Düsseldorf – „Die Ina wird was.“ Auf diese Prognose wollte der Informant aus dem Landesverband der NRW-CDU am Tag vor der Kabinettsvorstellung eine hohe Wette eingehen. Der Strippenzieher hatte Recht. An Ina Scharrenbach ging bei der Postenvergabe kein Weg vorbei. „Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung“, steht seit rund 100 Tagen auf ihrer Visitenkarte. Die Politikerin aus Kamen muss sich erst noch daran gewöhnen, zur Polit-Prominenz von NRW zu gehören. „Ich bin kein eitler Mensch“, erklärt die 41-Jährige, als der „Kölner Stadt-Anzeiger“ sie in ihrem Dienstwagen, einem Audi A8, begleitet. Privat fährt sie einen Audi A3, der 300 000 Kilometer gelaufen hat. „Ich finde, Politiker sollten keine Selbstdarsteller sein, sondern sich um Sachthemen kümmern“, sagt die gelernte Bankkauffrau.
„Die Arbeit von Scharrenbach war ein Sargnagel für Ralf Jäger“
Ein Sachthema war es, das Ina Scharrenbach im vergangenen Jahr bekanntgemacht hat. Als Obfrau im Untersuchungsausschuss zur Kölner Silvesternacht nahm sie die Rolle der Chefanklägerin ein. Mit enormem Fleiß arbeitete sie sich durch die Aktenberge. In den Sitzungen konfrontierte sie die frühere Landesregierung immer wieder mit den Belegen für das Staatsversagen. „Die Arbeit von Scharrenbach war ein Sargnagel für den damaligen Innenminister Ralf Jäger“, heißt es in der CDU-Landtagsfraktion. Die Ministerin gibt sich bescheiden: „Die Arbeit im Ausschuss hatte einen gewissen Anteil daran, dass das Thema Innere Sicherheit eine wichtige Rolle im Wahlkampf spielte“, sagt sie rückblickend.
Ina Scharrenbach ist seit 1996 CDU-Mitglied. Die Ministerin kommt aus bodenständigen Verhältnissen. „Meine Eltern hatten eine Gärtnerei, die mein Zwillingsbruder heute noch führt.“, sagt die Westfälin. Die Jugendzeit habe sie geprägt, erklärt Scharrenbach. „In die weite Welt hat es mich nie gezogen. Ich lebe heute noch in Kamen. Manche finden das vielleicht spießig. Ich stehe dazu.“ Beim Tanzen hat sie es bis zum Bronzekurs gebracht. Ihr Lieblingsessen ist „Himmel und Erde“. Scharrenbach mag die Schweden-Krimis mit Kommissar Wallander und guckt gerne Tatort, am liebsten Folgen aus Münster.
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In der Union hatte Scharrenbach auch als Frauen- und Familienpolitikerin einen Namen gemacht. Auf Vorschlag der Frauen-Union wurde sie 2012 zur stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt.
Bei den Männern in der Ruhr-CDU stieß ihre robuste Art nicht immer auf Beifall. „Ich habe Respekt vor ihrer Arbeit, aber mit der muss ich kein Bier trinken“, sagt ein Unionsabgeordneter. In Düsseldorf ist man gespannt darauf, wie Scharrenbach ihr bunt zusammengefügtes Ressort in den Griff bekommt. Bescheidenheit und Fleiß alleine werden für das Amt nicht ausreichen.
Die Ministerin ist es gewöhnt, mit Vorbehalten umzugehen. „Ich bin eine typische Westfälin, eher etwas zurückhaltend und bisweilen stur,“ sagt die Hobby-Radrennfahrerin. Als Heimatministerin will sie die unterschiedlichen Traditionen im Land stärken. „Die Rahmenbedingungen für eine lebenswerte Heimat zu schaffen, ist deshalb eine zentrale Aufgabe von Politik.“

