Bei der Kommunalwahl im September 2025 war Lothar Esser für die FDP als Bürgermeisterkandidat angetreten.
Nach 17 JahrenLothar Esser verlässt die Leichlinger Politik

Lothar Esser (FDP) verlässt die Leichlinger Politik. (Archivbild)
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Lothar Esser verlässt die politische Bühne in Leichlingen nicht einfach so. Bevor er als FDP-Ortsvorsitzender am Freitag, 27. Februar, zum letzten Mal den Ortsparteitag eröffnet, hat er es sich nicht nehmen lassen, noch einmal dahin zu schauen, wo er sich von Berufs wegen schon auskennt: auf das Geld.
Esser, der nach seinem Studium zuerst in einer Wirtschaftsprüferkanzlei gearbeitet und sich nach verschiedenen Führungsstellen 1995 im Bereich Finanzen selbstständig gemacht hatte, hat sich den Leichlinger Haushaltsentwurf, der gerade durch die Ausschüsse geht, einmal genauer angeschaut.
Die Stadt stehe „vor einem finanziellen Abgrund“, formuliert er drastisch. Es drohe eine reine Mangelverwaltung. Besonders Sorgen macht ihm, dass die Stadt, um die laufenden Kosten zu decken, ans Eigenkapital ranmüsse. Bis 2029 wird das nach aktueller Finanzplanung auf 101 Millionen Euro schmelzen, das ist ein Minus von rund einem Drittel in 20 Jahren – 2009 lag das Eigenkapital noch bei 153,5 Millionen Euro. Der aktuelle Haushaltsentwurf sieht ein Defizit von rund 5,3 Millionen Euro vor.
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Weitere Erhöhungen könnten zur Abwanderung von Gewerbebetrieben führen, was die Einnahmebasis weiter schwächt.
Und demnächst müsse man sehr viel Geld ausgeben: „Der Neubau des Schulzentrums und die Sanierung des PCB-belasteten Rathauses werden auf rund 200 Millionen Euro geschätzt“, sagt Esser. Drumherum komme man aber nicht, die Projekte seien alternativlos, aber „eine finanzielle Herkulesaufgabe“. Und die Zinslast – denn die Stadt müsse dafür natürlich Kredite aufnehmen – liegt laut Esser bei einem 3,5-Prozent-Niveau bei sieben Millionen Euro im Jahr. Und vom Land kämen lediglich 11,4 Millionen Euro Förderung, das entspreche lediglich etwa fünf Prozent.
Die Antwort der Stadt: Steuererhöhungen. Sowohl der Hebesatz für die Grundsteuer B als auch für die Gewerbesteuer soll angehoben werden. Der Freidemokrat warnt vor einem Teufelskreis: „Weitere Erhöhungen könnten zur Abwanderung von Gewerbebetrieben führen, was die Einnahmebasis weiter schwächt.“
Der Fehler liege allerdings im System an sich, sagt Esser, Jahrgang 1954. Die Sozialleistungen steigen, ebenso die Personalkosten. Bei Investitionen komme man nicht voran. Sein Fazit: „Ohne eine grundlegende Reform der Gemeindefinanzen und eine stärkere Übernahme von Soziallasten durch den Bund bleibe die kommunale Selbstverwaltung ‚ein Versprechen am seidenen Faden‘.“
Kein kompletter Rückzug
Auf solche Einschätzungen muss die Leichlinger Politik ab Freitag verzichten. Nach 17 Jahren Kommunalpolitik auf Stadt- und Kreisebene ist für Lothar Esser Schluss. Für drei Kommunalwahlen war er als FDP-Chef in Leichlingen verantwortlich: „Die gewünschte Fraktionsstärke haben wir leider nie mehr erreichen können.“ Zurzeit sitzt mit Frederik Käding ein FDP-Vertreter im Leichlinger Stadtrat. Auch wenn Esser glaubt, dass bundespolitische Ereignisse und Entwicklungen dazu beigetragen haben, gesteht er, „dass wir auch beim Leichlinger Bürger mit lokalen Themen nicht ausreichend gut gepunktet haben“.
Neben den Kommunalwahlen war er bei vier Bundestags-, drei Landtags- und drei Europawahlen dabei: „Immer auf der Straße gestanden, mit dem Bürger gesprochen und diskutiert.“ Leicht sei es für die FDP nie gewesen. Am schwierigsten sei es aber 2014 gewesen: „Ich erinnere mich an teils verächtliche oder gar höhnische Reaktionen und Gesten, der Bürger hatte für die FDP nichts mehr übrig.“ Das schlug sich dann auch in den Wahlergebnissen nieder.
Dennoch blickt er versöhnlich auf die vergangenen 17 Jahre zurück: „Ich blicke mit Dankbarkeit, Demut und auch mit ein bisschen Stolz auf die Zeit im Stadtrat und im Kreisvorstand zurück. Es war mir eine Ehre, das gesellschaftliche Leben und die Entwicklung unserer Heimatstadt und des Kreises aktiv mitgestalten zu dürfen.“
Ganz zurückziehen wird sich Esser, dessen politisches Engagement 2012 als sachkundiger Bürger begann, allerdings nicht. Er wird im FDP-Landesfachausschuss weiter Leiter des Arbeitskreises „Kommunale Finanzen“ sein. Denn, so sagt er, sein Augenmerk galt stets der soliden Haushaltspolitik.
Lothar Esser war zweimal FDP-Ortsvorsitzender Leichlingen (2011 bis 2021 und 2023 bis 2026), von 2020 bis 2022 Kreisvorsitzender, von 2014 bis 2021 Ratsmitglied, von 2012 bis 2014 sachkundiger Bürger. Zuletzt war er für die FDP als Bürgermeisterkandidat bei der Kommunalwahl 2025 angetreten.

