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Gesundheit für TiereIn Burscheid lernen Hundewelpen schwimmen

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Mitarbeiterin Julia Scholz begleitet einen Welpen beim ersten Schwimmversuch.

Mitarbeiterin Julia Scholz begleitet einen Welpen beim ersten Schwimmversuch.

Tierheilpraktikerin Katrin Wenk bietet in Burscheid Physiotherapie für Hunde im Wasser an. In ihrem Pool lernen auch Hundewelpen schwimmen. Aber die haben manchmal ganz andere Dinge im Kopf.

Katrin Wenk hat keine Angst vor dem weißen Hai in ihrem Pool. Und das, obwohl sie ihn „das Teufelchen“ nennen. Der kleine Dalmatiner ist fast acht Wochen alt und wirkt – trotz Schwimmweste mit Haifischflosse – noch etwas unbeholfen im Wasser. Heute ist er bei Tierheilpraktikerin Wenk in Burscheid zu Besuch, um seine ersten Schwimmversuche zu machen.

In den Räumen einer ehemaligen Butterei hat Wenk ihre Praxis: Seehund Hundephysio. Im größten Raum steht der Pool. Er ist sechs Meter lang, vier Meter breit und etwas mehr als einen Meter tief. Sein Gewicht: mehr als 20 Tonnen. Hier lernen die Hunde schwimmen oder können sich mit ihren Besitzern auch einfach mal im Wasser austoben. Ist der Schwimminstinkt bei Hunden nicht angeboren? „Nein“, sagt Katrin Wenk. „Es gibt so eine Art Paddelreflex, mit dem sie sich im Wasser fortbewegen.“ Aber der ist nicht besonders effizient. Die vorderen Beine arbeiten mehr als die Hinterbeine.

„Wenn man Pech hat, gehen die Hunde dann unter wie die Titanic.“ Deswegen bietet Wenk Kurse an, in denen sie sich an das Wasser gewöhnen und die richtigen Bewegungen lernen können. Zu ihr kommen Welpen, aber auch Hunde aus dem Tierschutz, die Wasser nie kennengelernt haben. Nach vier bis fünf Kursstunden können die meisten schwimmen. Gibt es hinterher auch ein Abzeichen? „Leider nicht“, sagt Wenk.

Noch skeptisch: Dalmatinerwelpe „Teufelchen“ vor seiner ersten Schwimmstunde.

Noch skeptisch: Dalmatinerwelpe "Teufelchen" vor seiner ersten Schwimmstunde.

Im Raum nebenan steht ein Kasten, der aussieht wie ein großes Aquarium. „Da drin ist unser Unterwasserlaufband.“ Den Boden kann Wenk hoch- und runterfahren. Solche Laufbänder sind gut für Hunde, die Schmerzen haben oder sich nicht mehr so gut bewegen können. „Das ist ähnlich wie beim Menschen“, sagt sie. „Im Wasser fallen die Bewegungen leichter, weil die Gelenke weniger belastet werden.“ Wenn Hunde etwa einen Schlaganfall hatten oder eine schwere OP, lernen sie dort wieder, wie sie richtig laufen. „Das kann enorm helfen“, sagt Wenk. So war es auch bei Finn, einem Hütehund, der zu ihr in die Praxis kam. „Der war nach einem Hundebiss komplett gelähmt und konnte anfangs nicht mal den Kopf heben.“ Wochenlang behandelte sie Finn mehrmals am Tag. „Der ist nachher wieder spazieren gegangen“, sagt die 50-Jährige.

Wenks Kunden kommen aus dem Westerwald und dem Ruhrgebiet

Wenk arbeitet seit 20 Jahren als Tierheilpraktikerin. Ihre Praxis in Burscheid hat sie vor zehn Jahren eröffnet. Ihr Schwerpunkt: Therapie im Wasser. Warum eigentlich? „Das lag an unserer Großbaustelle“, sagt sie. Die Großbaustelle war ein Belgischer Schäferhund namens Spoon, um den sich Wenk damals gekümmert hat. „Spoon hatte kaputte Hüften und musste operiert werden“, sagt Wenk. Nach der OP waren die Schmerzen zwar besser, aber Spoon brauchte Physiotherapie, bestenfalls im Wasser.

