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Schultoiletten und iPadsIn Weilerswist kamen Schüler nicht zu Wort – Digitalisierung gestoppt

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Das Bild zeigt die Gesamtschule Weilerswist mithilfe einer Drohne fotografiert.

Aktuell gibt es viele Themen rund um die Gesamtschule Weilerswist, mit denen sich die Politik beschäftigen muss.

Die geplante Ausweitung der iPad-Ausstattung an der Gesamtschule Weilerswist ist vorerst gestoppt. Derweil geht die Diskussion um den Zustand der Schultoiletten weiter.

Die geplante Ausweitung der iPad-Ausstattung an der Gesamtschule Weilerswist ist vorerst gestoppt. Eine Mehrheit aus CDU, AfD und FDP lehnte in der jüngsten Ratssitzung die Fortführung des Pilotprojekts in seiner bisherigen Form ab und fordert zunächst eine Überarbeitung des Konzepts. SPD, Grüne und UWV hatten sich für eine nahtlose Fortsetzung ausgesprochen.

Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, das erfolgreiche Pilotprojekt schrittweise auf die Jahrgangsstufen 8 bis 13 auszuweiten und dafür künftig jährlich rund 150.000 Euro im Haushalt bereitzustellen. Grundlage war eine positiv bewertete Pilotphase im Schuljahr 2025/26, in der Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12 mit iPads ausgestattet worden waren.

Wertvolle Erfahrungen gesammelt

Nach Angaben der Verwaltung zeigte die Evaluation, dass die Geräte selbstständiges Lernen förderten, den Unterricht flexibler machten und die Motivation der Schülerinnen und Schüler steigerten. Auch beim IT-Support und bei der Geräteverwaltung seien wertvolle Erfahrungen gesammelt worden.

Im Verlauf der Beratung machte die CDU jedoch deutlich, dass sie vor einer Fortsetzung des Projekts umfangreiche Ergänzungen und Nachbesserungen des Konzepts erwarte. Welche Anforderungen im Einzelnen erfüllt werden sollen, müsse zunächst gemeinsam mit der Schule und der Verwaltung erarbeitet werden. Die SPD sprach sich dagegen für eine unmittelbare Fortführung des Projekts aus. Auch die UWV unterstützte diesen Kurs. Fraktionsvorsitzender Uwe Wegner brachte einen Kompromissvorschlag ein.

Grünen kritisieren Entscheidung

Demnach sollte das Projekt fortgeführt und die Verwaltung gleichzeitig beauftragt werden, das Konzept entsprechend der von der CDU formulierten Anforderungen weiterzuentwickeln. Da die Überarbeitung angesichts des bevorstehenden Wechsels in der Schulleitung Zeit in Anspruch nehmen werde, sollte die Digitalisierung aus Sicht der UWV dennoch nicht unterbrochen werden. Für diesen Vorschlag fand sich jedoch keine Mehrheit.

Die Grünen kritisieren die Entscheidung scharf. Für sie dürfe digitale Bildung nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Die Ergebnisse der Pilotphase zeigten aus ihrer Sicht eindeutig, dass der eingeschlagene Weg fortgesetzt werden sollte.

Besonders kritisch sehen sie einen Vorschlag von Bürgermeister Dino Steuer, wonach die iPads der bisherigen Jahrgangsstufe 12 an den künftigen achten Jahrgang weitergegeben werden sollten. Die Schüler der Pilotphase hätten ihre Geräte damit zu Beginn der Abiturphase wieder abgeben müssen. Auch die UWV warnt vor den Folgen des Ratsbeschlusses. Nach Einschätzung der Fraktion könnten die von CDU, AfD und FDP geforderten Nachbesserungen die Ausstattung weiterer Jahrgänge auf unbestimmte Zeit verzögern.

Wegner sprach von einem möglichen „Einstieg in den Ausstieg der Digitalisierung“ an der Gesamtschule und einem „Schlag ins Gesicht“ für Schule und Schülerschaft. Bemerkenswert sei aus Sicht der Grünen und der UWV zudem, dass die erforderlichen Haushaltsmittel von jährlich 150.000 Euro zuvor bereits einstimmig in den Haushalt eingestellt worden seien. Ob und wann das Projekt nach Überarbeitung des Konzepts fortgesetzt wird, ist nun offen.


SPD bügelt Vorschlag des Bürgermeisters ab

Das hatten sich Schulpflegschaft und Schülervertretung ganz anders vorgestellt. Eigentlich wollten sie ihr Anliegen zumindest dem Gemeinderat persönlich vortragen. Doch daraus wurde nichts. Der Grund: Die Sozialdemokraten hatten noch vor Sitzungsbeginn beantragt, das Thema „Schultoiletten“ von der Tagesordnung zu nehmen. Selbst den Kompromissvorschlag von Bürgermeister Dino Steuer (CDU) lehnte die SPD – mit Abstimmungsunterstützung der anderen Parteien – ab.

Der Verwaltungschef hatte angeregt, dass Schülervertretung und Schulpflegschaft zumindest zu Wort kommen, anschließend jedoch keine Diskussion stattfinden solle. Zwar wäre damit die Schulseite sicherlich nicht hundertprozentig glücklich gewesen, sie wäre aber mit einem anderen Gefühl aus dem Ratssaal gegangen. So mussten die Vertreter den Eindruck gewinnen, dass zumindest eine Partei ihre Sorgen und Nöte nicht ernst nimmt. Als Begründung für die Streichung des Tagesordnungspunkts führte SPD-Fraktionschef Hartmut Schielke an, dass die Unterlagen die Fraktion zu kurzfristig erreicht hätten und deshalb keine Entscheidung möglich sei.

Nicht nur die Gesamtschule soll betrachtet werden

Gleichzeitig regte die SPD an, die Problematik nicht ausschließlich auf die Gesamtschule Weilerswist zu beschränken, sondern die Situation an allen Schulen der Gemeinde zu betrachten. Bürgermeister Steuer zeigte Verständnis für die Kritik an der kurzfristig vorgelegten Beschlussvorlage. Zugleich warnte er davor, den Tagesordnungspunkt ersatzlos zu streichen. Das sei aus seiner Sicht ein falsches Signal gegenüber der Schule. Doch diese Warnung verhallte.

In einem umfangreichen Schreiben an den Rat der Gemeinde hatten Schulpflegschaft und Schülervertretung gefordert, kurzfristige Maßnahmen zu ergreifen, um die Situation auf den Schultoiletten nachhaltig zu verbessern. Kern des Vorschlags ist die Einführung eines digitalen Zugangssystems mit persönlichen Transpondern, das den Vandalismus eindämmen und die Sanitäranlagen wieder in einen akzeptablen Zustand versetzen soll.

Nach Darstellung der Eltern- und Schülervertreter sind die Zustände auf den Toiletten seit Jahren unzumutbar. Beschmierte Wände, beschädigte Türen und Schlösser, fehlendes Toilettenpapier, leere Seifenspender, verstopfte Toiletten und fehlende Mülleimer führten dazu, dass viele Schülerinnen und Schüler den Gang zu Toilette bewusst vermeiden.

Als Lösung schlagen Schulpflegschaft und Schülervertretung ein freiwilliges RFID-Zugangssystem vor. Schülerinnen und Schüler könnten gegen ein Pfand einen persönlichen Transponder erhalten, mit dem sich die Toiletten öffnen lassen. Die Kosten für die Transponder sollen über ein Pfandsystem gedeckt werden.


Über die Thematik soll nun am Donnerstag, 23. Juli, ab 18 Uhr in einer Sondersitzung des Bildungsausschusses beraten werden.