Die Münsterstraße in Zülpich ist zur Fußgängerzone erklärt worden. Doch viele Autofahrer halten sich nicht an die neue Regelung.
VerkehrsversuchAuf der Münsterstraße in Zülpich kommt es zu gefährlichen Begegnungen

Ein kurzes Zögern, dann fährt das Auto in die Fußgängerzone. So spielt es sich mehrfach täglich auf der Münsterstraße ab.
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Seit gut vier Wochen ist die Münsterstraße in Zülpich Fußgängerzone auf Probe. Allerdings: Fußgänger sieht man dort eher selten, dafür herrscht reger Autoverkehr. Vom eigentlichen Ziel des Verkehrsversuchs, einem rücksichtsvollen Miteinander von Fußgängern, Lieferverkehr und den Anwohnern, die dort ihre Parkplätze haben, ist man in Zülpich derzeit noch weit entfernt.
Anwohner und Geschäftsleute berichten von unerfreulichen Begegnungen mit Autofahrern, die wenig Einsicht zeigten. Dieser Tage musste die Polizei einschreiten, weil der Streit zwischen einem Fußgänger und einem Autofahrer eskalierte. Die städtische Politesse sei auf der Münsterstraße schon „übelst angemacht“ worden, berichtete Angela Kalnins (Grüne) in der jüngsten Ratssitzung.
Die Polizei will in Zülpich verstärkt kontrollieren
Mittlerweile ist nicht mehr nur der städtische Ordnungsdienst unterwegs, sondern auch die Polizei. Die Politessen sind ja nur für den ruhenden Verkehr zuständig, sprich, sie kontrollieren, ob Autos ohne Anwohnerparkschein an der Münsterstraße abgestellt sind.

Die Polizisten haben reichlich zu tun. Wer unbefugt durch die Fußgängerzone gefahren ist, muss ein Bußgeld bezahlen.
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Aus der Kreispolizeibehörde heißt es, man werde künftig häufiger auf der Münsterstraße kontrollieren. Wer das Durchfahrtsverbot missachtet, muss mit 60 Euro Bußgeld plus Verwaltungsgebühr rechnen. Daran ändern auch die beiden gängigen Ausreden nichts: „Ich fahre hier seit Jahren her“ oder „Ich habe kein Schild gesehen“.
Tatsächlich kann die Situation auf den ersten Blick irritieren. Am Münstertor ordnet ein Schild Tempo 30 an. Dahinter kann man noch, völlig legal, in Brauersgasse oder Von-Lutzenberger-Straße abbiegen. Hinter den Abzweigungen dann steht das Schild, das die Münsterstraße als Fußgängerzone ausweist.
Das neue, gelbe Schild ist kaum zu übersehen
Mittlerweile hat die Stadtverwaltung unter dem regulären, weißen Schild noch ein gelbes anbringen lassen, das auf die geänderte Verkehrsreglung hinweist. Zu übersehen ist das kaum. Dort kann man beobachten, dass viele Autofahrer kurz abbremsen, um dann doch durchzufahren.
Im Juni hatte der Stadtrat beschlossen, die Münsterstraße probeweise für ein Jahr als Fußgängerzone ausweisen zu lassen – mit der Option, den Testlauf früher zu beenden, wenn es gar nicht klappt. Der Zeitpunkt erschien logisch, schließlich ist die Münsterstraße im Zuge der großangelegten Innenstadtsanierung neu gestaltet worden.
Es liegt nicht an den Schildern, es liegt an den Köpfen.
Bürgermeister Ulf Hürtgen bat jetzt um Geduld: Es werde besser, aber es gebe immer noch Ausreißer. In der ersten Woche seien nur Hinweiszettel an die Verkehrssünder verteilt worden, mittlerweile werde kassiert. Hürtgens Erkenntnis: „Es liegt nicht an den Schildern, es liegt an den Köpfen.“
Claudia Reinhardt, Inhaberin des Büchergeschäfts Lesewald an der Münsterstraße, hatte sich das anders vorgestellt: „Ich hatte gedacht, nachdem in der Münsterstraße so lange eine Baustelle war, haben sich die Leute daran gewöhnt, dass man hier nicht mehr durchfahren kann.“
Anlieger der Münsterstraße haben Angst um die Kinder
Ein Problem sei, dass Google Maps Autofahrer nach wie vor über die Münsterstraße leite. Ebenso wie Claudia Reinhard macht sich auch Steffi Künstler, die in einem Geschäft an der Straße arbeitet, Sorgen um die Sicherheit der Fußgänger, vor allem der Kinder.
Denn wer mitten auf der Straße gehe, sei zwar einerseits im Recht, andererseits aber in Gefahr. Sie denke dabei an die Kinder des nahegelegenen Kindergartens, die manchmal als Gruppe dort unterwegs seien: „Nicht auszudenken, wenn da mal etwas passiert.“ Zumal sie beobachtet habe, dass einig Autofahrer auch deutlich schneller als mit 30 Stundenkilometern unterwegs seien.
Man sollte den Poller hochfahren, wenigstens vorübergehend.
Auch sie erzählt, dass sie schon beschimpft worden sei, als sie Leute darauf hingewiesen habe, dass sie durch eine Fußgängerzone führen. Während Künstler vorschlägt, bunt angemalte Kinderfiguren aus Holz aufzustellen, um auf die Kinder hinzuweisen, ist Claudia Reinhardt für eine radikalere Lösung.
„Man sollte den Poller hochfahren, wenigstens vorübergehend.“ Die versenkbare Zufahrtssperre ist im Zuge der Straßensanierung eingebaut worden. Sie in Betrieb zu nehmen, wurde auch im Rat diskutiert. Allerdings müssten dann Anwohner und Lieferanten beispielsweise einen Transponder bekommen, um einfahren zu können.
Anlieferer dürfen die Straße befahren
Eine weitere Frage steht im Raum: Nach welchen Kriterien wird eigentlich entschieden, ob der Versuch am Ende als gelungen oder als gescheitert bewertet wird? Das wollte auch Angelika Kalnins wissen, bekam in der Ratssitzung aber keine klare Antwort.
Die derzeitige Regelung ist ein Kompromiss, weil beispielsweise der Fahrradhändler an der Straße auf Anlieferungen angewiesen ist, die sich nicht nur auf die frühen Morgenstunden beschränken. Und die Anwohner müssen zu ihren Parkplätzen kommen.
Ob die Geschäfte von der Fußgängerzone profitieren werden oder ob noch mehr Leerstände die Folge sein werden, wird sich im Laufe des Versuchs zeigen. Claudia Reinhardt hat immerhin eine gute Idee, wie sie den Verkehr völlig legal zumindest zeitweise beruhigen kann:„ Wir könnten ja auf der Fahrbahn Federball spielen“, schlägt sie vor.
