Auch wenn der Chor der Kritiker zuletzt vielstimmiger geworden ist: im Rathaus wird die Verschönerung von Marktplatz und Kirchenkurve planmäßig abgearbeitet. „Der Antrag wurde von der Stadt Burscheid fristgerecht über das Online-Portal eingereicht“, sagte jetzt Sprecherin Ann-Kathrin Gusowski auf Anfrage.
Die Deadline sollte Ende Oktober sein. In der SPD-Fraktion war das in den vergangenen Monaten immer mehr als Zeitdruck empfunden worden – dem man sich am Ende nicht beugte: Im nächsten Frühjahr könne man sich immer noch um die millionenschwere Landesförderung bemühen. So viel Zeit müsse sein, um noch offene Fragen zu klären, hieß es zuletzt im Stadtrat.
Gemeint war damit unter anderem das endgültige Okay der Evangelischen Landeskirche für eine Kostenbeteiligung. Die Burscheider Gemeinde zeigt sich schon länger bereit, sich auch finanziell an der Verbesserung der Kirchenkurve zu engagieren. Die Mauer am Fuß des Sakralbaus soll in eine kleine Tribüne umgewandelt werden. Damit würde der architektonisch sehr ansprechende Platz als Versammlungsort extrem aufgewertet. Dass dies organisatorisch nur klappt, wenn Stadt und Kirche dort Hand in Hand arbeiten, versteht sich. Umso mehr war den Sozialdemokraten im Stadtrat daran gelegen, dass diese Kooperation auch schriftlich fixiert ist, bevor das Großprojekt angeschoben wird. Im Rathaus vertraut man an diesem Punkt auf die Absprachen mit der Evangelischen Gemeinde Burscheid.
Planer drückt aufs Tempo
Planer Hans-Joachim Hamerla vom Düsseldorfer Büro ASS hatte zuletzt zur Eile gedrängt: Die Konditionen für die Landesförderung seien überaus günstig. Unter anderem gibt es eine Regelung, durch die etwaige Kostensteigerungen aufgefangen werden sollen. Das ist natürlich außerordentlich wichtig bei einem Sanierungsprojekt, das über mehrere Jahre laufen wird – derzeit ist von fünf die Rede. Hamerla wollte aber nicht versprechen, dass sich an den Konditionen nächstes Jahr nichts ändert. Deshalb sei es wichtig, jetzt den ersten Schritt zu machen und den Förderantrag im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung von Ina Scharrenbach zu stellen.
Aus Sicht der Verwaltung und der Mehrheit im Stadtrat sind der Umbau des Marktplatzes zu einem vielfach nutzbaren Veranstaltungsplatz sowie die Umgestaltung der Kirchenkurve „das Rückgrat für die Entwicklung der Altstadt“, denn es gehe um die Veränderung der öffentlichen Räume. Bei dem Konzept konnten auch Bürgerinnen und Bürger mitreden. Im Rathaus ist von einem „umfangreichen Partizipationsprozess“ die Rede, in dessen Verlauf das Konzept weiterentwickelt wurde.

Zu viel Parkplatz ist bisher auf dem Marktplatz. Er soll sich mit der Umgestaltung ändern.
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Der Umbau von Marktplatz und Kirchenkurve wird aber nicht alles sein: Unter der Überschrift „Aktivierung der Altstadt“ soll die Entwicklung vertieft werden. Dazu wird ein Verfügungsfonds aufgelegt; und für Hauseigentümer gibt es ein Fassadenprogramm. Letzteres habe anderswo in der Burscheider Innenstadt schon gute Wirkung erzielt, so Planer Hamerla.
Stand jetzt sind gut 4,5 Millionen Euro der Kosten zuschussfähig, und das Land beteiligt sich mit 60 Prozent. Von den gut 1,8 Millionen Euro, die nach heutigen Kosten von der Stadt Burscheid zu tragen sind, können etwa 70.000 Euro abgezogen werden: Das ist der Anteil der Evangelischen Kirche an der Umgestaltung der Kirchenkurve.

