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JubiläumsfeierFlüchtlingsinitiative hilft dabei, in Weilerswist eine Heimat zu finden

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Die drei Obengenannten stehen an einem Stehtisch, eine der Frauen hat ein Kleinkind auf dem Arm.

Anisa Abdi Naur, Milad Kakone und Khrystyna Martynenko (v.l.) berichteten von ihren ersten Erfahrungen nach der Flucht.

Seit zehn Jahren ist die Flüchtlingsinitiative Weilerswist aktiv. Bei der Jubiläumsfeier gab es bewegende Erfahrungsberichte.

Seit ihrer Flucht vor dem somalischen Bürgerkrieg vor etwa acht Jahren hat Anisa Abdi Naur viel erlebt. Mit einem Mikrofon in der Hand vielen Menschen von dieser Zeit zu berichten, das habe sie bislang jedoch noch nicht getan, gestand sie lachend während der Jubiläumsfeier zum zehnjährigen Bestehen der Flüchtlingsinitiative auf dem Gelände der Weilerswister Sophiengemeinde.

„In ein fremdes Land zu kommen und die Sprache nicht zu kennen, war am Anfang sehr schwer für mich“, sagte Anisa Abdi Naur. Schnell habe sie durch die Initiative aber Anschluss zu Bürgerinnen und Bürgern ihrer neuen Heimat erhalten, die sie bei den ersten Schritten begleitet haben. „Durch diese Hilfe und den Willen, mich hier schnell zurechtzufinden, habe ich viel erreicht, und dafür bin ich sehr dankbar.“

Ich bin eine Weilerswisterin.
Anisa Abdi Naur

Nach ihrer Ausbildung ist Anisa Abdi Naur als medizinische Fachangestellte an der Universitätsklinik Köln tätig und möchte dort auch ihr begonnenes Bachelorstudium abschließen. Zu ihrer eigenen und zur Freude jener Menschen, die sie auf diesem Weg unterstützt haben, könne sie aber schon jetzt freudestrahlend behaupten: „Ich bin eine Weilerswisterin.“

Ein Gruppenbild mit Landrat Markus Ramers, Weilerswists Bürgermeister Dino Steuer und Pfarrerin Judith Weichsel, Karin Becker und Rüdiger Tontsch.

Landrat Markus Ramers (v.r.), Bürgermeister Dino Steuer und Pfarrerin Judith Weichsel gratulierten Karin Becker und Rüdiger Tontsch zum Jubiläum.

Die Erfahrungsberichte von Anisa Abdi Naur und auch von Khrystyna Martynenko, die 2022 mit ihren Kindern aus der Ukraine nach Weilerswist kam und ebenso schnell Anschluss fand, zählten zu den emotionalen Höhepunkten der Jubiläumsfeier am Sonntag.

Viel Arbeit auch hinter den Kulissen geleistet

Als lockeres Interview von Milad Kakova geleitet, der in seine Moderationen sogar kölsche Mundart einfließen ließ, erlebten die Zuhörenden eindrucksvolle Erfahrungsberichte der Arbeit der Weilerswister Flüchtlingsinitiative. „In den vergangenen zehn Jahren gab es sowohl vor als auch hinter den Kulissen eine Menge Arbeit“, betonte Karin Becker, die bereits seit der ersten Stunde Teil des Projektes ist.

Von der Begleitung zum Arzt, zum Jobcenter oder zum Beratungsgespräch habe sich dieser Aufwand jedoch immer wieder ausgezahlt, stimmte Landrat Markus Ramers zu. „Ich habe viele Einbürgerungen miterlebt, von Familien, deren Kinder hier geboren sind und die gut Deutsch sprachen. Und ich habe Helferinnen und Helfer kennengelernt, die sie von Anfang an begleiteten.“

Die Initiative öffnet Türen in unsere Gemeinde hinein.
Bürgermeister Dino Steuer

Es sei ein Trauerspiel, dass dieser Einsatz für ihre Mitmenschen heutzutage teils als „Gutmenschentum“ abgewertet werde. „Ich jedenfalls würde mir mehr gute Menschen wünschen, und ich weiß, dass sich hier und heute viele gute Menschen befinden.“

Eine Einschätzung, die auch Weilerswists Bürgermeister Dino Steuer unterstützte. „Wenn wir heute zurückblicken, dann sehen wir keine abstrakte Vereinsgeschichte. Wir sehen Menschen, die angekommen sind. Menschen, die arbeiten, die eine Ausbildung machen, die Kinder in unseren Schulen haben. Und wir sehen Menschen aus Weilerswist, die sich dafür eingesetzt haben, dass genau das möglich wurde.“

Mitglieder haben angepackt statt wegzuschauen

Ebenso wichtig sei ein weiterer Aspekt, der sich nicht mit Akten oder Formularen messen lasse: Begegnung. „Die Initiative öffnet Türen in unsere Gemeinde hinein. In Vereine, in Sportgruppen, in die Feuerwehr, in Nachbarschaften. Sie schafft Verbindung, wo vorher Fremdheit war.“

Von den Erfahrungsberichten einiger Geflüchteter über die Danksagungen und das Lob aus Politik und Gemeinde bis zu den musikalischen Beiträgen wurde ein wichtiges Detail immer wieder betont: „Wenn wir miteinander reden und uns kennenlernen, stellen wir sehr schnell fest, dass es mehr Dinge gibt, die wir gemeinsam haben, als Dinge, die uns trennen“, fasste Milad Kakova passend zusammen.

„Hut ab und weiter so“, fügte Pfarrerin Judith Weichsel hinzu. „Sie wollten nicht wegsehen und sich darauf verlassen, dass andere diese Arbeit übernehmen. Stattdessen haben Sie selbst angepackt, um Probleme zu lösen, und dafür gebührt Ihnen mein Respekt und mein Dank.“