesem Sonntag wird das stilvoll eingerichtete Haus an der Münstereifeler Straße zum letzten Mal seine Tür für die Kundschaft öffnen.

Ende der 1990er-Jahre war Michelin auf das Restaurant aufmerksam geworden

Das Stadtwaldvinum, das Christiane Pauli mit ihrem Ehemann Franz-Heinz führte, bis er 2014 starb, steht seit Jahrzehnten für gehobene Küche. Schon Ende der 1990er-Jahre war der Restaurantführer Michelin auf das Gasthaus in der Euskirchener Südstadt aufmerksam geworden. Später folgte der Gault Millau. Nicht nur die Leistungen der Mannschaft um Küchenchef Gottfried Traußnig hatten es den Feinschmeckern angetan, sondern auch das Ambiente.

In der Gault-Millau-Ausgabe von 2005 hieß es: „Ein italienisches Idyll am Rande der Eifelstadt – das Landhaus von Franz-Heinz und Christiane Pauli könnte zwischen Florenz und Siena stehen.“ Die Autoren schwärmten von romantischen Winkeln und sonnigen Farben, von einer Terrasse, „die zum Dolce Far Niente einlädt“, oder auch von dem Garten, „der bukolischen Charme entfaltet“.

Vor dem Restaurant liegt eine gepflegte Rasenfläche mit Springbrunnen und Bäumen.

„Ein italienisches Idyll“ – so beschrieb der Gourmet-Führer Gault Millau das renommierte Haus am Euskirchener Stadtwald.

Das Schild ist an einer Doppellaterne befestigt, im Hintergrund stehen Bäume.

Seit Jahrzehnten weist ein Schild an der Münstereifeler Straße auf das Restaurant hin, das nun schließt.

Derart blumige Formulierungen passen nach wie vor hervorragend zu dem Areal, das sich mit geschmackvoll gestalteten Beeten, Wasserflächen, Springbrunnen, Olivenbäumen und anderen mediterranen Gewächsen über eine Fläche von 3800 Quadratmetern erstreckt.

Auf dem Gelände hatte sich früher ein Tennisclub befunden, den Franz-Heinz Pauli 1988 kaufte. Anfangs buk Christiane Pauli für die Mitglieder   Reibekuchen, die sie mit Apfelmus und Lachs servierte. 1994 gründeten die Eheleute den Restaurantbetrieb und stellten den ersten professionellen Koch ein.

Große Werbung brauchten wir nicht. Wir haben von Mundpropaganda gelebt.
Christiane Pauli, Inhaberin

„Das ehemalige Clubhaus haben wir immer wieder erweitert“, erzählt Christiane Pauli und zitiert eine Vision ihres Mannes aus der Anfangszeit: „Hier steht eines Tages ein Sternerestaurant.“ So weit kam es nicht, doch das Stadtwaldvinum entwickelte sich rasch zu einer der Topadressen in der Stadt. Mehr noch: Der Ruf reichte schnell über die Grenzen des Kreises Euskirchen hinaus. „Wir haben bis heute auch Stammkundschaft aus Brühl, Erftstadt und Rheinbach“, nennt die Inhaberin Beispiele. „Große Werbung brauchten wir nicht. Wir haben von Mundpropaganda gelebt.“

Nach der Pandemie freilich wurde das Geschäft zunehmend schwierig. „Es war und ist kaum noch möglich, Fachpersonal zu finden. Und längst   merkt man, dass die Kaufkraft der Leute nachlässt, während unsere Kosten steigen“, sagt Christiane Pauli. Noch etwas anderes ließ in ihr die Entscheidung reifen, der Gastronomie adé zu sagen, wie sie hinzufügt: „Ich werde bald 70 und möchte in Rente gehen.“

In der Küche führt seit dem Sommer Robert Neumerkel Regie

Zu ihrem Bedauern hat sie bis heute keinen Nachfolger gefunden, so dass sie das Restaurant am Sonntag schweren Herzens schließt. „Gastronomie ist ein schwieriges Pflaster geworden“, sagt ihre Schwiegertochter Dana Lennartz, die sie im Betrieb unterstützt.

Gottfried Traußnig hat das Stadtwaldvinum im Sommer nach 23 Jahren verlassen. Seither führt in der Küche der langjährige Sous-Chef Robert Neumerkel Regie, unterstützt von Dennis Sack, der auch schon seit 2010 im „Vinum“ arbeitet. „Ohne die beiden hätten wir die letzten Monate nicht geschafft“, lobt Dana Lennartz das Duo. Sie streicht die zentrale Rolle ihrer Schwiegermutter heraus: „Dass sich viele unserer Gäste bei uns wie zu Hause fühlen, das ist ihr Werk. Die Leute kommen zu uns, als gingen sie in ihr Wohnzimmer.“

Christiane Pauli stimmt ihr zu: „Ein Ehepaar hat bei uns seine goldene Hochzeit gefeiert, dann die diamantene, die eiserne und schließlich die Gnadenhochzeit, dazu jeden Geburtstag. Überhaupt sind viele Gäste mit mir alt geworden.“ Während sie zurückblickt, muss sie sich mehrmals Tränen aus dem Gesicht wischen. „Das Stadtwaldvinum war unser Leben“, sagt sie. „Aber jetzt ist Schluss.“

Was aus dem Gebäude wird, ist offen. „Die Stadt Euskirchen hat uns gesagt, dass das Grundstück nur für Gastronomiezwecke genutzt werden darf“, sagt Pauli. „Wir hatten Interessenten, die hier gerne wohnen würden. Aber das ist nicht zulässig. Deshalb gibt es bisher keinen Käufer.“ Sie gebe jedoch die Hoffnung nicht auf, „dass sich doch noch ein Liebhaber für das Objekt findet, der hier die Chance sieht, seine gastronomische Vision zu verwirklichen – wie wir damals.“