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Nach 43 JahrenEine Pionierin verlässt das Leichlinger Rathaus

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Ute Gerhards geht nach 43 Jahren im Dienst für die Stadt Leichlingen in den Ruhestand.

Ute Gerhards geht nach 43 Jahren im Dienst für die Stadt Leichlingen in den Ruhestand.

Ute Gerhards war die erste Pressesprecherin der Blütenstadt.

Die allererste Stadtsprecherin von Leichlingen geht nach 43 Jahren in den Ruhestand. Denn vor Ute Gerhards existierte das Amt im Organigramm der Stadt gar nicht. Daher ist es wohl nicht vermessen, zu behaupten, dass es kaum einen Posten im Leichlinger Rathaus gibt, der so von einer Person geprägt wurde. Stadtdirektoren und Bürgermeister wechselten, ebenso die Verwaltung. Aber Ute Gerhards blieb – „loyal und parteiunabhängig“.

Zuletzt hieß Ute Gerhards’ Position „Stabsstellenleiterin des Bürgermeisters“, sechs zentrale Abteilungen hätten unter ihrer Verantwortung gestanden, teilt die Stadt Leichlingen mit: Presse- und Medienarbeit, Ratsbüro und Fachausschüsse, Repräsentation des Bürgermeisters, Stadtmarketing und Veranstaltungen, Kultur und Stadtarchiv. Jetzt geht sie, die sich für ihre Heimatstadt immer „mit Ideenreichtum, Kreativität, Organisationstalent und Durchsetzungsvermögen“ eingesetzt habe.

Ute Gerhards ist in Leichlingen aufgewachsen, machte in der Blütenstadt Abitur am heimischen Gymnasium, ging dann nach Köln an die Fachhochschule, wo sie ihr Examen als Diplom-Verwaltungswirtin ablegte. Bei der Verwaltung „ihrer“ Stadt wurde sie dann die erste Pressesprecherin. Durchaus mit dem Drang, „auch als Verwaltung mal neue Wege zu beschreiten und etwas Ausgefallenes auf die Beine zu stellen“, so Gerhards’ erste und einzige Arbeitgeberin. So hat Ute Gerhards zum Beispiel die erste Stadt-Homepage, die 1999 online ging, mitgestaltet.

Viele Aktionen auf die Beine gestellt

Die Höferoute, der Rathausführer, die Verzeichnisse für Unterkünfte und Restaurants, dazu weitere Broschüren, Umweltfibeln und eigene Veranstaltungen – all das habe sie ins Leben gerufen und organisiert. Zwei Beispiele: die Leichlinger Umwelttage von 1987 bis 1994 und die Aktion „Eine Stadt geht auf Reisen“ ab 1989.

Der erste Kindersommer 2001 war dann auch die Idee von Ute Gerhards. Organisationen, Gruppen, Vereine, Künstler und viele mehr beteiligten sich am Kinderfest auf dem Spielplatz unterhalb der Feuerwache Am Wallgraben. Auch die „Buntstifte-Mikado-Skulptur“ und die „Schmetterlings- und Libellenwiese“ in der Brückenstraße, der „Rappelkopp“, die Sandsteinskulptur von Berthold Welter, und das Indianer-Tipi im Neuen Stadtpark sowie die „Eule“ am Kreisel Montanusstraße gehen auf eine Initiative von Ute Gerhards zurück. Sie hatte nämlich in den ersten fünf Jahren des Kindersommers Künstlerinnen und Künstler organisiert, die mit jungen Menschen diese Skulpturen formten.

Ute Gerhards war für den Leichlinger Frühling zuständig, motivierte weitere Mitstreiter für die Wirtschaftswoche in der Balker Aue und organisierte den 25. Verwaltungsgeburtstag 1998. Aus diesem Rathausfest im Neuen Stadtpark wurde dann ab 2000 das Bürgerfest, auf dem unter anderem Köbes Underground und Tommy Engel spielten.

Ganz Witzhelden feierte wahrlich ein Volksfest.
Stadt Leichlingen

Anlässlich des 825-jährigen Bestehens von Witzhelden stellte Ute Gerhards 2009 ein Volksfest mit Handwerkermarkt auf die Beine. Mehr als 100 Stände der Handwerksbetriebe hatten sich vom Marktplatz an der evangelischen Kirche sternförmig über das Höhendorf ausgebreitet: „Ganz Witzhelden feierte wahrlich ein Volksfest“, erinnert sich die Stadtverwaltung.

Dass sich Leichlingen auch auf der Landesgartenschau in Leverkusen im Jahr 2005 präsentierte, war auch ihre Idee. Der 20. August wurde zum „Leichlingen Tag“, mit dabei: 1400 Aktive. Infolge der Großbaustelle an der Neukirchener Straße rief die Stadtsprecherin den „Tag des Kanals“ ins Leben, mit Besichtigungen und Musik. In Zusammenarbeit mit Ursula Roy vom Wirtschaftsförderungsverein und Georg Ott organisierte sie 2003 das „Kreiselfest“ im Stadtzentrum. Der Höhepunkt: die längste Bergische Kaffeetafel in der Brückenstraße mit 400 Bürgerinnen und Bürgern. Und wer waren die Kellner? Ein Team der Verwaltung um den damaligen Bürgermeister Ernst Müller.

Auch in der Krisenkommunikation spielte sie in den Krisenstäben von Bürgermeister Frank Steffes eine wichtige Rolle: bei Starkregen, Corona, Hochwasser, Ukrainekrieg und Energiekrise, Hackerangriff. Dazu die Stadt: „Stets muss die Stadtgesellschaft in solchen Fällen bestmöglich und auf allen Kanälen informiert werden und erfahren, welche Entscheidungen in diesen Ausnahmesituationen getroffen werden, welche Vorkehrungen man treffen sollte.“

Als Zuständige für die Kultur setzte Gerhards auch in diesem Ressort viele eigene Ideen um: Kultur im Schloss zum Beispiel. Oder zahlreiche Lese-, Konzert- oder Karikaturabende im Schloss Eicherhof. Kultur auf dem Hof war ebenfalls ihre Idee, als man wegen Corona keine Kulturveranstaltungen mehr in geschlossenen Räumen organisieren konnte.

Die künftige Ruheständlerin sagt selbst über die 43 Jahre: „Ich bin sehr dankbar für all das, was ich in meinem Berufsleben in großer Freiheit und Selbstständigkeit umsetzen durfte.“ Was langjährige Kolleginnen und Kollegen im Rathaus sicher vermissen werden: Ihr Aufruf zur „Attacke“, wenn es galt, etwas anzupacken.