Unterhalb der Fußgängerbrücke über die Wupper am Pastorat in Leichlingen ist ein neuer Hochwasserpegel in Betrieb gegangen.
HochwasserschutzLeichlinger Wupperpegel verschafft bei Regenfluten mehr Zeit

Der neue Wupperpegel am Pastorat in Leichlingen
Copyright: Peter Seidel
An der Fußgängerbrücke über die Wupper, auf der flussabwärts liegenden Seite, ragt ein üblicher Pegelmessstab aus dem Wasser des Flusses. Daneben aber liegt ein knallgrünes Rohr auf dem Ufergeröll. Und aus einem viel kleineren braunen Rohrstutzen plätschert munter Wasser in die Wupper. Und wer die Wupperbrücke überquert, steht nach wenigen Schritten auf dem östlichen Ufer vor zwei großen Schaltschränken, auf denen das imposante Graffito eines Eisvogels prangt. Das gesamte Ensemble ergibt den neuen Hochwassermeldepegel „Am Pastorat“ in Leichlingen.
Zur Vorstellung der neuen Apparatur waren eigens die Präsidentin des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima NRW (Lanuk), Elke Reichert, aus Recklinghausen und Wupperverband-Vorstand Ingo Noppen aus Wuppertal zu der Fußgängerbrücke in der Nachbarschaft des Schulzentrums gekommen. Reichert erläuterte, dass der neue Pegel Teil des landesweiten Ausbauprogrammes für Gewässerpegel ist, in dessen Rahmen in NRW 26 neue Hochwassermeldepegel in Betrieb genommen wurden. Reichert: „Je mehr Daten man hat, umso besser kann man eine Lage beurteilen. Und je früher man etwas weiß, desto eher kann man reagieren.“

Viel Messtechnik und ein bisschen Wupperwasser verbirgt sich in diesen beiden Schaltschränken am Pastorat.
Copyright: Peter Seidel
Noppen erläuterte, dass der Aufbau des Pegels mit 100.000 Euro aus den Mitteln für das Hochwassermeldesystem 4.0 gefördert wurde, ein Forschungsprojekt fürs Bergische Land, das das Landesklimaschutzministerium zur Verfügung stellt. Auch er betont die „hohe Datenverfügbarkeit in Echtzeit“ und weist darauf hin, dass am Pastorat nicht nur der Wasserstand, sondern auch die Wasserqualität der Wupper anhand einer Vielzahl von Parametern erhoben wird. Noppen führt weiter aus, dass bei der Einrichtung des neuen Pegels Redundanz ein wichtiger Aspekt gewesen sei.
Was damit gemeint ist, erläutert vor den Schaltschränken mit dem Eisvogel Nicole Schneider, beim Wupperverband im Hochwasserschutz tätig und Projektleiterin für die Konzeption und den Bau des neuen Pegels. „Wir haben für den Pegel unterschiedliche Messverfahren eingebaut und auch verschiedene Übertragungsverfahren, nämlich einmal die Übertragung per Glasfaserkabel und zum anderen den Weg über niederfrequenten Mobilfunk.“ Wenn eine Messtechnik oder ein Übertragungsweg ausfällt, gibt es also immer noch eine Alternative.

Ingo Noppen, Vorstand des Wupperverbandes, Elke Reichert, Präsidentin des Lanuk, Bürgermeister Maurice Winter und ein Mitarbeiter des Wupperverbandes (v. l.)
Copyright: Peter Seidel
Sogar die Stromversorgung für die gesamte Technik in den beiden Schränken am Wegesrand ist autark – zumindest für 14 Tage. Falls die Energie über das öffentliche Netz im Fall einer Katastrophe nicht mehr fließt, „gewährleisten Pufferbatterien die Energieversorgung für zwei Wochen“, so Schneider. Über die Stationsübersicht im Hochwasserportal des Wupperverbandes ist der Pegelstand der Wupper am Pastorat nebst einer Einordnung durch den Verband jederzeit aktuell ablesbar. Am Donnerstagnachmittag lag der Abfluss bei 4,3 Kubikmetern pro Sekunde. „Unkritisch“, stand dazu oben links in der Ecke des Diagramms und darüber die Sätze: „Der Pegelstand bewegt sich im für die Jahreszeit normalen Bereich. Mit einer Veränderung der Situation ist für den Moment nicht zu rechnen.“
Neben der Wassermenge werden am Pegel Pastorat auch eine Vielzahl von Messwerten zur Qualität des Wupperwassers erhoben, wie Temperatur, Sauerstoffgehalt, pH-Wert, elektrische Leitfähigkeit und Trübung. Diese Daten sind wichtig, um die Lebensbedingungen für Pflanzen und Tiere in der Wupper zu überwachen, so Patrick Heidbüchel vom Wupperverband.
Mit Blick auf künftige Hochwasserlagen erläuterte sein Kollege Daniel Heinenberg, dass beim Wupperverband mit zwei Triggerpunkten gearbeitet werde. Bei dem ersten wird die Vorwarnstufe ausgelöst und bestimmte Personen in der Verwaltung, bei Feuerwehr und Katastrophenschutz automatisiert informiert. Die zweite ist die Einsatzstufe. Wenn sich ein Hochwasser entwickelt und das mittlerweile sehr ausgebaute Messsystem im Einzugsgebiet des Wupperverbandes erwarten lässt, dass das Wasser weiter steigt, werden Entscheider für bestimmte Schutzmaßnahmen auch in Videokonferenzen zusammengeschaltet.
Heinenberg machte deutlich: „Unser verbessertes Pegelsystem mit verlängerten Vorwarnzeiten kann Risiken vermeiden helfen und eventuell auch Schäden.“ Allerdings schränkte er ein: „Ereignisse wie im Juli 2021 haben eine extrem begrenzte technische Beherrsbarkeit.“
https://hochwasserportal.wupperverband.de/