Die nächste Praxis war damals in Menden. Also fuhr Wenk eine Zeit lang jeden Sonntag dorthin: eine Stunde Hinweg, eine Stunde Therapie, eine Stunde Rückweg. „Ich habe gesehen, wie gut es ihm geholfen hat“, sagt Wenk. „Deswegen wollte ich so etwas auch hier in der Region anbieten.“ Die Nachfrage ist groß: Ihre Kunden kommen aus dem Westerwald oder dem Ruhrgebiet.

Manche Welpen sind im Wasser noch etwas unsicher.

Manche Welpen sind im Wasser noch etwas unsicher.

Das Teufelchen und seine vier Geschwister hatten es an diesem Tag nicht so weit. Sie sind mit Wenks Mitarbeiterin Julia Scholz aus Wermelskirchen angereist. Die Hundetrainerin arbeitet seit zwei Jahren mit Wenk zusammen. Der Schwimmunterricht für Welpen gehört für sie zum Alltag. „Wenn es die eigenen sind, ist es aber trotzdem etwas Besonderes“, sagt Scholz. Heute geht es vor allem darum, die kleinen Dalmatiner schon mal an Wasser zu gewöhnen. In ein paar Wochen ziehen die Welpen nämlich bei ihren neuen Familien ein. Dann sollen sie keine Angst mehr vor Wasser haben.

Bereit für die erste Schwimmstunde (v.l.): Dalmatinermama Schmitzi, Mitarbeiterin Julia Scholz und Tierheilpraktikerin Katrin Wenk.

Bereit für die erste Schwimmstunde (v.l.): Dalmatinermama Schmitzi, Mitarbeiterin Julia Scholz und Tierheilpraktikerin Katrin Wenk.

„Damit das alles ganz entspannt läuft, gehen wir immer nur mit einem Welpen ins Wasser“, sagt Scholz. Sie trägt einen Neoprenanzug und versucht, den Welpen ihre Schwimmwesten anzuziehen. Mit mäßigem Erfolg, denn die Kleinen sind viel mehr an ihrer Umgebung interessiert. Sie ziehen lieber Besenstiele durch den Raum oder knabbern die Schuhe der Reporterin an. „Das ist typisch für das Alter“, sagt Scholz. „Ungefähr ab der achten Woche wollen sie die Welt entdecken.“ Tierheilpraktikerin Wenk sagt gar nichts mehr. Sie ist unter einem Haufen Welpen und Dalmatinermama Schmitzi kaum noch zu erkennen.

Mitarbeiterin Julia Scholz unterstützt einen Welpen bei seiner ersten Schwimmstunde.

Mitarbeiterin Julia Scholz unterstützt einen Welpen bei seiner ersten Schwimmstunde.

Dann ist es so weit. Das Teufelchen ist an der Reihe. Scholz trägt den Kleinen auf dem Arm und läuft über eine Rampe in den Pool. Erstmal geht sie ein paar Runden, lässt ihn das Wasser beobachten. Dann hält sie ihn etwas tiefer hinein, sodass seine Beinchen nass werden. „Wir gehen da ganz behutsam vor“, sagt sie. Das Teufelchen wirkt ganz gelassen, schaut das Wasser an. Dann taucht Scholz ihn noch etwas tiefer ein, bis er von allein schwimmt. Der Welpe ist schnell unterwegs, erkundet einmal den Rand des Pools, bevor Scholz ihn wieder hochhebt. „Das war es schon für heute“, sagt sie.

Dann ist sein Bruder an der Reihe. Er ist außerhalb des Pools ein echter Draufgänger. Doch im Wasser schwimmt er nur einen Halbkreis, bevor er wieder in Scholz’ Arme zurückwill. Sie lacht. „Das ist schon mega interessant: Die Hunde, die draußen immer Randale machen, sind dann im Wasser eher schüchtern.“ Nacheinander haben auch die anderen drei ihre erste Schwimmstunde. Nach 45 Minuten waren alle einmal dran. Dann ist es auf einmal ganz ruhig im großen Raum. Die Welpen liegen eingepackt in Handtüchern auf Katrin Wenks Schoß und schlummern. Schwimmen macht müde.